Interview mit Vrdrbr von Urfaust

Obwohl URFAUST erst seit 2003 existieren, hat das niederländische Black-Metal-Duo vermutlich größeren Einfluss auf die Szene ausgeübt als so manche Band aus den frühen 90ern. Drummer VRDRBR über „Empty Space Meditation“, Alkohol und den Trend, dass statt Konzerten nur noch Rituale gespielt werden. 

Urfaust
In den vergangenen sechs Jahren seit „Der freiwillige Bettler“ habt ihr diverse Splits und EPs veröffentlicht. Was hat euch daran gereizt?

Splits kosten einfach weniger Zeit. Ein Album aufzunehmen dauert eine Ewigkeit, wohingegen man eine Split oder ein Mini-Album in einer, vielleicht zwei Sessions aufgenommen hat. Außerdem wollten wir endlich ein paar lange hinausgeschobene Splits realisieren, die wir bereits vereinbart hatten – wir wollten unseren Teil des Versprechens einhalten, verstehst du? Das war der Grund. Im Endeffekt liegt es also am Zeitmangel … es ist einfacher, für ein Wochenende in den Bunker zu gehen und ein oder zwei Songs aufzunehmen, als die Aufnahmen für ein ganzes Album zu planen. Dafür braucht es mehr Organistation, mehr Zeitmanagement und so weiter. Und in den letzten Jahren waren wir nicht mit all zu viel frei verfügbarer Zeit gesegnet…

urfaust-013Was reizt dich am Format der Split?
Wir können mehr herumexperimentieren und wir versuchen, unseren Sound der Band anzupassen, mit der wir die Split veröffentlichen. Für unsere letzen Splits mit Lugubrum und Ghoul Cult wollten wir dreckige, fiese Songs haben, weil der Sound dieser Bands auch dreckig und fies ist. Also haben wir für diese Releases ein paar rohere Black-Metal-Nummern aufgenommen.
Was ich an Splits auch schätze, ist, dass man Freundschaft und Verbrüderung zwischen den Bands feiert. Das ist uns auch sehr wichtig: Wir würden nie eine Split mit einer Band machen, die wir nicht persönlich kennen!

Gibt es noch Bands, mit denen ihr unbedingt eine Split machen wollt?
Wir haben ein paar Bands im Kopf, aber ich will hier nichts ausplaudern, weil ich weiß, dass das aus verschiedenen geheimen Gründen nicht zu Stande kommen wird. Aber besonders stolz bin ich auf die Split mit Lugubrum, weil sie für mich immer eine große Inspiration waren.

Euer neues Album, „Empty Space Meditation, ist das wohl vielseitigste Album, das ihr bislang veröffentlicht habt. Was hat euch dazu bewegt?
Wir wollten auf dem Album eine Mixtur aus allen Elementen, die URFAUST in der Vergangenheit ausgemacht haben, gewürzt mit ein paar Extrazutaten, wenn man so will. Ich denke, der Plan ist aufgegangen!

Das Album hat einen stärkeren Black-Metal-Einschlag als viel von dem, was ihr in den letzten Jahren veröffentlicht habt – trotzdem ist es unverkennbar URFAUST. Woran liegt das? Was macht einen URFAUST-Song aus?
Ich denke, die Atmosphäre, kombiniert mit dem einfachen und repetitiven Drumming, sowie natürlich die Stimme von IX … das alles, und die Tatsache, dass wir uns nicht vor Experimenten scheuen und keine Angst davor haben, unsere Musik um neue Elemente zu erweitern. Ich denke, wenn du dir unser erstes und unser neues Album anhörst, liegen Welten dazwischen – aber beide Alben sind klar als URFAUST zu identifizieren.

urfaust-016Euer neues Werk trägt den Titel „ Empty Space Meditation“. Was war die Idee hinter diesem Begriff?
Nun, genau das, was der Titel eben aussagt…

Die Songs haben keine eigenen Namen, sondern heißen allesamt „Meditatum“ mit einer römischen Ziffer, von I bis VI. Warum?
Weil man dieses Album als ein lange Trip betrachten sollte, gegliedert in sechs Kapitel. Alle sechs zusammen ergeben eine große Reise.

Gibt es Texte zu den Songs und wenn ja, worum geht es?
Die Texte bleiben unveröffentlicht, aber ich denke, wenn du dir das Artwork anschaust, wird es dir die ganze Geschichte erzählen. Erschaffen und zerstören!

urfaustWer ist für dieses beeindruckende Bild verantwortlich?
Das Bild stammt von ThornyThoughts Artwork. Sie hat wirklich höllisch gute Arbeit geleistet. Das Original des Gemäldes ist ungefähr einen mal einen Meter groß und schaut in real nochmal deutlich besser aus. Sie hat unsere Musik und Ideen perfekt interpretiert und daraus das beeindruckendste Artwork erschaffen, das wir je hatten.

Warum ist das Bild die perfekte Visualisierung für eure Musik?
Es passt einfach perfekt. Es stecken viele versteckte Botschaften in dem Bild, die du finden kannst, wenn du es eingehender betrachtest. Um ehrlich zu sein glaube ich, wir könnten kein besseres Artwork finden, um unser Album zu visualisieren.

Wie viel Einfluss habt ihr auf das Bild genommen?
Wir haben ThornyThoughts alle Freiheiten gegeben – sie konnte machen, was immer sie wollte. Sie hat sich das Album ein ums andere Mal angehört und wir haben mit ihr die Ideen hinter dem Album und der Musik besprochen. Sie hätte es nicht besser treffen können: Das war genau, was IX und ich auch im Kopf hatten.UrfaustIhr habt als eine der ersten Bands eure Live-Shows als „Rituale“ bezeichnet. Heute liegt das voll im Trend, jeder spielt heute Rituale. Was hälst du von dieser Entwicklung?
Heute spielt jede Band Rituale, wie sich auch jeder Trottel mit Corpsepaint bemalen, mit Nieten und Blut dekorieren und dann Okkult-Black-Metaller nennen kann. Das lässt sich nicht verhindern. Aber zum Glück erkennen die Echten die Echten und die Nachahmer werden aussortiert.

Es ist kein Geheimnis, dass ihr während eurer Rituale oft betrunken seid. Ist das Zufall, oder gehört das zu einer echten URFAUST-Show?
Früher waren wir einfach so verdammt nervös, dass wir uns Mut antrinken mussten, bevor wir auf die Bühne gegangen sind. Wir haben es dann aber auch oft komplett verhauen. Jetzt sind wir dahingehend zum Glück nicht mehr auf Alkohol angewiesen – auch wenn ich immernoch gerne ein paar Bier vor und nach der Show trinke, keine Sorge. Alkohol gehört zu einer URFAUST-Show, aber nicht mehr in dem Maße wie früher. Heute ist uns wichtiger, wie wir unser Ritual durchführen und wollen sicher sein, dass alles glattläuft. Wenn du betrunken bist, ist dir das einfach egal. Aber an dem Punkt, an dem wir heute mit URFAUST angekommen sind, können wir es uns schlichtweg nicht mehr leisten, dass uns das egal ist.

urfaust-mainWas magst du daran, betrunken auf der Bühne zu stehen?
Das einzig Gute daran ist, dass es dir scheißegal ist, wenn du es verkackst, weil du zu besoffen bist. Vielleicht erinnerst du dich später nichteinmal daran. Abgesehen davon mag ich es nicht mehr, betrunken auf der Bühne zu stehen – ich will heute die Kontrolle behalten und sicherstellen, dass alles nach Plan läuft und wir das Ritual gut durchführen.

Wie steht es um das Songwriting? Schreibt ihr eure Musik unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol?
Drogen waren für URFAUST nie wichtig. Alkohol schon. Aber wir haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass wir tatsächlich ohne Alkohol genausogut arbeiten können. Tatsächlich wurde das ganze neue Album nüchtern geschrieben und aufgenommen. Nunja, oder zumindest 95 Prozent davon.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming:
Donald Trump: Schöne Haare.
Reisen im Camper: Nie gemacht, weiß ich also nicht.
Deutschland: Das zweitbeste Land der Welt.
Drogen: Soll jeder halten, wie er will.
Dein Lieblingsalbum aus diesem Jahr: MGLA.
URFAUST in zehn Jahren: Tot oder lebendig – die Zeit wird es zeigen …

Nochmals Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören dir:
Danke für die Unterstützung! Wenn wir bei dir in der Gegend spielen, komm vorbei und sag Hallo! Hail unseren Anhängern!

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