Review Tardigrade Inferno – Hush

TARDIGRADE INFERNO sind eine Band, bei der man sich fragt, wie es möglich ist, dass diese Gruppe mit ihrer Mischung aus metallischer Brachialität und weirdem Humor noch nicht weitergekommen ist. Die aus Sankt Petersburg stammende Formation ist nicht nur eine wilde Live-Erfahrung, auch die Musik selbst ist ziemlich einzigartig. Klar, die Kombination aus Metal und Keyboards ist mittlerweile auch seit Jahrzehnten etabliert. Aber „Dark Cabaret Metal“? Was zunächst seltsam klingt, funktioniert bei TARDIGRADE INFERNO hervorragend.

Auf ein Fundament aus heftigen Metal-Kompositionen legt die Band ebenso irrwitzige wie passende Keyboard-Arrangements. Darauf balanciert Sängerin Darya Rorria als wahnhafte Zirkusdompteurin zwischen keifender Aggression und feinfühlig-voluminösem Klargesang – eine Mischung, die stimmt. Dennoch scheint es, als wollten TARDIGRADE INFERNO mit ihrem neuen Album „Hush“ die Manege hinter sich lassen. Auf dem letzten Album „Burn The Circus“ hieß es im titelgebenden Stück:

„…lets burn down the circus with all of them inside…“

Wenn „Hush“ also mit dem Knistern eines brennenden Zirkuszeltes startet, ist das konsequent. „The Final Show“ knüpft dort an, wo „Burn The Circus“ endete. Eine mystische Spieluhr eröffnet den interlude-ähnlichen Opener, auf dem wuchtige, erdig produzierte Gitarren auf den gewohnt simplen wie eingängigen TARDIGRADE-Groove treffen.

Im Anschluss folgt eine Überraschung: „Hide ’n’ Seek“ nutzt erstmals russische Lyrics. Rorria singt hier über Riffs irgendwo zwischen RAMMSTEIN, PAIN und DEATHSTARS von einem tödlichen Versteckspiel. Obskur wie immer. Auffällig ist, dass die Keyboards, zuvor teils fast manisch eingesetzt, nun zurückgefahren wurden, sodass eingängige Refrains und Rhythmen wie auf „Deadly Fairytales“ mehr Raum erhalten.

Insgesamt wirkt das neue Material von TARDIGRADE INFERNO etwas entschlackt. Der Fokus liegt klar auf dem straighten Riffing von Gitarrist Alexander Pavlovich und den schmissigen Beats von Drummer Andrew Drew. Das ist keine schlechte Entscheidung, nimmt den Songs aber etwas von der sonst so prägenden „Weirdness“. Dafür gleicht Rorria dies gesanglich mit Irrwitz und Charme aus. Während „The Final Show“ erstmals Growls bietet, zeigt sie sich auf „Dead Fish Smile“ sehr emotional und liefert den wohl packendsten Refrain auf „Hush“, bevor sie die vorherige Grazie auf „Subatomic Heist“ mit fast kindlichem Gesang kontrastiert.

Nicht jeder Song auf „Hush“ zündet sofort. Im Vergleich zu „Burn The Circus“ fehlt es dem Album etwas an Eingängigkeit und Hooks. Stücke wie „I.C.D.“ und „Goor“ setzen zwar auf bandtypische Grooves, erreichen aber nicht ganz die Intensität der ersten Hälfte.

Wie eingangs gesagt: TARDIGRADE INFERNO hätten mehr Erfolg verdient. In einem Tourpaket mit AVATAR wären sie eine mehr als passende Ergänzung. Das Potenzial ist da, und auch wenn „Hush“ keine kompositorischen Rechenaufgaben bietet, macht die Platte vor allem eins: Spaß. Kleine Spannungseinbußen im Vergleich zu „Burn The Circus“ sind dabei leicht zu verschmerzen.

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Wertung: 7.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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