CD-Review: Tristania - Illumination

Besetzung

Vibeke Stene – weiblicher Gesang
Østen Bergøy – männlicher Gesang
Anders Høyvik Hidle - Gitarre
Rune Østerhus - Bass
Einar Moen – Keyboard
Kenneth Olsson – Schlagzeug

Gastmusiker:
Vorph (Samael) – männlicher Gesang bei „The Ravens“

Tracklist

01. Mercyside
02. Sanguine Sky
03. Open Ground
04. The Ravens
05. Destination Departure
06. Down
07. Fate
08. Lotus
09. Sacrilege
10. In The Wake *
11. Deadlands

(* Lmtd. Edition Bonus Track)


„Illumination“ ist bereits das fünfte Studioalbum von TRISTANIA, und wieder gab es Probleme im Vorfeld der Aufnahmen. Kjetil Ingebrethsen ersetzte auf „Ashes“ (2005) den bereits Jahre vorher ausgestiegenen Morten Veland, doch noch vor den Aufnahmen zu diesem neuen Album ist auch er wieder weg gewesen. Diesmal beschloss man, keinen neuen Mann für die extremen Vocals einzustellen, es wurde dafür Vorph von Samael als Gastsänger angeheuert. Durch diesen Umstand fällt der harsche Gesang fast komplett weg. Vibeke übernimmt nun mehr denn je Gesangsparts und steht recht stark im Fokus, Østen steuert aber auch hier wieder männlichen Klargesang zum Kontrast bei, im Endeffekt tauchen beide Stimmen wohl etwa gleich oft auf.

Und auch sonst ist „Illumination“ ein wenig anders als seine Vorgänger. Die oft anstrengenden, schwer zu durchschauenden und bombastischen Strukturen sind weitgehend ziemlich bodenständigen und eingängigeren Songs gewichen. Nicht nur durch den fehlenden extremen Gesang hat der Härtegrad merklich abgenommen. Die für den Gothic Metal-Bereich heftigen Kompositionen scheinen der Vergangenheit anzugehören, hier wird nun mehr denn ja auf Gothic statt Metal gesetzt. Das heisst hier, dass durchgehend eine düstere Stimmung und dunkel-romantische Atmosphäre herrscht. Dabei schwingt auch eine gewisse Melancholie mit, die stellenweise auch nicht zu selten an „The Great Cold Distance“ von Katatonia erinnern mag. Wenn ich hier schreibe, dass der Metal zurückstecken muss, heisst das aber nur, dass es für TRISTANIA-Verhältnisse ein sanfteres Album ist, beinahe ist es mit seiner hypnotischen Wirkung sogar schon chillig. Die Gitarren und ein druckvoller Schlagzeugsound spielen hier also weiterhin Hauptrollen.

Diese spielen sie vor allem beim eröffnenden „Mercyside“, welches von Beginn an herrlich nach vorne rockt. Um Abwechslung bemüht sind TRISTANIA auf „Illumination“ merklich, man höre als Gegensatz dazu nur mal die sehr ruhigen „Destination Departure“ und „Fate“. Während ersteres allein von der in diesem Stück opernhaften Stimme Vibekes getragen wird und instrumental passend und ruhig untermalt wird, singt bei „Fate“ nur Østen. Das Lied wird durchgehend von einer einsamen, elegischen Gitarre geführt und eigentlich passiert in den fünf Minuten gar nichts. Hier muss man sich voll darauf einlassen und sich von dieser lethargischen Stimmung fesseln lassen, sonst kommt nicht das Geringste rüber.

Oft ist es aber leider so, dass wirklich wenig rüberkommt. Das Album beginnt gut, doch mit der Zeit baut es immer mehr ab und hat die ein oder andere langweilige Stelle parat. Das scheint mir bei TRISTANIA ein gewohntes Übel zu sein.
Was ich nun von „Illumination“ halten soll, weiß ich auch nach vielen Durchläufen nicht so recht. Fakt ist, dass die Norweger ein für ihre Verhältnisse sehr bodenständiges und ruhiges Album abgeliefert haben. Mit dem oben erwähnten „eingängig“ ist übrigens gemeint, dass man sich relativ schnell einhören kann und es nicht derart viele Probleme bereiten wird, wie die anderen Alben. Eingängig in dem Sinne, dass sich Refrains und Lieder schnell einprägen, ist es wie gehabt mitnichten. So dürfte „Illumination“ wohl vor allem für TRISTANIA-Neulinge sehr zu empfehlen sein, da es den Einstieg in die Discografie erleichtern wird. Alteingesessene Fans könnten enttäuscht sein, weil der Sound der Band nun näher am typischen Gothic Rock/Metal dran ist, als je zuvor und die verloren gegangene Härte und Rauheit schon ziemlich fehlt.

Nichtsdestotrotz ist es eben kein schlechtes Album geworden, eben nur kein wirklich überzeugendes mit dem ein oder anderen Durchhänger und nur wenigen wirklich tollen Stücken. Diese seinen zum Ende der Rezension als Anspieltipps genannt: „Mercyside“, „Open Ground“, „The Ravens“, „Sacrilege“.

Bewertung: 6.5 / 10

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