Es geht doch nichts über Punkrock-Newcomer aus Schweden. Wenn gerade keine in Sicht sind, tun es im Zweifel aber auch ROCKY & THE SWEDEN. Die kommen zwar aus Japan und haben sich schon vor 30 Jahren gegründet, aber wer von den Burschen schon mal was gehört hat, werfe den ersten Stein. Nach einer elfjährigen Pause, die nur 2013 für eine Einzelshow unterbrochen wurde, ist das Quartett seit 2016 wieder voll am Start und hat mit Rocky, Takeshi und Masaaki sogar noch drei Viertel der Erstbesetzung in seinen Reihen.
So tief, wie Hanf als Nutzpflanze in der japanischen Kultur verwurzelt ist, so eng ist sie mit der DNA von ROCKY & THE SWEDEN verwoben: Schon die erste EP von 1997 trägt den Titel „Hardcore Grasshoppers“, und auf das dritte Studioalbum „City Baby Attacked By Buds“ (GBH lassen grüßen) von 2019 folgt nun das vierte Full-Length-Wortspiel „Punks Pot Head“. Im Kontrast zur jahrtausendealten wirtschaftlichen Nutzung der Hanfpflanze in Japan stehen die drakonisch harten örtlichen Drogengesetze seit der US-Besatzung von 1948. Vor diesem Hintergrund ist der plakative Umgang der Band mit Bubatz nicht das, was es hierzulande heute wäre – Marketing-Gimmick oder Genre-Klischee –, sondern politische Provokation, die tatsächlich noch mit Risiken und Gefahren verbunden ist.
Hart ist nicht nur die Cannabispolitik der Japaner, sondern auch der Stil, den ROCKY & THE SWEDEN spielen. Von bekiffter Trägheit kann keine Rede sein, auf „Punks Pot Head“ herrscht das Uptempo, sei es wilder High-Octane-Rock mit Gang-Shouts oder wütend scheppernde Raserei, die im Moshpit für blutige Nasen sorgt. Dabei täuscht das Quartett gern mal für einige Sekunden an, bevor der Sturm losbricht: So könnte etwa das Intro-Riff von „Burning Again“ auch was Flotteres von BLACK SABBATH sein, „Chain Smoke“ und „Bakugeki Blaze“ steigen donnernd, aber schleppend ein, während der Auftakt von „Sennou Ch“ für Bandverhältnisse fast schon zu braver Midtempo-Rock ist. In den ersten Atemzügen des Albums teasern ROCKY & THE SWEDEN, bevor der Opener „Up In Smoke“ richtig losbrettert, gar einen Song von CHEECH & CHONG an, einem kanadischen 70er-Jahre-Comedy-Duo – und Kultcombo der Stoner-Szene. Den „Earache My Eye“ betitelten Track, den unter anderem auch schon KORN gecovert haben (>>hier reinhören), bedenken die Japaner in der Songmitte nochmals mit einem breiten Riffing-Tribut.
Das High-Speed-Geprügel, das auf „Punks Pot Head“ größtenteils regiert, runden ROCKY & THE SWEDEN mit einer wohlportionierten Prise Rock ’n’ Roll ab. So trippelt „Killer Weed“ in äußerst tanzbarem Garage-Punk-/Rockabilly-Gewand auf die Bretter, während „Seven“ eine herrlich rotzige Version von 70’s-Hard-Rock und modernerem skandinavischen Sleaze à la HELLACOPTERS und TURBONEGRO bietet. Aufgeputschter Old School Rock ’n’ Roll spielt dann auch die Rolle des Rausschmeißers: „R&R Highway“ schießt die knackigen Vintage-Riffs aus den Hüften und ist nach vermeintlich zwei Minuten durch, beweist dann aber noch mal in einem ausgiebigen Instrumental-Part, dass Gitarrist S-Park – Punk hin oder her – auch bei Soli fest im Sattel sitzt.
Auch sonst bieten alle Musiker tighte Performances – man merkt, dass hier Leute spielen, die teilweise schon Jahrzehnte gemeinsam zocken. Dabei ist „Punks Pot Head“ in einem klaren Live-im-Studio-Sound abgemischt, der allen Beteiligten transparent Platz einräumt – auch den schrillen Screams von Sänger Rocky. Die sind übrigens – abgesehen von den Songtiteln, die oft auch die Refrains darstellen – durchweg in Japanisch gehalten.
Lässt man diese sprachliche Besonderheit außen vor, bleibt aus westlicher Perspektive nicht sonderlich viel, was ROCKY & THE SWEDEN zu etwas Besonderem macht. Aber das ist womöglich auch gar nicht der Anspruch der Band. Der Vierer holzt sich auf „Punks Pot Head“ durch eine gute halbe Stunde rastlosen Punk mit Rock-’n’-Roll-Schlagseite und agiert dabei absolut unterhaltsam, kurzweilig und furios. Fans von Speedfreaks wie ZEKE (die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend) und ’80er-Hardcore, aber auch MIDNIGHT, INSANITY ALERT, S.O.D. und Konsorten dürfen hier gerne mal reinhören.
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Wertung: 7 / 10


