CD-Review: Urfaust - Drei Rituale Jenseits des Kosmos

Besetzung

IX - Gesang, Programmierung
VRDRBR - Schlagzeug, Programmierung

Tracklist

I.
II.
III.


Urfaust sind nach zwei Splits endlich wieder mit einer EP, welche den geheimnisvollen Namen „Drei Rituale Jenseits des Kosmos“ trägt, zurück. Es stellte sich natürlich sofort die Frage, ob sie es jemals schaffen würden, noch ein Album aufzunehmen, dass derart faszinierend ist wie „Verräterischer, nichtswürdiger Geist“ oder ihr Debut „Geist ist Teufel“.
Das, was man auf den Splits zu hören bekam, deutete auf eine starke Tendenz zu Lärm und Elektronika hin. Und wahrlich, dem ist auch so: „Drei Rituale Jenseits des Kosmos“ hat mit Black Metal nämlich nichts mehr zu tun.

Die beiden Herren Willem und Nachtraaf setzen nun auf eine ordentlich verstörende Mixtur aus Ambient und Noise. Dazu gibt es monotones, blechernes Schlagwerk zu hören. Man muss sich das ganze ungefähr so vorstellen: Ätherische Synthesizerteppiche zergehen auf einem Fundament aus seltsamem Lärm und ebengenanntem Schlagwerk. Dazu gibt es Willems Stimme zu hören, und zwar oft derart verzerrt, dass sein Gesang noch weniger menschlich klingt als er es auf den beiden vollwertigen Alben ohnehin schon tat. Aber es wäre vermessen zu behaupten, dass nur das Schlagzeug monoton ist- nein, alle drei Lieder sind zutiefst monoton.

Stimmungstechnisch geht das Duo sehr raffiniert zu Werke. Die seltsamen Laute wecken vielfältige Assoziationen, der Gesang verzehrt das Gehör des Konsumenten und dringt tief in sein Gemüt ein. Die Gleichförmigkeit des Liedguts tut ihr übriges zur gnadenlosen Effektivität dieser EP. Aber was für den einen höchst faszinierend sein kann, dass vermag den nächsten schon zu langweilen oder gar zu stören. Denn „Drei Rituale…“ ist garantiert kein Werk für jedermann und wird nur eine sehr spezielle Zielgruppe mit einer Vorliebe für obskure Klangdarbietungen ansprechen. Um denjenigen, die das alte Urfaust-Material kennen, einen groben Anhaltspunkt zu geben, wie das ganze klingt, rate ich, sich einmal „Verflucht das Blenden der Erscheinung“ vom Zweitwerk „Verräterischer, nichtswürdiger Geist“ anzuhören. Denn so klingt diese EP ungefähr. Nur einen Tick monotoner und verstörender.

Für so manchen Urfaust-Anhänger könnte es sich bei dieser EP um eine herbe Enttäuschung handeln. Den anderen könnte der Genuss dieser Klänge zu nahezu tranceartigen Erlebnissen führen. Ich persönlich finde das Material äußerst faszinierend, gehöre jedoch ebenfalls zu denen, die eine Rückbesinnung zum Black Metal befürworten. Andererseits eröffnet diese Art von Musik den beiden Niederländern vielleicht ganz neue Möglichkeiten des Ausdrucks, und wir werden von einem großen Album überrascht. Für mich haben Urfaust auf dieser EP einen Teil ihres Charakters eingebüßt: Das ganze wirkt nicht mehr so manisch und ekstatisch, sondern eher benebelnd und beklemmend. Wohin der Weg führt, werden wir also sehen. Ich für meinen Teil finde „Drei Rituale Jenseits des Kosmos“ jedoch ein interessantes Experiment und erwarte gespannt das nächste Album.

Keine Wertung

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