CD-Review: Turbonegro - Retox

Besetzung

Hans Erik Dyvik–Husby (Hank van Helvete) – Gesang
Thomas Seltzer (Happy Tom) – Bass
Knut Schreiner (Euroboy) – Gitarre
Rune Grønn (Rune Rebellion) – Gitarre
Pål Bøttger Kjærnes (Pål Pot Pamparius) – Keyboard
Christer Engen (Chris Summers) - Schlagzeug

Tracklist

01. We’re Gonna Drop The Atom Bomb
02. Welcome To The Garbage Dump
03. Hell Toupée
04. Stroke The Shaft
05. No, I’m Alpha Male
06. Do You Do You Dig Destruction
07. I Wanna Come
08. You Must Bleed / All Night Long
09. Hot & Filthy
10. Boys From Nowhere
11. Everybody Loves A Chubby Dude
12. What Is Rock!?


“What Is Rock!? …”
Dieser Frage werden TURBONEGER (in Norwegen treten sie unter diesem Namen auf) zwar erst im letzten Lied auf den Grund gehen, jedoch geben sie im Verlauf des Albums eine wunderbare Kostprobe dessen, was man heutzutage als energiegeladene Portion (Heavy-) Rock auf den Markt werfen muss, um nicht gleich daraufhin wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Fast jedem Fan sollte von vorneherein klar sein, dass ihre alten Meisterstücke (namentlich „Ass Cobra“ und „Apocalypse Dudes“) nicht erreicht werden; nichtsdestotrotz schreitet die Entwicklung der norwegischen Legende stetig voran. Nach zwei weniger Punk-lastigen Langspielern aus den Jahren 2003 und 2005, die mehr und mehr dem Hard- und hymnischen Stadion-Rock zugewandt waren, erhoffte sich der harte Fan-Kern, die legendäre „Turbojugend“, ein wieder rotzigeres Album.

Ein Intro wie auf „Party Animals“ (dessen ursprünglich vorgesehenen Titel „Babylon Forever“ ich übrigens für wesentlich besser halte ;)) gibt es diesmal lediglich in Symbiose mit dem Opener „We’re Gonna Drop The Atom Bomb“. Euroboy legt mit leicht verhalltem Gegniedel und atmosphärischem Effektspiel den ersten Grundstein für ein Riff, dass so seit dem Jahre 1998, dem damaligen „Apocalypse Dudes“-Opener „The Age Of Pamparius“, nicht mehr zu hören war.
Auf das meiner Meinung nach schwächere „Welcome To The Garbage Dump“ folgt einer der Höhepunkte auf „Retox“. „Hell Toupée“ mausert sich nach mehrmaligem Hören zu einem Heavy-Rock-Kracher der Marke „High On The Crime“ des Vorgängeralbums. Der mehrstimmige Gesang und der Text in alter TURBONEGRO-Manier geben ihren Teil zu einem starken Song. Wenn man zusätzlich dazu noch das (das wirklich cool gestaltete) Booklet aufschlägt und einem ein alter Bekannter in berühmter Kinder-Geste den August macht, dann bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig als herzlich zu lachen…oder immerhin einmal zu schmunzeln.

„Stroke The Shaft“ zeigt eigentlich schon im Titel, was auf den geneigten Hörer wartet. Ein typisch provokativer TURBONEGRO Song der mit einem starken Schlusspart aufzuwarten weiß, mich aber sonst in musikalischer Hinsicht eher enttäuscht. “No, I’m Alpha Male” ist ein Lied, das wie geschaffen für Euroboys Gitarreneskapaden, genau auf diesen zu reiten scheint. Solo an Riff reiht sich dieser Song in ein typisches Rock-Schema ein, ohne auf TURBONEGRO typische Elemente verzichten zu müssen. „No, I’m Alpha Male I’m Out Of Scale My DNA’s for sale.“

In den folgenden zwei Songs “Do You Do You Dig Destruction” und “I Wanna Come” ziehen die Jungs kurzzeitig die Handbremse und liefern zwei sehr coole Rock-Nummern ab, die zu Zeiten des Glamrocks nicht besser hätten entstehen können. Sie schaffen es gekonnt, das Beste der „Apocalypse Dudes/Ass Cobra“- und „Scandinavian Leather/Party Animals“-Äras zusammenzufügen.

„I love Norwegian girls because they have…” – “They have what…?” – “…beautiful pussies. Skål!” leitet das so passend betitelte “Hot & Filthy” ein, eine weitere Down-Tempo Nummer mit astreinem Euroboy-Riffing und den doch ach-so-schönen TRBNGR-Anspielungen.Den heimlichen Höhepunkt des Silberlings stellt jedoch „Boys From Nowhere“ dar. Selten haben es TURBONEGRO geschafft eine solch spitzenmäßige Hookline im Refrain rauszuhauen, wie bei dieser dreieinhalbminütigen musikalischen Goldgrube. Logischerweise lässt es sich auch Euroboy einmal mehr nicht nehmen, den ein oder anderen Finger verknotenden Solopart hinzulegen.

So „What Is Rock!?“ finally!?
Ob TURBONEGRO nun den Rock gerettet haben, wie sie selbst singen oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.Zumindest bietet „Retox“ schlussendlich eine schlüssige Definition, was ROCK denn überhaupt sei:

„Rock is the area between the balls and the anus of a dog or of a man […] What is Rock!? I don’t care!!! Where is the cash? Where is the Cash? The money, the money, the money money money. …”

Redakteur: Felix Valstar

Bewertung: 8 / 10

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