CD-Review: Soilwork - A Whisp Of The Atlantic (EP)

Besetzung

Björn "Speed" Strid - Gesang
David Andersson - Gitarre
Sylvain Coudret - Gitarre
Bastian Thusgaard - Schlagzeug
Sven Karlsson - Schlagzeug

Sessionmusiker:
Rasmus Ehrnborn - Bass

Tracklist

01. A Whisp Of The Atlantic
02. The Nothingness And The Devil
03. Feverish
04. Desperado
05. Death Diviner


Wie auf ein Schweizer Uhrwerk kann man sich auch auf regelmäßige Veröffentlichungen aus dem Hause SOILWORK verlassen. Während viele Bands mit steigendem Alter die Rate an Veröffentlichungen mindern, ist der Produktivitätsdrang der Melodic-Death-Ikonen ungebrochen. So steht knapp zwei Jahre nach „Verkligheten“ nun schon „A Whisp Of The Atlantic“ in den Regalen. Zwar handelt es sich hierbei nur um eine EP, mit einer Spielzeit von über 37 Minuten erreicht diese jedoch Albumlänge. Ob man das Extended Play nun als vollwertigen Release anerkennt oder doch nur als ein Häppchen, das die Wartezeit auf das nächste Full-Length verkürzt, ist jedem selbst überlassen.

Dass die Mannen um Sänger Björn „Speed“ Strid sich dafür allerdings einiges vorgenommen haben, dürfte niemand abstreiten. Mit dem eröffnenden Titeltrack bieten SOILWORK ihren Fans nämlich nicht nur ein Häppchen, sondern den mit Abstand längsten Song ihrer Karriere – ganze 16:31 Minuten dauert dieser. Dass das Quintett sich vom ursprünglichen Melodic Death Metal langsam entfernt, war bereits auf dem starken Vorgänger erkennbar – Elemente des klassischen Heavy Metals, aber auch des Black Metals erweiterten das Soundspektrum gekonnt – einen solch progressiven und mächtigen Brocken hätten dennoch die wenigsten erwartet.

Mit Meeresrauschen und Pianoklängen nehmen SOILWORK den Hörer in einem kleinen Holzboot mit auf die lange Fahrt in die unendlichen Weiten des Atlantiks. Mit Klargesang und unverzerrten Gitarren führen die Schweden einen fort von der Göteborger Westküste und über die Nordsee ins offene Meer. Dort erstmal angelangt, beginnt ein Spiel mit den Gezeiten. Mit der passenden Zeile „Random waves are crashing down“ entwickelt sich ein verzerrtes, drückendes Riff und Strid bricht mit seinen heißeren Shouts die einst angenehme Stimmung. So beginnt ein wahrhaftiges Spiel mit den Gezeiten – aufkreuzende Klargesangspassagen wiegen einen in trügerischer Sicherheit, während langsame, aber mächtige Wellen heranpreschen – schnell abgelöst von wilden, von Stürmen aufgeschäumten Wellen.

Das kleine Boot wird hin- und hergeschüttelt – von Gitarrensoli umhergewirbelt, von der schnellen Bass-Drum beinahe unter die Wasseroberfläche gedrückt. Bis nach knapp der Hälfte des Openers ein atmosphärisches Zwischenspiel Einhalt gebietet und einen Kraft für weitere Überraschungen sammeln lässt. Als würde in den Tiefen ein Leviathan gegen einen Kraken kämpfen, brechen SOILWORK in der zweiten Songhälfte zwischenzeitlich in schiere Raserei aus, um das Boot mit einem Saxofon-Outro und wiederkehrendem Meeresrauschen zurück in den sicheren Hafen zu leiten.

Obwohl das unangefochtene Highlight der EP der eröffnende Titeltrack ist, darf man auch die folgenden vier Songs nicht außer Acht lassen. Auf „The Nothingness And The Devil“ lassen die Göteborger wieder klassische Heavy-Metal-Elemente durchblitzen, bevor auch dieser Song eine unerwartete Wendung nimmt und mit einem langen, atmosphärischen Instrumental abgeschlossen wird. Wie auch beim Titeltrack lassen sich in diesen Momenten sogar Parallelen zu ihren Landsmännern von Opeth erkennen.

Doch auch Fans des klassischen SOILWORK-Sounds kommen auf ihre Kosten: Auf „Feverish“, „Desperado“ und „Death Diviner“ setzt die Truppe mehr auf den Mix aus Melodie und Death Metal und das Wechselspiel zwischen geschrienen Strophen und gesungenen Refrains. Natürlich klingt das auch auf der „A Whisp Of The Atlantic“-EP nicht mehr nach „Figure Number Five“ oder „Stabbing The Drama“ – die damalige Unbekümmertheit wurde schon längst von einem erwachseneren und schwermütigeren Sound abgelöst. Doch gerade ein „Desperado“ hätte mit seiner schieren Energie auch auf „The Panic Broadcast“ gepasst.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass SOILWORK sich stetig weiterentwickelt haben und nicht mehr zurückgehen werden. Sowohl die angesprochenen, auf Eingängigkeit getrimmten Zeiten eines „Stabbing The Drama“, aber auch die durchgängige Aggression eines „Steelbath Suicide“ sind Relikte der Vergangenheit. Im Gegensatz zu anderen Ikonen der Göteborger Schule kann man sich bei SOILWORK aber über eines immer sicher sein: was dem Fan hier geboten wird, hat Qualität. Und wenn damit ein so ungewöhnlicher, wie auch beeindruckender Song wie „A Whisp Of The Atlantic“ einhergeht, dürfte auch bei jedem Zweifler das Meckern einem Staunen weichen.

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Bewertung: 8 / 10

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