Review Tim Bowness – Lost In The Ghost Light

  • Label: InsideOut
  • Veröffentlicht: 2017
  • Spielart: Entmetallisiert , Art-Pop

Der britische Musiker TIM BOWNESS ist mit Sicherheit einigen Musikfans ein Begriff, seit 1987 ist er gemeinsam mit Steven Wilson Teil des Art-Pop-Duos No-Man, mit dem er bisher auf sechs Studioalben zurückblicken kann. Neben seiner Arbeit mit oder für andere Künstler wie OSI oder Nosound hat er es bisher auf drei Solo-Longplayer gebracht, denen jetzt mit „Lost In The Ghost Light“ der vierte Output folgt. Unter anderem bietet dieses acht Songs umfassende Release Ian Anderson (Jethro Tull) als Gastmusiker, kann aber auch mit weiteren Aspekten deutlich überzeugen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden eröffnenden Titel „Worlds Of Yesterday“ und „Moonshot Manchild“ stark an seinen Kollegen Wilson erinnern. Beide Titel sind äußerst verträumt gestaltet und halten sich musikalisch eher zurück, entfalten dabei aber doch eine immense Intensität, die vor allem durch den zerbrechlichen Gesang von TIM BOWNESS getragen wird. „Kill The Pain That’s Killing You“ hat ebenfalls diese Elemente vorzuweisen, ist aber gleichfalls deutlich experimenteller gestaltet. Anfangs kommen sehr schroffe Gitarren zum Einsatz, die im Mittelteil ein verschrobenes Solo darbieten, während Streichinstrumente diesen experimentellen Ansatz etwas gewöhnungsbedürftig unterstreichen. Im Großen und Ganzen sind die acht neuen Songs aber weit entfernt von typischer Rockmusik, wenn auch hier und da einige Elemente auftauchen.

Meistens bewegt sich TIM BOWNESS im Bereich des Art-Pop mit leichter Ambient-Untermalung. Ein passendes Beispiel hierfür ist das neunminütige „You’ll Be The Silence“, das komplett entschleunigt und sehr entspannt aus den Boxen tröpfelt. Es sind aber gerade diese langgezogenen Strukturen, die atmosphärisch einiges herausholen können. Der Titel „Lost In The Ghost Light“ scheint daher sehr passend gewählt. Aus einem anderen Universum kommen die einzelnen Songs zwar nicht, dennoch ist es ein leichtes sich in der verträumten Atmosphäre zu verlieren oder fallen zu lassen. Nach einem kurzen bedrückenden Intermezzo in Form des Titeltracks geht das Album in die finalen Stücke. „You Wanted To Be Seen“ ist ein hoffnungsvolles Singer-Songwriter-Stück mit leichten Akustikgitarren und einer ausdrucksstarken Violine, gespielt von Steve Bingham. Das bereits vorab veröffentlichte „Distant Summers“ ist ein sehnsüchtiger Titel, der von melancholischen Gefühlen erzählt und diese auch in vertonter Form präsentiert. Verantwortlich hierfür ist vor allem das hochklassige Flötenspiel des legendären und bereits eingangs erwähnten Ian Anderson. Damit endet das Album zwar mit einem teilweise bedrückenden Gefühl, aber in musikalischer Weise sehr versöhnlich.

Über allen Titeln auf „Lost In The Ghost Light“ schwebt unverkennbar der Geist von Steven Wilson, so sehr nähert sich TIM BOWNESS auf diesen acht neuen Songs seinem britischen Musikerkollegen an. Qualitativ und atmosphärisch hat das Album aber einige interessante und hochwertige Momente zu bieten. Vor allem der Einsatz von klassischen Instrumenten gibt den Kompositionen zwischen Art-Pop und Ambient einen besonderen Anstrich, der das Songmaterial auch in die Tiefe vordringen lässt. Am meisten entfalten sich diese Momente im instrumentalen Gewand, aber auch gesanglich ist TIM BOWNESS in guter Verfassung und unterstreicht damit den verträumten Charakter seines vierten Studioalbums sehr solide.

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Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Christian Denner

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