Nach dem gewaltigen Album „Beyond The Cenotaph Of Mankind“ aus dem Jahre 2023 kehren RUNEMAGICK nun mit „Cycle Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ zurück. Oder sollte man eher sagen: Nicklas Rudolfsson kehrt zurück? Sowohl Gesang, Gitarre, Bass, Synthesizer als auch Schlagzeug entstammen komplett seiner Feder und damit ist das neue Album ein Ein-Mann-Projekt geworden. Somit beginnt für RUNEMAGICK zwangsläufig eine neue Ära. Eine solche bedeutet aber nicht immer positive Veränderung, sondern kann auch wie wässriger kalter Kaffee schmecken, was die neue Platte leider eindrücklich demonstriert.
Was mit einer Maultrommel und schwerer Gitarre beginnt, lässt bei „Wyrd Unwoven“ erstmal Hoffnung aufkeimen. Schnell wird aber klar, dass nicht nur an dichter Gitarrenarbeit gespart wurde, sondern auch die musikalische Vielfalt, die auf „Beyond The Cenotaph Of Mankind“ noch allgegenwärtig war, scheint plötzlich verschwunden. Stattdessen klingen RUNEMAGICK eher nach schepperndem Garagen-Death-Metal während eines lokalen Clubauftritts. Das kann durchaus charmant sein, wirkt hier aber rückschrittig.
Ausgekoppelt wurde der zweite Song „Old Bones“ von „Cycle Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ bereits im Juli dieses Jahres. Die Single hat damit schon frühzeitig die Schwächen des Albums aufgezeigt. Erst wird durch interessante Gitarrenriffs ein gewisser Spannungsbogen erzeugt, der aber im Laufe des Songs keine Möglichkeit bekommt, sich aufzubauen. Dieses Schema zieht sich durch die gesamte Veröffentlichung. Die Strophen sind zu eintönig und verlieren in ihrer teils ausufernden Länge die Aufmerksamkeit der Hörer:innen. Dadurch büßen auch alle anderen Songs schnell an Reiz ein. So gelingt es RUNEMAGICK beispielsweise in „Spired Of The Drowned Horizon“ wieder, mit Beginn des Songs das Interesse zu wecken, jedoch wird man erneut schnell ob der langweiligen Strophen ernüchtert.
Typisch für RUNEMAGICK waren seit jeher auch die gekonnt eingeflochtenen Thrash-Einschläge. Diese gehen aber aktuell allesamt in den viel zu langwierigen Songs unter und wirken teilweise wie eingestreute und deplatzierte Ideen, die noch unbedingt irgendwo untergebracht werden mussten. Als solche muten auch die zwei „Embers Of The Unwritten Dawn“-Parts an. Die beiden letzten Titel sind zwar in ihrer Aufmachung ein netter Kontrast zum vorangegangenen Einheitsbrei, aber selbst eine zusätzliche Frauenstimme und das Knistern eines Lagerfeuers können „Cycles Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ nicht mehr retten.
Unvorteilhaft für den Gesamteindruck der Platte ist ebenfalls Rudolfssons Gesangsleistung. Sein meist einspurig aufgenommener gutturaler Gesang ist mal in die Songs eingebettet, mal schwebt er über der Komposition und leiert fast schon gelangweilt über den anderen Instrumenten. Dass er durchaus gesangliche Fähigkeiten zeigt, steht nicht zur Debatte. Jedoch hätten RUNEMAGICK diese besser im Sounddesign verarbeiten und damit präsentieren müssen. So fehlt es Rudolfssons Gesang an Druck, Tiefe und Raum.
Wo das Vorgängeralbum „Beyond The Cenotaph Of Mankind“ durch schweren Doom Metal und thrashige Death-Klangwände die Rezensentin in das Sitzmöbel gedrückt hat, bleibt dieser Effekt des Zurücklehnens bei „Cycle Of The Dying Sun (Dawn Of Ashen Realms)“ gänzlich aus. RUNEMAGICK wirken auf der Platte viel zu dünn und entrinnen einem förmlich zwischen den Fingern hindurch. Sehr, sehr schade. Am Ende fragt man sich, was hier eigentlich passiert ist. Demnach bleibt nur noch ein enttäuschter Blick gen Schweden und sinnhaft die Frage: „Men vad i hela friden har hänt här?!“
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Wertung: 4.5 / 10


Als großer Runemagick Fan bin ich seit 1999 dabei und muss mich deinem Review leider anschließen. Das ist das schlechteste Album der Bandgeschichte geworden. Es fehlt an Kraft, die Songs wirken unstrukturiert und es gibt keinen roten Faden, der sich durch die Platte zieht. Es hat einen Beigeschmack, dass auf der CD vier Titel mehr sind als auf der Platte, gehören die jetzt zum Album dazu, oder nicht? Ich bin wirklich ratlos und enttäuscht.
Hallo Martin!
Lieben Dank für deinen Kommentar. Es war sicherlich für dich dann eine sehr große Enttäuschung, wenn du bereits seit 1999 dabei bist und die Bandentwicklung miterleben konntest. Den Beigeschmack und die Verwirrung deinerseits kann ich gut verstehen.