Das Cover von "Into Oblivion" von Venom

Review Venom – Into Oblivion

  • Label: Noise
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Die Geschichte der Black-Metal-Begründer VENOM ist eine, die man sich unter Fans gerne erzählt, schließlich ist der Umstand, dass sich ihre Gründungsmitglieder auf einem JUDAS-PRIEST-Konzert kennenlernten, durchaus nachvollziehbar. Wenngleich sich Conrad „Cronos“ Lant und seine beiden Mitstreiter wohl selbst nie so richtig ernst nahmen, wurde es bei der Truppe ziemlich schnell äußerst ernst. Mit ihrem markanten Rumpel-Metal stachen VENOM aus der Masse an zeitgenössischen NWOBHM-Bands hervor, füllten alsbald Stadien und nahmen sogar METALLICA als Vorband mit auf Tour. Knapp fünf Jahrzehnte später ist die Band trotz etlicher Widrigkeiten und Besetzungswechsel noch immer am Start und hat mit „Into Oblivion“ gerade ein neues Album veröffentlicht – passenderweise über Noise Records, die es ebenfalls eigentlich nicht mehr geben dürfte.

Der Titeltrack eröffnet das Album ohne große Umschweife mit dem VENOM-typischen Low-Fi-Sound. Das klingt inzwischen nicht mehr ganz so ranzig wie 1981, dank schepperndem Schlagzeug und viel zu lautem Bass aber immer noch mehr nach Probekeller als nach Studio und alles andere als zeitgemäß. Gleichzeitig versprüht der Sound der britischen Urgesteine aber auch den gleichen Charme wie früher, weswegen der Groove der Nummer sofort in den Taktfuß fährt und man den gebetsmühlenartig wiederholten Refrain schon nach dem ersten Mal lauthals mitrgölen möchte. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Nummern wie „Nevermore“ oder „Kicked Outta Hell“.

Wie sehr VENOM ihrem urtypischen Sound auf „Into Oblivion“ treu geblieben sind, lässt sich vor allem an „Lay Down Your Soul“ erkennen. Hinter einer Nummer, deren Titel eine unverhohlene Anspielung auf den Titeltrack des frühen Karriere-Meilensteins „Black Metal“ ist, mag man schnell unsägliches Anbiedern an die Anfangstage vermuten – ein Unterfangen, dass bei Bands dieses Alters in der Regel zum Scheitern verurteilt ist. VENOM gelingt hier jedoch das (nahezu) Unmögliche, denn die punkige Nummer reicht tatsächlich an den ungestümen Charme jenes Albums heran – und sie steht nicht alleine, denn „Death The Leveller“ vollbringt das Wunder gar ein zweites Mal.

Davon abegsehen agieren die Briten auf „Into Oblivion“ überraschend Abwechslungsreich. Neben den genannten rumpelnden Thrashern punktet das Trio vor allem mit zähem, atmosphärischen Groove wie in „Man & And Beast“. Das erinnert ironischerweise oft an andere Genre-Vertreter, die wahscheinlich einst von VENOM inspiriert wurden, denn während „Man & Beast“ zwischenzeitlich an PANTERAs „Walk“ denken lässt, trägt etwa „As Above So Below“ züge von OBITUARY. Insegsamt hatten die Herren aus Newcastle beim Songwriting zu „Into Oblivion“ ein mehr als glückliches Händchen, denn unter den beachtlichen 13 Songs findet sich kein einziger Ausfall – das ist bei einer Band, die eiligen Schrittes auf ihren 50. Geburtstag zugeht, beleibe keine Selbstverständlichkeit.

So kurios es auch sein mag, dass es VENOM fast 50 Jahre nach ihrer Gründung immer noch gibt ist es doch noch viel absurder, dass diese Band nach all dieser Zeit noch immer relevante Musik macht. „Into Oblivion“ ist ein einziger Anachronismus, der den ranzigen Sound und das simple Songwriting längst vergangener Tage geradezu monstranzhaft vor sich her trägt. Während Bands wie SODOM in der Rückbesinnung auf den Rumpelsound ihrer Anfangstage, dem sie eigentlich längst entwachsen sind, immer etwas bieder und unglaubwürdig klingen, haben VENOM einen entscheidenden Vorteil: Sie haben die Garage im Geiste nie verlassen und müssen sich daher auch nicht bemühen, danach zu klingen. „Into Oblivion“ ist damit ein weiteres authentisches Album der größten Underground-Band der Welt, das Fans begeistern und Kritiker nach wie vor abstoßen wird.

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Wertung: 8 / 10

Thomas Meyns

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