CD-Review: Unexpect - Fables Of The Sleepless Empire

  • Veröffentlichung: 2011
  • Label: Eigenproduktion
Besetzung

Leïlindel – Gesang
Syriak – Gesang, Gitarre
Artagoth – Gesang, Gitarre
Chaoth – Neunsaiter-Bass
Landryx – Schlagzeug
Exod - Keyboard, Sampels
Borboën – Geige

Tracklist

01. Unsolved Ideas Of A Distorted Guest
02. Words
03. Orange Vigilantes
04. Mechanical Phoenix
05. The Quantum Symphony
06. Unfed Pendulum
07. In the Mind Of The Last Whale (Instrumetnal)
08. Silence This Parasite
09. A Fading Stance
10. When The Joyful Dead Are Dancing
11. Until Yet A Few More Deaths Do Us Part


Ich habe in meiner Zeit als Musikredakteur schon viele ungewöhnliche, einige ausgefallene und ein paar wirklich abgefahrene Alben zur Rezension vorliegen gehabt – was UNEXPECT hier jedoch mit ihrem Werk „Fables Of The Sleepless Empire“ vorlegen, übertrifft in Sachen chaotisch-verspuhlter Genialität wirklich alles, was mir bis dato zu Ohren gekommen ist.

So ist das dritte Album der Kanadier eine, man kann es nicht anders sagen, vollkommen durchgedrehte Kombination aus all jenen Elementen, die, jedes für sich genommen, eigentlich ausreichen, um eine Metal-CD zu etwas Besonderem zu machen: Progressive, klassische, elektronische, folkloristische und jazzige Elemente treffen hier auf eine Mischung aus Black, Death und Symphonic Metal, Mathcore, Ambient und Zirkusmusik. Mit Frauengesang, Männergesang, Screams und Growls, eingespielt auf zwei Gitarren, Geige, einem Neunsaiter-Bass und Schlagzeug.
Das klingt soweit wohl in erster Linie vielseitig – allein, ich tue mir schwer, „Fables Of The Sleepless Empire“ wirklich mit diesem Attribut zusammenzubringen. Denn bei aller Vielfalt der verwendeten Elemente klingt das Ergebnis doch relativ homogen… homogen chaotisch: Auch, wenn die einzelnen Elemente für sich genommen jeweils sehr speziell sind, jonglieren UNEXPECT mit diesen doch in einem derart hohen Tempo, dass man einem einzelnen „Ball“ in diesem Spiel mit den Augen, respektive Ohren, zu folgen kaum noch in der Lage ist. Und selbst, wenn man es tatsächlich geschafft hat, sich an eine Idee zu klammern und dieser einige Sekunden zu folgen, lassen UNEXPECT dieses schon im nächsten Moment unvermittelt wieder in der Tasche verschwinden und zaubern statt dessen ein rosa Kaninchen mit drei Ohren aus dem Hut. Um an dieser Stelle nicht missverstanden zu werden: Ich bin fest davon überzeugt, dass UNEXPECT ganz genau wissen, was sie tun und warum – allein dem Zuhörer bleibt dieses Konzept, wie der Trick hinter dem Künststück mit dem Kaninchen, verborgen… er muss sich damit begnügen, sich über das Ergebnis zu freuen, ohne nach dem „Wie“ zu fragen.
So klingt „Fables Of The Sleepless Empire“ für den unbedarften Hörer wohl ein wenig, als würde man mit verschiedenen Music-Playern gleichzeitig die aktuellen Werke von den Solefald, Devin Townsend, 22, Septicflesh, dem Diablo Swing Orchestra sowie den norwegischen Black-Jazzern Shining abspielen und wahllos an den Reglern die Dominanz der einzelnen Bestandteile variieren: Verrückt, verschroben, chaotisch und irgendwie genial.

Das hört sich jetzt alles, wenn man ehrlich ist, nicht sonderlich begeistert an. Und ja, zugegeben, „Fables Of The Sleepless Empire“ ist kein Album, das mich in dem Sinne begeistert, als dass ich es mir den ganzen Tag oder gar wochenlang anhören würde – ehrlichgesagt ist ein kompletter Hördurchlauf am Stück schon eine echte Herausforderung. Hier gibt es keine Hits, keine Kontinuität und keine Eingängigkeit, von soetwas wie „Mitsumm-Melodien“ oder „Ohrwürmern“ mal ganz zu schweigen. Und doch ist das Album als solches ein Faszinosum – ist die Kombination aus instrumentaler Virtuosität und musikalischem Genie in dieser Form doch aussergewöhnlich bis einmalig.

Wie man ein solches Album bewertet? In Punkten schlicht und ergreifend gar nicht.
Vielleicht bin ich einfach nicht nerdy genug, um das Album als solches uneingeschränkt gutheißen zu können, vielleicht steckt in „Fables Of The Sleepless Empire“ aber auch wirklich von allem zu viel, um man das Album noch „genuss-hören“ zu können. Weit liegen Genie und Wahnsinn hier jedenfalls nicht mehr auseinander.
Fakt ist jedoch: Egal, ob man das Album nach einem Durchlauf schockiert, beeindruckt, oder auch beides zugleich in den Schrank stellt – wer von sich behauptet, avantgardistisch-nerdige Musik zu mögen, muss sich an „Fables Of The Sleepless Empire“ versuchen – denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Keine Wertung

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