Verikalpa Tunturihauta Coverartwork

Review Verikalpa – Tunturihauta

Finnland ist zu mehr als zwei Dritteln mit Wald bedeckt und damit das am dichtesten bewaldete Land Europas. Zudem hält Finnland den Weltrekord für die meisten Metalbands pro Einwohner. So besagt eine alte Volkssage, dass sich in den weiten Wäldern einst Finntroll, Ensiferum, Moonsorrow und Korpiklaani zu einem kräftigen Umtrunk trafen und statt Katerstimmung war das Resultat VERIKALPA.

Kriegsgeschichten, finnische Folklore, die Natur und natürlich Bier sind die Themen, die VERIKALPA auf ihrem dritten Album „Tunturihauta“ behandeln. Passend dazu zeigt das handgezeichnete Coverartwork, dass sich untote Trollkrieger für ein eisgekühltes Bier gerne durch eine dicke Schnee- und Eisschicht aus ihren Gräbern kämpfen. Ein wütender Schrei, ein heftiges Riff- und Blastbeat-Gewitter zu Beginn des Openers könnten den finalen Durchbruch der Trolle an die kalte Oberfläche darstellen. Keine halbe Minute dauert es dann aber, bis sie ihre durchgefrorenen Finger um die frischen Bierkrüge schließen können: Düstere Melodien, Akkordeonklänge, hintergründige „Oh-oh-oh“-Chöre und Schunkelatmosphäre lassen Lebensfreude und Tanzlust in die wütenden, eisigen Leiber zurückkehren.

VERIKALPA klingen tatsächlich wie eine Mischung aus den in der Volkssage erwähnten Genrevorreitern und schaffen es dabei, nicht wie eine Kopie zu klingen, sondern eben nach VERIKALPA. Ihre Verbindung aus (Melodic) Death, Folk und Viking Metal scheint eine Lücke zu füllen und vermittelt das Gefühl, all die genannten Bands gleichzeitig und doch etwas Eigenes zu hören. „Riitti“ etwa beginnt mit einer schweren, getragenen Melodie, wie sie Moonsorrow Anfang der 2000er oft spielten, dazu gesellt sich die unheilvoll-fröhliche Atmosphäre Finntrolls. Die rasant-folkigen „Raivonkasa“ und „Hurmos“ bringen die melodischen Death-Metal-Elemente von Ensiferum ein, der Titeltrack mit seinen getragenen Akkordeon-Melodien und treibendem Rhythmus erinnert an typische Korpiklaani-Midtempo-Songs. „Kalmoarmeija“ mit seinem power-metal-artigen Aufbau und heroischen Chören weckt zudem Reminiszenzen an Alestorm vor ihrer Quietscheentchen-Zeit.

Dass VERIKALPA nicht neben den großen Namen verblassen, liegt abgesehen von den musikalischen Qualitäten auch am Songwriting. Die Balance zwischen folkigem Midtempo und flinken Death-Metal-Attacken stimmt ebenso wie die Mischung aus Düsternis und Fröhlichkeit. Galoppierende Riffs sowie tanzbare und headbang-taugliche Melodien bekommen ebenso ihren Raum wie schneidende, kalte Riffattacken und erheiternde Schunkelparts. Über alldem agiert Sänger Jani Ikonen mit seinem bärbeißigen Organ und vermag es, mit dem finnischen Dialekts aus VERIKALPA’s Heimatstadt Oulu mitreißende Refrains zu fabrizieren. Allein das abschließende „Talven Varjot“ lässt beim Chorus die imaginären Fäuste recken, so heroisch und eindringlich wird er vorgetragen.

Viele Namen, viel Copycat-Gefahr – VERIKALPA umschiffen diese Hindernisse aber geschickt und präsentieren sich auf „Tunturihauta“ trotz deutlich erkennbarer Vorbilder und Einflüsse als Band mit Daseinsberechtigung. Klar erfinden die Finnen das folkige, bierdurstige Rad nicht neu, aber so gekonnt bekannte Elemente aufzugreifen, ohne wie eine Kopie zu wirken, ist auch eine Leistung. VERIKALPA machen Spaß und haben ein unterhaltsames, dynamisches sowie abwechslungsreiches Album im Gepäck. Eine alte finnische Volkssage besagt, dass die trinkwütigen Recken jedem Anhänger der genannten Bands etwas bieten können und definitiv ein Reinhören wert sind.

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Wertung: 8 / 10

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