Review Träumen von Aurora – Sehnsuchts Wogen

Bereits der Bandname deutet daraufhin, dass man es hier nicht mit einer beliebigen Band zu tun hat. Was für den einen vielleicht aufgesetzt klingen mag, findet der andere möglicherweise sehr poetisch. TRÄUMEN VON AURORA sind eine recht junge deutsche Post-Black-Metal-Band, die gerade ihr Labeldebüt „Sehnsuchts Wogen“ veröffentlicht hat. Die Sparte ist aktuell (noch) recht populär, trotzdem kann man bei der ehrlichen Arbeit des Sextetts sicher nicht annehmen, dass sie auf einen günstig vorbeifahrenden Zug aufspringen wollen.

Sieben Songs plus Bonustrack haben es auf die Platte geschafft, die von dem Ende einer Beziehung berichtet. Nicht besonders ungewöhnlich eigentlich, dennoch lassen alleine die Titel der Lieder schon aufhorchen, „Welknis“, „Neontot“ oder „Firn“ lassen darauf schließen, dass sich da jemand einige Gedanken gemacht hat. Der erste Teil umfasst sechs Songs, bei denen die Trennung aus aktueller Sicht thematisiert wird, „Firn“ und „Reflektionen“ rücken die Geschehnisse ein Jahr später noch einmal in den Fokus. Lyrisch drückt man sich beinahe ebenso poetisch aus wie der Bandname gewählt wurde, dennoch bleiben die meisten Klischees im Schrank. Erstaunlich, immerhin sind die Texte durchgehend in deutscher Sprache gehalten, was es an sich schon mal schwierig macht, nicht aufgesetzt oder albern zu klingen.
So viel Energie wie in die Texte, investieren TRÄUMEN VON AURORA auch in die Musik. Die 48 Minuten gestalten sich als ausgesprochen abwechslungsreich, sowohl was die Atmosphäre, als auch das Songwriting betrifft. Die Variabilität setzt sich bei den Vocals fort, zwischen aggressivem Kreischen, bedrohlichem Flüstern, verzweifelten Schreien und dem ganz normalen Klargesang liegen oft nur wenige Takte und dennoch ergibt sich ein recht homogenes Ganzes. Tempomässig ist man die meiste Zeit im Midtempo unterwegs, man scheut sich aber weder vor cleanen Passagen, noch vor gelegentlichen Blastbeats, sogar passable Gitarrensolopassagen haben es in die Songs geschafft – auch wenn hier eines der wenigen kleinen Mankos besteht, nicht alle Melodien klingen völlig punktgenau.
Der Einsatz von Keyboards ist im dunklen Metal natürlich keine absolute Innovation, aber leider erlebt man mittlerweile nur noch selten, dass eine Band dieses früher verpönte und teilweise heute noch umstrittene Instrument so gut in den Gesamtsound einbaut. Nie aufdringlich, immer auf den Song ausgerichtet, übernimmt es die Führung, wo es nötig ist, untermalt, wo es passt und schweigt, wo es Fehl am Platze wäre. Kein Song stellt einen Ausfall dar, man kann sich das Album – wie es sich für ein Konzeptwerk gehört – bestens am Stück anhören, die aus der hervorragenden Masse noch herausstechenden Highlights funktionieren aber auch aus dem Kontext gerissen gut: Das getragene „Parfüm“, das zackige „Neontot“ und das epische „Reflektionen“, die ich hiermit als absolute Anspieltipps nennen würde.

TRÄUMEN VON AURORA existieren erst seit Ende 2009, von dem Album können sich alte Hasen des Genres aber gerne eine Scheibe abschneiden. Wer atmosphärischen, epischen oder auch düsteren Metal mag, dürfte an diesem Album seine helle Freude haben. Schon lange hat mich ein Debüt nicht mehr so überzeugt wie „Sehnsuchts Wogen“. Dringend antesten oder am besten gleich kaufen!

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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