CD-Review: Sepultura - SepulQuarta

Besetzung

Derrick Green – Gesang
Andreas Kisser – Gitarre
Paulo Jr. – Bass
Eloy Casagrande – Schlagzeug

Gastmusiker:
siehe Tracklist

Tracklist

01. Territory (feat. David Ellefson)
02. Cut-Throat (feat. Scott Ian)
03. Sepulnation (feat. Danko Jones)
04. Inner Self (feat. Phil Rind)
05. Hatred Aside (feat. Angélica Burns, Mayara Puertas & Fernanda Lira)
06. Mask (feat. Devin Townsend)
07. Fear, Pain, Chaos, Suffering (feat. Emmily Barreto)
08. Vandals Nest (feat. Alex Skolnick)
09. Slave New World (feat. Matthew K. Heafy)
10. Ratamahatta (feat. Joao Barone & Charles Gavin)
11. Apes Of God (feat. Rob Cavestany)
12. Phantom Self (feat. Mark Holcomb)
13. Slaves Of Pain (feat. Fred Leclercq & Marcello Pompeu)
14. Kaiowas (feat. Rafael Bittencourt)
15. Orgasmatron (feat. Phil Campbell)


Im beruflichen Kontext hat die Corona-Pandemie das Arbeiten im Home-Office befördert und der Videokonferenz zu ungeahnter Popularität verholfen. Aber auch auf die Metal-Szene bezogen hat das Virus viel verändert: Wir haben Sommer ohne Festivals erlebt, Abstandskonzerte im Sitzen und Streamshows aus beeindruckenden wie auch weniger beeindruckenden Locations.

Mit ihrem Projekt SepulQuarta haben SEPULTURA schon früh in der Pandemie – seit April 2020, um genau zu sein – viele der genannten Aspekte verknüpft: Aus den jeweils eigenen vier Wänden heraus digital zusammengeschaltet spielten die vier Brasilianer mit prominenten Gästen wie Devin Townsend, Scott Ian, Danko Jones oder Matt Heafy ihre größten Hits und veröffentlichten die Videos mit begleitenden Q&A-Clips auf ihrer Homepage.

Die Mitschnitte von 15 der schlussendlich 29 abgehaltenen Remote-Sessions erscheinen nun – ebenfalls unter dem Namen „SepulQuarta“ – im reinen Audioformat auf CD und LP. Aus einem spannenden Projekt wird dabei leider eine ziemlich lahme Veröffentlichung.

War der Sound bei den Videos noch eher zweitrangig – es ging schließlich darum, Metalheads in Freundschaft verbunden abrocken zu sehen – macht es wenig Freude, sich dieses Semi-Live-Album in Pre-Production-Sound anzuhören: Die Drums klingen hohl, die Gitarren dünn, der Gesamtmix schlicht anstrengend. Kein Vorwurf an dieser Stelle an den Produzenten: Es handelt sich eben nicht um hochwertiges Studiomaterial. Man sollte es dann nur eben auch nicht wie solches behandeln und auf CD/LP pressen.

Auch ein weiterer zentraler Aspekt der Kollaborationen geht ohne Bild schnell unter: die Kollaboration. Während Gastsänger den Songs noch recht eindeutig ihren Stempel aufdrücken, sind Gastgitarristen nur in den seltensten Fällen eindeutig „herauszuhören“. Was bleibt, sind 14 SEPULTURA-Songs und der Motörhead-Klassiker „Orgasmatron“ (feat. Phil Campbell), die ihren Studioversionen gesanglich mal mehr, mal weniger ähneln, ansonsten aber vor allem eher trashig denn thrashig klingen. Das ist schade – sehr sogar. Denn mit dem Projekt SepulQuarta hatten SEPULTURA eine gute Idee: Lockere Unterhaltung in der ansonsten ereignislosen Corona-Zeit – und ein Lebenszeichen der durch abgesagte Touren „arbeitslos“ gewordenen Musiker, das den Szenezusammenhalt widerspiegelt.

Wie bei so mancher Streamshow, die „live“ und mit Video noch funktionierte, als „Live-from-the-Studio-Album“ jedoch in Ermangelung jedweder Atmosphäre erschaudern lässt, zeigt sich auch hier: Nicht alles, was mit neuen Technologien möglich ist, kann (und sollte) 1:1 auf alte Technologien übertragen werden. Wofür eine „Live-CD“ mit improvisiertem Sound, wenn es die Videos plus Hintergrund-Interviews und dergleichen mehr auf der SEPULTURA-Homepage zu sehen gibt? Die Antwort ist simpel: Weil sich die Videos im Netz nicht zu Geld machen lassen. Aber bei allem Respekt vor krisengebeutelten Bands mit leeren Kassen: Ganz so plump sollte man nicht zum Abcashen übergehen, um nicht die eben mühsahm erarbeitete Gunst der Fans wieder zu verspielen.

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Bewertung: 4.5 / 10

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