CD-Review: Thulcandra - Fallen Angel's Dominion

Besetzung

Steffen Kummerer – Gesang, Gitarre
Sebastian Ludwig – Gitarre
Tobias Ludwig – Bass
Sessionmusiker:
Seraph - Schlagzeug

Tracklist

01. In The Realm Of Thousand Deaths
02. Night Eternal
03. Fallen Angel's Dominion
04. Frozen Kingdom
05. Everlasting Fire
06. Spirit Of The Night
07. Legions Of Darkness
08. In Silence We Eternally Sleep
09. The Somberlain (Dissection Cover)


Die meisten Bands haben, wenn sie aus der Taufe gehoben werden, direkte Vorbilder, Taufpaten quasi, die die Musiker überhaupt erst dazu bewogen haben, selbst eine Band zu gründen. So ist es auch ganz selbstverständlich, dass Debüt-Alben sich oft stark an diesen Vorbildern orientieren – doch was soll man von einer Band halten, die gegründet wurde, um „um dunkle Musik im Stile alter Dissection, Sacramentum oder Unanimated zu schreiben und um weiters, dem Spirit der frühen 90iger zu huldigen“, wie es in der Band-Biographie heißt, und welche dann, unter dem Titel “Fallen Angel’s Dominion” und verziert mit einem typischen Necrolord-Cover (Blau + Schnee + Tod) ein Album herausbringt, welches auch noch wirklich wie eine Mischung aus Dissection, Sacramentum und Unanimated klingt?

Schwierig. Einerseits kann man – und das sicher nicht ganz zu Unrecht – unterstellen, hier hätte es sich jemand etwas zu einfach gemacht, und ein erfolgreiches Konzept ohne viel eigene Leistung übernommen. Verübeln könnte man eine derartige Sichtweise wohl niemanden, ist die Häufung der bei Dissection „abgeschauten“ Versatzstücke doch auffällig: Nicht nur, dass „Fallen Angel’s Dominion“ vom Artwork über die Songtitel bis hin zur Musik in Quasi allen Belangen extrem an die Dissection-Ästhetik angelehnt ist – sogar eine Dissection-Coverversion hat es auf das Album geschafft und fällt, bezeichnender Weise, als solche nicht im Geringsten aus dem Rahmen.
Und genau das ist der springende Punkt: Während andere Bands sich subtil beeinflussen lassen, sich kreativitätsanstöße holen oder sich die ein oder andere Kleinigkeit bei „den Großen“ abschauen, gehen THULCANDRA hier derart unverblümt und schamlos zu Werke, dass man sich entweder verachtungsvoll abwendet, oder aber THULCANDRAs Schaffen als eine einzige, große Homage an das Schaffen der schwedischen Legende ansieht.
Welchen der beiden Standpunkte ich für mich persönlich einzunehmen gedenke, habe ich ehrlichgesagt noch nicht entschieden – ist jedoch auch von untergeordneter Bedeutung, muss in dieser Frage wohl jeder selbst Stellung beziehen.
Fakt ist, dass THULCANDRA musikalisch in die gleiche Kerbe schlagen wie dereinst Dissection zu „Storm Of The Light’s Bane“ Zeiten und die Riffs denen von Jon Nodtveidt zum verwechseln ähneln. Auch der Wechsel zwischen schnellen Riffs, getragenen Melodien und Cleanteilen aus aufgelösten Akkorden wurde eins zu eins übernommen… Löst man sich also von der „das ist doch alles nur geklaut“-Einstellung, könnte man als Fan von Dissection mit diesem Album wahrlich Freude haben. Könnte… denn diese Bedenken ersteinmal zur Seite zu schieben, bedarf doch mehr Willenskraft, als ich zunächst erwartet hatte…

Warum also THULCANDRA hören und nicht einfach gleich „Storm Of The Light’s Bane“ oder „The Somberlain“ einlegen? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
THULCANDRA präsentieren hier ein Album, das, wenn es Dissection nicht gegeben hätte, vielleicht wegweisend und ein Meilenstein, jedoch schlicht und ergreifend nicht existent wäre. Sicherlich, die Riffs, die Steffen Kummerer hier mit Unterstützung von zwei weiteren Helfahrt-Mitgliedern an den Saiteninstrumenten sowie Dark Fortress-Drummer Seraph als Session-Musiker eingespielt hat, sind alle mehr oder minder auf seinem Mist gewachsen – ob ihm diese Ideen jedoch auch gekommen wären, hätte er nicht jahrelang die Alben von Dissection und Sacramentum auf sich wirken lassen, darf doch zumindest angezweifelt werden.

Bei einem Review am Ende auf eine Bewertung zu verzichten, ist immer etwas unbefriedigend – und doch ist “Fallen Angel’s Dominion” einer dieser Fälle, in denen eine Bewertung vollkommen sinnlos wäre – steht und fällt die Qualitätsbewertung dieses Albums doch mit der vollkommen subjektiven Auslegung der Begriffe „Kreativität“, „Inspiration“ und „Vorbild“. Doch zumindest eines muss man THULCANDRA zugestehen – nämlich gute Schüler gewesen zu sein. Denn wer derart nah an einer Szene-Legende wie Dissection agiert, und im direkten Vergleich nicht sang und klanglos untergeht, kann so schlecht nicht sein.

Keine Wertung

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