Mat „Kvohst“ McNerney ist ein wahrer Rumtreiber. Nicht nur hat er seinen Namen fest im experimentellen Black Metal verankert – ehemals etwa mit DØDHEIMSGARD, jetzt mit HEXVESSEL. Er hat zudem die Genre-Eigenkreation des „Apocalyptic Post Punk“ geprägt. So veröffentlichte er 2013 mit seiner Band BEASTMILK das hochgelobte „Climax“, ehe sich die Formation später in GRAVE PLEASURES umbenannte und mit der „Funeral Party“-EP sowie dem Album „Dreamcrash“ weitere viel beachtete Releases vorlegte.
Eigentlich ist es schade, dass GRAVE PLEASURES bei derart authentischer Musik bisweilen eher ein Geheimtipp geblieben sind. Und warum eigentlich SCORPION MILK? Musikalisch nähert sich „Slime Of The Times“ dem an, was BEASTMILK einst begonnen hatten. Gemeinsam mit Nate Newton (CONVERGE, CAVE IN) und Tor Sjödén (VIAGRA BOYS) hat McNerney neun Songs geschaffen, die zwischen dem Gothic der 80er-Jahre, Post Punk und Metal die Waage halten.
Schon mit dem Opener „All The Fear (That Money Can Buy)“ wird deutlich, dass McNerney gar nicht beabsichtigt, sich weit vom Treiben von GRAVE PLEASURES zu entfernen. Die rauen Gitarren erzeugen sofort eine diffus düstere Atmosphäre und dieses kleine THE-SISTERS-OF-MERCY-Gefühl. Das simple, aber treibende Schlagzeugspiel von Gast-Drummer Paul Ferguson (KILLING JOKE) bringt Dynamik, und auch der Gesang wirkt eigen und stimmig. „The Will To Live“ kommt mit seinem verwaschenen Sound und den entrückten Melodien einem Noir-Soundtrack nicht nur nahe – man meint, mitten in Rauchschwaden, Schweiß und Schwarzlicht zu stehen.
Dass es auch eingängig zugehen kann, beweisen McNerney & Co. mit „She Wolf Of London“ – einem Song, der ebenso gut auf einer GRAVE-PLEASURES-Platte Platz gefunden hätte. Für diesen weniger atmosphärischen, dafür sehr treibenden Track konnte sogar Will Gould (CREEPER) gewonnen werden. Nicht nur bereichert dieser Schritt den Song gesanglich – „She Wolf Of London“ ist ganz klar ein Highlight auf „Slime Of The Times“. Während ein Stück wie „Another Day, Another Abyss“ den gesamten Charme der 80er-Wave- und Gothic-Szene in sich vereint, überzeugen SCORPION MILK im titelgebenden Track durch den dreckigen Charakter und den groovigen Drumbeat. Auch die Gitarrenarbeit fügt sich wunderbar verschroben ein und vermittelt ein Gefühl drohenden Untergangs.
Nach rund 36 Minuten findet „Slime Of The Times“ sein tragisches Ende. Der zutiefst pessimistische Schlusstrack „Children Are Dust“ zeichnet ein finsteres Bild der Menschheit. Das einfache Drumming in Kombination mit einer schlichten, aber stimmigen Lead-Melodie zeigt eindrucksvoll, warum gerade der frühe Gothic Rock für alle Formen moderner melancholischer Musik so essenziell war – ein starker Schlusspunkt.
Wirklich neu ist bei SCORPION MILK freilich nichts. Man könnte sich stellenweise fragen, ob es dieses Projekt überhaupt gebraucht hat. Lässt man diese Frage jedoch beiseite, steht „Slime Of The Times“ als gelungenes Debüt irgendwo zwischen den Werken von BEASTMILK und HEXVESSEL. Die rauen, leicht entrückten Songs bieten vielleicht keine große Innovation, dafür aber authentische Retro-Vibes – perfekt für die kleine Melancholie bei Kippen und Schwarzlicht.
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Wertung: 7.5 / 10



Wie bei Beastmilk und Graves Pleasure auch hab ich eigentlich erwartet, dass es mich mehr mitreißt, weil ich im Grundsatz für genau sowas absolut zu haben bin. Irgendwas funktioniert aber für mich nicht so sonderlich und am Ende des Tages ist es, glaube ich, einfach das Songwriting, was mich nicht völlig packt. Mir fehlt da immer das Quäntchen Irrsinn oder der Hauch an Ecken und Kanten, der mehr daraus macht als ganz nette Begleitmusik. Ich probiere es immer wieder, aber letztendlich ist die CD schnell im Regal gelandet und steht da erst Mal gut.
Hey Winterpercht,
ja so ging es mir auch. Die Songs an sich finde ich wirklich schmissig, aber ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, ob es das Projekt vor dem Hintergrund der starken Alben von Beastmilk/Grave Pleasures überhaupt gebraucht hätte. Zumal letztgenannte Formationen im Grunde das gleiche auch schon wesentlich besser gemacht haben.
Grüße.
Philipp | Metal1
Bin da ganz bei euch, irgendwie nett, aber irgendwie verschwimmen die Grenzen zwischen seinen Projekten auch so, dass man sich schon fragt, ob es dauernd noch ein neues gebraucht hätte.
Empfinde ich ähnlich… positiv überrascht war ich von Haunted Plasma, aber inwieweit das zählt, ist fraglich, weil er da nur Vocals beisteuert und kein festes Bandmitglied ist.