CD-Review: The Neal Morse Band - The Similitude Of A Dream

Besetzung

Neal Morse – Gesang, Keyboards, Gitarre
Eric Gillette – Gitarre, Gesang
Randy George – Bass
Mike Portnoy – Schlagzeug, Gesang
Bill Hubauer – Keyboards, Gesang

Tracklist

CD1:
01. Long Day
02. Overture
03. The Dream
04. City Of Destruction
05. We Have Got To Go
06. Makes No Sense
07. Draw The Line
08. The Slough
09. Back To The City
10. The Ways Of A Fool
11. So Far Gone
12. Breath Of Angels

CD2:
01. Slave To Your Mind
02. Shortcut To Salvation
03. The Man In The Iron Cage
04. The Road Called Home
05. Sloth
06. Freedom Song
07. I'm Running
08. The Mask
09. Confrontation
10. The Battle
11. Broken Sky/Long Day Reprise


Zwei CDs, 23 Songs, mehr als eindreiviertel Stunden Spielzeit – und dazu ein Cover, das nicht nach einem Album aus dem 21. Jahrhundert aussieht, sondern eher an mehrere hundert Jahre alte Bücher im Ledereinband erinnert: Bei der NEAL MORSE BAND ist es Zeit für das nächste Konzeptalbum!

Genauso wie „The Grand Experiment“ ist auch die neue Platte wieder ein Gemeinschaftsprojekt, das Neal zusammen mit Mike Portnoy (Schlagzeug, Gesang), Randy George (Bass), Eric Gilette (Gitarre, Gesang) und Bill Hubauer (Keyboards, Gesang) komponiert hat. Inhaltlich basiert das Album auf dem Buch „The Pilgrim’s Progress From This World To The That Which Is To Come; Delivered Under The Similitude Of A Dream“ von John Bunyan. Es erzählt die spirituelle Reise eines Mannes von der „Stadt der Zerstörung“ zur Befreiung. Mehr Details zum Buch und seinem Autor könnt ihr bei Wikipedia nachlesen.

In seinem Aufbau hat „The Similitude Of A Dream” starke Ähnlichkeiten zu anderen Doppel-Konzeptwerken aus Neals Feder, etwa „Snow“ von Spock’s Beard oder „Testimony“: Anstatt auf epische Longtracks, setzt es eher auf viele kompakte Einzelsongs, die durch geschickte Übergänge und wiederkehrende Motive miteinander verbunden werden. So funktionieren fast alle Tracks auch für sich allein, entfalten aber erst im Zusammenspiel mit den anderen Nummern ihr volles Potenzial.

Als größtes Plus erweist sich einmal mehr die Tatsache, dass alle Bandmitglieder am Songwriting beteiligt waren: Die Scheibe ist zwar sofort als ein Neal-Morse-Album zu erkennen, doch finden sich zahlreiche neue Elemente und Sounds darin. In „The Ways Of A Fool“ etwa treffen die Beatles auf die Beach Boys und werden im darauffolgenden Instrumentalteil von ELP, Genesis und Queen abgelöst. Ein grandioser Song von Keyboarder Bill Hubauer – das ist Spielfreude und Arrangement-Kunst pur! Zwar fehlt der Platte im Vergleich zum Vorgänger eine Jahrhundert-Ballade wie „Waterfall“, dafür dürfen Eric Gillette, Bill Hubauer und sogar Mike Portnoy öfters als je zuvor den Leadgesang übernehmen – die einzig richtige Entscheidung bei einer Band, die mit so vielen hervorragenden Sängern gesegnet ist. Insbesondere die Beiträge von Eric Gillette sind große Klasse. Das gilt nicht nur für seine kristallklare Stimme, sondern auch für die durchweg starken und sehr geschmackvollen Gitarrensoli.

Stilistisch ist „The Similitude Of A Dream“ nach „Sola Scriptura“ Neals härtestes Album. Mit dem treibenden „Draw The Line“ und dem extrem an Led Zeppelin erinnernden „The Man In The Iron Cage“ hat man zwei ordentliche Rocker am Start, die ungewöhnlich organisch und „schweißig“ klingen. Auch die Instrumentalteile haben durchgehend ordentlich Zug. Hier ist nichts zu ausgewalzt oder gar langatmig, man hat beim Arrangieren sehr darauf geachtet, dass alles kompakt bleibt und schnell zum Punkt kommt. Dass bedeutet allerdings nicht, dass Freunde von gepflegtem Sympho-Prog und epischen Songaufbauten zu kurz kommen: Das Finale „The Mask/Confrontation/The Battle/Broken Sky“ ist an Dramatik und Schönheit kaum zu überbieten. Mit „Sloth“ setzt man in der Mitte der zweiten Scheibe außerdem einen sehr schönen Ruhepunkt, in dem das „Seele baumeln lassen“ wunderbar und berührend vertont wurde.

Auch wenn es wieder einige Durchgänge braucht, um das Gesamtwerk zu erfassen und die musikalischen Themen in ihren Bearbeitungen wiederzuerkennen – eins steht schon nach dem ersten oder zweiten Hören fest: Fast jeder Song hat einen Refrain, der einem nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Das muss man erstmal schaffen!

Und so fällt das Fazit leicht: „Similitude Of A Dream“ ist ein Album mit sehr starken und vielseitigen Songs, verwoben zu einem wunderbar fließenden Ganzen und eingespielt von den besten Musikern, die Neal je um sich hatte. Der Unterhaltungs- und Spaßfaktor ist enorm hoch. Auf Gefühlsebene verfehlt das Album seine Wirkung ebenfalls nicht, auch wenn die emotionale Durchschlagskraft von Alben wie „One“ oder „Sola Scriptura“ selten erreicht wird. Insofern ist es zwar nicht das beste Album, das Neal und Mike jemals gemacht haben (auch wenn die beiden es so sehen), aber in jedem Fall ein Must-Have für jeden Neal-Morse-Fan!

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Bewertung: 9 / 10

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2 Kommentare zu “The Neal Morse Band – The Similitude Of A Dream”

  1. Stefan

    Ich hatte nach Portnoys Aussagen zunächst wieder etwas Bedenken. Denn schon oft hat er sich ja gerade nach einer neuen Zusammenarbeit mit Neal nur in höchsten Tönen über das neue Album geäußert, und es als erneutes Highlight angepriesen. Nicht falsch verstehen, so einen richtigen Reinfaller gab es ja irgendwie noch nie aus dem Hause Morse, aber wo Marketing beginnt und aufhört, ist manchmal schwer einzuschätzen, wenn sich MP zu Wort meldet.

    Im Fall von TSoAD hat er aber voll und ganz recht! Dieses Album hat eigentlich alles was man hören möchte. Harte Parts, softe Abschnitte, jede Menge Ohrwürmer und Überraschungen. Auch ich vermisse zwar hier und da die absoluten Kracher-Instrumentalteile wie z.B. auf der Sola Scriptura, aber weniger ist auch manchmal mehr.

    In meinem internen Ranking landet es nach der Sola Scriptura direkt auf Rang 2.

  2. Texta

    Hab schon nicht mehr geglaubt, dass du dazu ein Review machen wirst, freut mich umso mehr, jetzt doch noch eines lesen gekonnt zu haben.

    Stimme deiner Bewertung voll zu. Hatte mein Interesse an Neal Morse nach „Sola Scriptura“ verloren, musste aber nach den großspurigen Worten von Portnoy unbedingt reinhören. Schlussendlich war das Album dann eines meiner persönlichen Highlights des letzen Jahres. Gerade weil der „Unterhaltungs- und Spaßfaktor“ so hoch war, das Album dennoch aber nicht so emotional wie ältere Outputs war, hatte ich viel länger und ungezwungen Spaß an der Sache. Ist es so gut, wie Portnoy werbewirksam gemeint hat? Definitiv nicht. Dennoch nach „?“ mein Favorit von Morse.

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