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Review Tristan Harders‘ Twilight Theatre – Drifting Into Insanity

Wer und wessen Was? Bands werden normalerweise mit vorangestelltem Künstlernamen benannt, um mit ebendiesen bekannten Namen Aufmerksamkeit zu generieren. Tobias Sammet’s Avantasia oder Arjen Lucassen’s Star One zum Beispiel, oder auch Luca Turilli’s Rhapsody, um eine Band etwa nach einem Split von der anderen, fast gleichnamigen unterscheiden zu können. Bei TRISTAN HARDERS‘ TWILIGHT THEATRE dürften dagegen mehrere Fragezeichen über vielen Köpfen tanzen. Tristan Harders könnte der geneigte Power-Metal-Enthusiast von seiner Hauptband Terra Atlantica kennen, die Combo hat bisher zwei Alben in ihrer Vita.

Harders will es mit seinem TWILIGHT THEATRE und dem Debütalbum „Drifting Into Insanity“ nun ganz auf eigene Faust versuchen. Neben dem Gesang und der Gitarre übernimmt er auf seinem Soloprojekt mit Bass, Keyboard und der Drum-Programmierung auch gleich noch alles andere und tritt als One-Man-Band auf. Musikalisch bleibt er damit der Linie von Terra Atlantica weitestgehend treu und gibt sich ganz dem melodischen Power Metal mit Speed-Metal-Elementen und Hang zur Theatralik hin. Das erinnert nicht wenig an Combos wie Gamma Ray, Freedom Call, Rhapsody Of Fire oder Avantasia und klingt erfrischend nach dem, was eben jene Bands Anfang der 2000er gespielt haben.

Dass TRISTAN HARDERS‘ TWILIGHT THEATRE das Rad weder neu erfinden, noch überhaupt das geringste Interesse daran haben, ist von Anfang an klar. Dem stimmungsvollen „Entrance“ folgt der erste Track „The End“ und macht deutlich, dass Kitsch, Pathos und Theater hier die Hauptrollen einnehmen. Der flotte, eingängige Track mit hymnischem Refrain und cheesy Keyboardmelodien ist als Opener und erste Singleauskopplung bestens gewählt, um auf das Album einzustimmen. In den insgesamt 50 Minuten geht es mal etwas getragener („Halls Of Glory“) und auch mal melancholisch („When Fairytales Are Gone“) zur Sache. Mit „Back To Avalon“ findet sich auch eine kraftvolle Ballade, die durchaus Feuerzeugpotential versprüht. Meistens aber geht die Musik gut nach vorne, „Quest Into The Mountains Of Steel“ oder „Save Me From Insanity” dürften Anhänger früher Halloween-Werke entzücken. Die abschließende Akustikballade „Between The Battles“ erinnert an die Lagerfeuer-Balladen von Blind Guardian und rundet die abwechslungsreiche Scheibe gut ab.

Tristan Harders zeigt mit seinem Soloprojekt eindrucksvoll, dass er ein guter und vielseitiger Musiker ist. Seinen Namen muss man sich definitiv merken. Die Songs sind über mehrere Jahre entstanden, „Drifting Into Insanity“ ist aber dennoch ein homogenes Album geworden. Harders übernahm vom Songwriting über Musik bis hin zu Mix und Mastering praktisch alles, was es zu übernehmen gab. Die Abmischung ist sehr gesangslastig geraten, dadurch gehen vor allem die Gitarren streckenweise leider etwas unter und etwas mehr Druck hätte der Produktion auch nicht geschadet. Dafür sind die einzelnen Instrumente stehts gut heraushörbar und auch das programmierte Schlagzeug fällt nicht negativ ins Gewicht. Dass ab und zu mal eine etwas schiefe Gesangsnote dabei ist, ist dabei auch kein größeres Problem und verleiht „Drifting Into Insanity“ ein charmantes Ecken-und-Kanten-Feeling. TRISTAN HARDERS‘ TWILIGHT THEATRE ist für jeden Fan aller genannten Bands wert, angecheckt zu werden. Anhänger von kitschigem, hymnischen, melodischen Power Metal der frühen 2000er Jahre sollten sowieso reinhören.

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Wertung: 7 / 10

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