Review Warkings – Armageddon

„Armageddon“ – das Jüngste Gericht, die endzeitliche Entscheidungsschlacht. Nach Wiedergeburt, Rache, Revolution und Morgana le Fay aus der Artussage nehmen sich die WARKINGS auf ihrem fünften Album jetzt die Schlacht aller Schlachten vor. Ob es sich nun um das aus dem Christentum stammende Armageddon, das sich immer wiederholende Ragnarök aus der nordischen Mythologie oder ein neues WARKINGS-Album handelt: Irgendwie ist es doch immer wieder das Gleiche.

Für ihre apokalyptischen Abhandlungen haben sich die gefallenen Krieger ganze drei Jahre Zeit gelassen – eine vergleichsweise lange Zeitspanne, da die ersten vier Alben zwischen 2018 und 2022 innerhalb von nur fünf Jahren veröffentlicht wurden. Kein Wunder also, dass auch unter Power-Metal-Aficionados so langsam Abnutzungserscheinungen auftreten. Was man den WARKINGS jedenfalls absolut nicht vorwerfen kann, ist fehlende Qualität: Die Songs erweisen sich wieder fast durchgängig als mitsingtaugliche Hymnen, sind so eingängig wie Ballermann-Hits von Isi Glück und top produziert. Wenn nach dem Intro „To Lindisfarne“ der Titeltrack mit krachenden Riffs, harten Drums, „Oh-oh-oh“-Chören und dem perfekt passenden, melodisch-kraftvollen Gesang losbrettert, dann sind Genrefans direkt in einer heilen Welt.

Diese heile Welt besteht seit dem Debüt „Reborn“ und hat sich seitdem immer nur marginal verändert. Diesmal steht Sängerin Morgana le Fay mit ihrem garstigen, druckvollen Gesang eine größere Rolle als bisher zu, was den Sound in jedem Fall bereichert. Ansonsten wird vor allem durch Gastmusiker für Abwechslung gesorgt. „Genghis Khan“ mit Seeb Levermann von ORDEN OGAN sticht als typische, gefällige WARKINGS-Hymne nicht besonders heraus, ohne dass die Gäste hier deutlich hörbar wären. Das schon 2024 erschienene „Stahl auf Stahl“ sticht dafür umso mehr hervor: Die Kollaboration mit SUBWAY TO SALLY ist eine tolle Nummer geworden und ein echtes Crossover aus beiden Bands. Die Mischung aus STS-Folk und -Atmosphäre, treibender WARKINGS-Power und deutscher sowie englischer Gesänge macht richtig Spaß und ist ein großes „Armageddon“-Highlight. Beim hymnischen „Hangman’s Hymn“ hat der Gastbeitrag von Dr. Dead (DOMINUM) ebenfalls spürbaren Einfluss auf den Song – ob das gut oder schlecht ist, das dürfen alle WARKINGS-Anhänger für sich selbst beurteilen.

An wirklichen Höhepunkten mangelt es „Armageddon“ schließlich aber. Das HAMMERFALL-eske „Troops Of Immortality“, die kraftvolle Halbballade „Nightfall“ oder das flotte „Circle Of Witches“ sind gute Songs – sowieso gibt es weder auf „Armageddon“ noch in der WARKINGS-Diskografie überhaupt einen schlechten Song. Das Problem an Album Nummer fünf ist einzig und allein, dass die Tracks nahezu 1:1 mit den Liedern von Album Nummer eins oder eben allen anderen WARKINGS-Alben ausgetauscht werden können. Live auf Konzerten und Festivals ist das prima und immer wieder ein großer Spaß – auf Platte allerdings wird das zunehmend langweilig. Die WARKINGS dürfen sich gerne treu bleiben, ihre Formel haben sie gefunden – nur bröckelt die Fassade der Formel ohne größere Feinjustierungen zunehmend. Die Qualität stimmt bei den WARKINGS auf ganzer Linie, nur das Maß an Selbstreferenzialität und Diebstahl am eigenen Eigentum darf nicht noch mehr überhandnehmen.

 

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Wertung: 6 / 10

Stefan Popp

Publiziert am von

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