CD-Review: Paradise Lost - Obsidian

Besetzung

Nick Holmes – Gesang
Greg Mackintosh – Gitarre
Aaron Aedy – Gitarre
Steve Edmondson – Bass
Waltteri Väryrynen – Schlagzeug

Gastmusiker:
Heather Mackintosh – Hintergrundgesang (Track 08)
Alicia Nurho – Geige (Tracks 01 & 07)

Tracklist

01. Darker Thoughts
02. Fall From Grace
03. Ghosts
04. The Devil Embraced
05. Forsaken
06. Serenity
07. Ending Days
08. Hope Dies Young
09. Ravenghast


Beinahe hatte die Metal-Welt schon vergessen, dass PARADISE LOST – weithin bekannt für ihren vorzeigbaren, nicht sonderlich extremen Gothic-Metal-Stil – einst zu den Gründervätern des Death/Doom gehörten. Dann kam „The Plague Within“ (2015) und mit ihm hielten die morbiden Growls, die unheilvollen Gitarrenleads und die tonnenschweren Schlagzeugeinlagen erstmals seit Jahrzehnten wieder Einzug in den Sound der Briten. Auf „Medusa“ (2017) waren der stoische Klargesang, die sanfteren Gitarrentöne und die Keyboards schließlich fast vollständig verschwunden – mehr Death/Doom geht eigentlich nicht. So fragte man sich vorweg, wo es PARADISE LOST auf dem Nachfolgewerk „Obsidian“ wohl hinziehen würde.

Tatsächlich könnte man bei PARADISE LOST anhand ihres sechzehnten Albums eine gewisse Rastlosigkeit vermuten, erscheint „Obsidian“ doch wie ein Sammelsurium all der unterschiedlichen Stilelemente, die sich das Quintett in seinem umfangreichen Backkatalog bereits zu eigen gemacht hat. Nach der weitgehend homogenen Vorgängerplatte bekommt man hier wieder ein deutlich breiteres Klangspektrum und sogar allerlei Unerwartetes zu hören. Bestes Beispiel hierfür ist bereits der Opening-Track „Darker Thoughts“: Nach einem für die Band ungewöhnlich zarten und minimalistischen Akustik-Intro wechseln sich stimmungsvolle Goth-Rock-Strophen mit einem bodenständigen Doom-Refrain ab, während opulente Streicher für zusätzliche Dramatik sorgen.

Auch in weiterer Folge zeigen sich PARADISE LOST gerade für eine so altgediente Band bemerkenswert probierfreudig. Mit seinen stoischen Gesängen, perlenden Gitarren und geradlinig stampfenden Beats klingt „Ghosts“ zu Beginn wie eine Hommage an The Sisters Of Mercy, „Forsaken“ nimmt seinen Anfang mit drohendem Chorgesang und im Abschlusstrack „Ravenghast“ erschafft die Band mit geisterhaften Keyboards eine schaurige Atmosphäre.

Fast ist man geneigt, PARADISE LOST Effekthascherei zu unterstellen, wirken die Songs, wenn man sich diese kleinen Besonderheiten wegdenkt, mitunter doch ein bisschen uninspiriert („Forsaken“). Letztlich sind es sogar eher die bandtypischen Tracks wie das durch und durch hoffnungslose, schleppende „Fall From Grace“, die „Obsidian“ davor bewahren, als inhaltsleeres Auffangbecken für ein paar halbherzig eingepflanzte Gimmicks dazustehen. An der kraftvollen, ungekünstelten Produktion gibt es zudem nichts auszusetzen – mögen PARADISE LOST hier auch nicht ganz so mächtig klingen wie zuvor auf „Medusa“.

Obwohl PARADISE LOST mit „Obsidian“ eines ihrer bislang vielseitigsten Alben kreiert haben, wird es auf Dauer wohl nicht als eine ihrer erinnerungswürdigsten Veröffentlichungen in die Bandgeschichte eingehen. Melodien für die Ewigkeit, wie man sie auf „Gothic“, „Draconian Times“ oder gar „Tragic Idol“ zuhauf findet, gibt es hier keine. Allzu grobe Fehltritte haben sich die Doom-Metaller hier allerdings ebenso wenig erlaubt, sodass das Album die Fans zumindest halbwegs gut zufriedenstellen sollte. Und das muss eine Band mit über dreißig Jahren auf dem Buckel nach fünfzehn herausgebrachten Studioalben erst einmal bewerkstelligen. Man darf also gespannt bleiben, womit PARADISE LOST uns in Zukunft noch überraschen werden.

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Bewertung: 7 / 10

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