Im Jahr 2020 wurden im italienischen Turin PONTE DEL DIAVOLO aus der Taufe gehoben, mit dem Ziel, schweren Doom Metal, angereichert mit Einflüssen aus Black Metal und Punk, vor ein hungriges Publikum zu bringen. Ein Plan, der aufgehen sollte. Denn nicht nur hat es die Band um Frontfrau Erba del Diavolo in dieser kurzen Zeit zu einem Gig auf dem ROADBURN FESTIVAL – und damit auf die Bühne ihres Genres – geschafft. Nach drei EPs und dem Debüt „Fire Blades From The Tomb“ von 2024 erscheint nun, fast auf den Tag genau zwei Jahre später, dessen Nachfolger „De Venom Natura“.
Gemäß dem eigenen Genretitel – Blackened Post-Punk – starten PONTE DEL DIAVOLO sehr verlässlich in ihr neues Werk: Nach einem kleinen, wavigen Intro kommen sie schnell zum Kern der Sache. Schwere Rhythmusgitarren stimmen in die – eine Besonderheit der italienischen Band – beiden Bassgitarren ein. Melodisch geführt durch Tremolo-Linien und Erba del Diavolos eigentümlichen wie stimmigen Gesang ist „Every Tongue Has Its Thorns“ ein gelungener Start.
Den konventionellen Beginn von „Venom De Natura“ kontern PONTE DEL DIAVOLO mit „Lunga Vita Alla Necrosi“, einem spaßig tighten Song, der mit seinem wuchtigen Bass und leichtfüßigen Leads einen Drive erzeugt, der zum Tanzen anregen mag. Ohne die Wave-Karte vollends auszuspielen, schmeißt die Truppe sie hier doch gekonnt auf den Tisch. Subtil, jedoch sehr wirkungsvoll.
Allgemein ist es diese schöne Balance aus doomiger Behäbigkeit, entrückten Melodien und pointierter Rasanz, die die Kompositionen auf „Venom De Natura“ so spannend hält. Tracks wie „Spirit, Blood, Poison, Ferment!“ mit seinen irrwitzigen Spitzen an der Posaune (DIABLO SWING ORCHESTRA lassen grüßen) oder auch „Il Veleno Della Natura“, voll von kompositorischem Eigenwillen und songdienlicher Geradlinigkeit, bringen diese hohe Kunst absolut auf den Punkt.
Demgegenüber vergessen PONTE DEL DIAVOLO jedoch zu keiner Zeit, auf welchem Fundament sie stehen. Die zähen, fast schon hypnotischen Klänge von „Delta-9 (161)“ kulminieren nach bester Doom-Manier zu einer Kulisse, bei der man im Gras liegen, selbiges rauchen und in den Lavalampenhimmel blicken möchte. Und selbst das Gesangsfeature von Gionata Potenti (Nubivagant) auf „Silence Walk With Me“ ist (fast) perfekt gesetzt. Fast, weil gerade die letzten beiden Titel auf „Venom De Natura“ etwas zu auffällig den sicheren Weg gehen – womit sie zwar immer noch tolle Bestandteile des Ganzen sind, jedoch mit weit weniger der zuvor aufgefahrenen Wendigkeit.
PONTE DEL DIAVOLO sind große Hoffnungsträger ihrer Sparte. Das haben sie mit „De Venom Natura“ unterstrichen. Alles, was die Bezeichnung „Doom“ im Namen trägt, hat bisweilen das Problem kompositorischer Ödnis. Die Band umschifft diese Tücke über weite Strecken mehr als leichtfüßig. PONTE DEL DIAVOLO sind nicht schwergängig um der Schwere willen. Sie sind nicht eingängig zugunsten von Zugänglichkeit. Sie sind der schmale Grat zwischen Eigenwillen und Beständigkeit. Zwar muss „De Venom Natura“ zum Ende hin mit Schwankungen auf der Spannungskurve auskommen – dieser Umstand macht das zweite Album der Formation jedoch nicht weniger intensiv.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 8 / 10


