Cover des Abums "The Testament" von Seventh Wonder

Review Seventh Wonder – The Testament

SEVENTH WONDER gibt es nun schon seit über 20 Jahren, mit „The Testament“ veröffentlichen sie ihr sechstes Album und haben bisher ausschließlich gute Scheiben in ihrem Portfolio – dennoch fristen die Schweden nach wie vor ein Nischendasein in der Prog-Metal-Szene. Das könnte unter anderem daran liegen, dass SEVENTH WONDER mit „Tiara“ (2018) in den letzten zwölf Jahren gerade mal ein Album veröffentlicht hat. Daran könnte Sänger Tommy Karevik nicht ganz unschuldig sein: Seit 2012 ist er Frontmann der ungleich größeren Kamelot und hatte mit dem Posten bei dieser Band seitdem genug zu tun.

Während sich Karevik bei Kamelot aufgrund der orchestralen Arrangements und der großen Fußstapfen, die Roy Khan hinterließ, nie zu 100 % entfalten konnte, kann er das bei SEVENTH WONDER sehr wohl. Vielleicht hat Karevik bei Kamelot auch einfach zu sehr versucht, wie Roy Khan zu klingen und sich damit selbst limitiert. Falls noch jemand Zweifel an seiner herausragenden Stimme hegte, können diese mit „The Testament“ jedenfalls ausgeräumt werden. Egal ob sanfter Klargesang, ganz hohe Spitzen oder kraftvolle, ausdrucksstarke Vocals, er beherrscht das gesamte Spektrum. Nicht nur hat er in seinem großen Stimmumfang eine beeindruckende Variabilität, sondern transportiert damit vor allem wahnsinnig viele Emotionen.

Das ist es auch, was die Musik im Allgemeinen ausmacht: Die Melodien stecken voller Emotionen, die teilweise auf solch dramatische, kitschige Weise erzeugt werden, dass ein wohliger 80er-Jahre-Flair über allem liegt. Das passt perfekt zum hochmelodischen Prog, den die Schweden spielen. Die beiden Vorabsingles „Warriors“ und „The Light“ sind demnach vom Gefühl her sehr fröhlich und beschwingt und vor allem unglaublich catchy. Leichte Power-Metal-Einflüsse, stets präsente und auch mal spacige Keyboards und ein dynamischer, rockiger Grundton ziehen sich auch durch das restliche Album. Im späteren Verlauf wird’s aber auch etwas anspruchsvoller, das instrumentale „Reflections“ etwa kann in seinen fünfeinhalb Minuten mit kraftvollen und verspielten Momenten überzeugen – das Stück hätte gerne noch einige Minuten mehr dauern und weiter abschweifen können.

„Under A Clear Blue Sky” mit etwas weniger als neun Minuten ist der länge Track des Albums und ein weiteres Highlight. Der rockige Charakter mitsamt dem wundervoll pompösen 80s-Feeling kommen hier so richtig zum Tragen. Die spacigen Keys, die jazzigen Instrumentalpassagen sowie der kraftvolle und voller Seele vorgetragene Refrain machen den Song zu einer Genreperle. Etwas melancholischer oder düsterer wird es inmitten all der gelösten Hochstimmung nur bei „Mindkiller“ und im Ansatz bei „The Red River“. Etwas mehr Abwechslung in diese Richtung hätte der Scheibe gut getan – „The Testament“ ist zwar ein in sich schlüssiges Album und eine schöne Reise von Anfang bis Ende, teilweise aber etwas zu gleichartig in all seiner Verspieltheit.

„The Testament“ ist ein gefälliges, sehr melodisches Progmetal-Album. Karevik bringt mächtig Drama und Kitsch in den Mix, aber bei SEVENTH WONDER passt das einfach – auch und gerade wegen seiner manchmal übertriebenen Theatralik ist er einer der aktuell besten Sänger im Business. Fans der Band werden an dem Album zweifellos große Freude haben, „The Testament“ ist außerdem dafür prädestiniert, immer und immer wieder aufgelegt zu werden. Wer SEVENTH WONDER bisher nicht kennt und dem Dream Theater zu frickelig und Symphony X zu hart sind und dem melodischer Prog zwischen Threshold und Sonata Arctica gefallen könnte, der ist hier genau richtig aufgehoben.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wertung: 8 / 10

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.