CD-Review: Paradise Lost - Lost Paradise

Besetzung

Nick Holmes - Gesang
Gregor Mackintosh - Gitarre
Aaron Aedy - Gitarre
Stephen Edmondson - Bass
Matthew Archer - Schlagzeug
Gastmusiker:
Key Field - Gesang

Tracklist

01. Intro
02. Deadly Inner Sense
03. Paradise Lost
04. Our Saviour
05. Rotting Misery
06. Frozen Illusion
07. Breeding Fear
08. Lost Paradise Lost


Mit Debütalben von Bands, die über die Jahre eine enorme Entwicklung sowohl in Sachen Qualität als auch in stilistischen Fragen durchgemacht haben, ist es immer so ein Ding. Ist es für die einen eine dringend benötigte Selbstfindungsphase, präsentieren andere Truppen bereits mit dem Erstling ein Werk, welches ungeahnterweise später zu einem echten Klassiker wird. PARADISE LOST passen da gut ins Schema, wandelten sie sich doch von Death-Doom über Gothic zu Elektro und wieder zurück zum Gothic Metal, wo sie auch heute noch stehen. Das Debüt klang 1990 da noch ganz anders und, um es vorweg zu nehmen, auch gar nicht so gut, wie spätere Veröffentlichungen.

Los geht es schon mal mit bescheidenen Mitteln, knapp drei Minuten schwirren einem Klänge um die Ohren, die irgendwo zwischen Walgesängen und dem kosmischen Hintergrundrauschen anzusiedeln sind. Das folgende „Deadly Inner Sense“ zeigt dann, warum PARADISE LOST gemeinsam mit Anathema und My Dying Bride als die „großen Drei des Doom Metals“ bezeichnet wurden. Scheppernder Sound, tendenziell eher langsam gehalten, auch wenn Ausbrüche nach oben hier und da eingestreut werden und die zähe Angelegenheit etwas auflockern. Nick Holmes röhrt dazu in bester Manier, überzeugt dabei aber nicht so wirklich, was verständlich ist, wenn man zweieinhalb Jahrzehnte später einfach andere Standards gewöhnt ist.
Dies gilt unumwunden für den Rest der Platte auch, wenn man den Sound etwas unter die Lupe nimmt. PARADISE LOST haben dafür jede Absolution, die es braucht, die Möglichkeiten waren andere, die Ansprüche auch, trotzdem ist der Hörgenuss natürlich stark eingetrübt. Das wäre freilich nicht ganz so schlimm, wenn nicht auch das Songwriting insgesamt etwas dürftig ist. Damals waren Dreieinhalb-Akkorde-Riffs vielleicht noch innovativ, inzwischen fällt es aber schon schwer, die Verdienste des Albums anzuerkennen. Klar, ohne „Lost Paradise“ kein „Gothic“, „Shades Of God“, „Icon“, „Draconian Times“ usw. und daraus folgend auch viele Bands nicht, für die PARADISE LOST eine Inspiration waren. Aber reicht das, um nach 25 Jahren noch Lobeshymnen auf ein objektiv schwaches Album zu singen? Die Frage mag jeder für sich beantworten.

Die Wichtigkeit der Briten für eine gesamte Szene wird überhaupt nicht in Frage gestellt, aber wer Lust auf richtig gute Musik von PARADISE LOST hat, sollte nicht unbedingt zum Debüt greifen, es sei denn, er ist verbissener Freund des Doom-Metals. Was Holmes und Co besser können, haben sie auf jedem der späteren Alben gezeigt und diese sollten erste Ansprechpartner sein. „Lost Paradise“ kann man als Fan haben, vielleicht muss man es sogar, aber die Erwartungen sollten schon entsprechend sein.

Bewertung: 4 / 10

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