Hardcore-Alben zu besprechen ist nicht immer ganz einfach: Selten erfindet sich eine Band im Rahmen einer Albumproduktion komplett neu – denn wie auch im Punk ist mehr oder weniger klar definiert, wie das Endprodukt klingen wird. Trotzdem gibt es immer wieder einzelne Releases in der Diskografie, an der sich die Musiker mit jeder Neuveröffentlichung messen lassen muss: Im Fall von TERROR kann man hier getrost den letzten Output „Pain Into Power“ (2022) nennen, in dessen (zugegebenermaßen große) Fußstapfen der neue Longplayer „Still Suffer“ treten möchte.
Was bereits nach den ersten der insgesamt etwas über 27 Minuten auffällt: Kam „Pain Into Power“ noch angenehm oldschool daher, ist die Metal-Schlagseite bei zumindest den ersten beiden Songs „Erase You From My World“ und dem Titeltrack deutlich ausgeprägter. Ob das gefällt oder nicht, ist natürlich Geschmackssache, handwerklich gibt es aber nichts zu meckern. „Promised Only Lies“ überzeugt dagegen durch Würze in der Kürze: In nicht einmal anderthalb Minuten bekommt die Zuhörerschaft schnörkellosen TERROR-Hardcore auf die Ohren, der keine Wünsche offen lässt. Auch „Destruction Of My Soul“ und „Fear The Panic“ funktionieren in diesem Kontext ausgezeichnet.
Die restlichen Songs wirken dagegen spürbar blasser und generischer – wohlgemerkt auf recht hohem Niveau gemeckert, denn „Still Suffer“ ist immer noch eine sehr gute Hardcore-Scheibe, die sich nicht zu verstecken braucht. Spannend wird es nochmal beim Old-School-Hip-Hop-Intro von „Beauty In The Losses“ (wobei sowas wie ein Übergang in den eigentlichen Track wünschenswert gewesen wäre) oder beim ebenso Hip-Hop-lastigen „Hidden Track“, der nach einigen Sekunden Stille auf den Albumcloser „Deconstruct It“ folgt – aber insgesamt etwas konzeptlos und unmotiviert wirkt.
Die Gästeliste ist durchaus bemerkenswert: Fronter Scott Vogel wird auf „Beauty In The Losses“ von Jay Peta (MINDFORCE), auf „Deconstruct It“ von Brody King (GOD’S HATE) und Dan Seely (KING NINE) sowie auf „Fear The Panic“ von Chuck Ragan (HOT WATER MUSIC) unterstützt. Die Produktion, gerade das Schlagzeug, ist (für Hardcore-Verhältnisse) schon sehr fett, aber dabei transparent, allerdings auch ein bisschen polierter und insgesamt metallischer als auf „Pain Into Power“. Auch das muss man mögen, steht der Truppe aus Los Angeles aber gut zu Gesicht.
TERROR sind seit 24 Jahren im Geschäft, „Still Suffer“ ist das zehnte Album, welches das Quintett veröffentlicht hat. Mit einem Diskografie-Highlight schlechthin hat vermutlich niemand gerechnet, aber gerade im Schatten des Vorgängers wirkt das aktuelle Album ein wenig blass. Trotzdem: Auch wenn manche Songs hinter den Erwartungen zurückbleiben mögen, ist die knappe halbe Stunde Musik kurzweilig genug, um wirklich Spaß zu machen. Denn von TERRORs (durch die Bank positiver) Energie und Spielfreude können sich einige deutlich jüngere Bands eine große Scheibe abschneiden.
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Wertung: 7.5 / 10


