Review Werian – Animist

  • Label: Eisenwald
  • Veröffentlicht: 2019
  • Spielart: Doom Metal

Mit ihrer 2017er Compilation „Lunar Cult Society“ zogen WERIAN zuletzt eine frühe Bilanz über ihr bisheriges Schaffen, das zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr als ein paar Demos umfasste, allerdings bereits beachtliches Potential zeigte. Zwei Jahre später hat das geheimniskrämerische Trio sein eigentümliches Amalgam aus Black und Doom Metal sowie Psychedelic und Desert Rock erstmals zu einem Full-Length-Album geformt. Dem schamanistischen Konzept der Band entsprechend setzen sich WERIAN auf „Animist“ mit einer der ältesten Religionen der Menschheit auseinander: dem Animismus, also dem Glauben daran, dass allen Dingen eine Seele innewohnt. Dass eine solche Platte möglichst natürlich klingen und aussehen sollte, liegt auf der Hand – weshalb es nur zu gut ins Bild passt, dass das Artwork handgezeichnet und die Instrumente vollkommen analog aufgenommen wurden.

Der Blick in die Tracklist mag einige Fans, die sich schon lange nach neuem Material gesehnt haben, zu Beginn erst mal vor den Kopf stoßen: Mit gerade mal drei Songs, von denen einer bereits Jahre zuvor als Demo veröffentlicht wurde, haben WERIAN ihr Debüt bestückt – auf den ersten Blick ein ziemlich dürftiger Inhalt für eine Veröffentlichung unter der Bezeichnung „Longplayer“. Die böse Vorahnung einer herben Enttäuschung erweist sich jedoch schnell als unbegründet. Zum einen bringen es die drei Songs mit ihrer Länge zwischen 13 und 18 Minuten auf eine ansehnliche Gesamtspielzeit von einer Dreiviertelstunde, zum anderen wurde „Blade Of Heresy“ nicht einfach in seiner ursprünglichen Fassung übernommen, sondern überarbeitet und damit auf das Niveau der beiden anderen Tracks angehoben.

Anders wäre ein solches Recycling auch gar nicht infrage gekommen, denn hinsichtlich Klangqualität und Performance haben WERIAN in der Zwischenzeit maßgebliche Fortschritte gemacht. Auf „Animist“ spielen die Deutschen ihre Instrumente deutlich akkurater als zuvor und der herrlich organische, ausgewogene Sound ist Welten entfernt von der kauzigen Proberaum-Produktion der Tracks auf „Lunar Cult Society“. Wie bei einem fertig zusammengesetzten Puzzle sitzt hier jedes Stück an der richtigen Stelle, von den monströsen Growls, über die staubtrockenen, spröden und oftmals lässig zurückgelehnten Gitarren und die peppigen Drums bis hin zu den brummenden Basslines.

Mystische Keyboards und Orgeln, beschwörend gesprochene und geflüsterte Sätze sowie verschiedenartige Geräusch-Samples sorgen darüber hinaus für einen einnehmenden Okkult-Flair. Den experimentellen Charakter und die harschen Black-Metal-Einflüsse, welche die Compilation auszeichneten, haben WERIAN zwar partiell hinter sich gelassen, doch „Animist“ enthält zweifellos mehr als genug kreative Schätze, um die Hörerschaft restlos zufriedenzustellen.

Dass WERIAN ihr Songwriting auf kurz oder lang fokussieren und im Zuge dessen manche ihrer potentiell interessantesten Ideen ungenutzt auf der Strecke bleiben würden, war wohl unausweichlich. Was „Animist“ an experimentellen und schwarzmetallischen Parts geringfügig vermissen lässt, macht die Platte jedoch durch ihre hervorragende Produktion, ihre knackige Performance und ihren nach wie vor originellen Genre-Mix mehr als hinreichend wett. Die bemerkenswerte Entwicklung, die WERIAN seit ihrer letzten Veröffentlichung vollzogen haben, ist auf ihrem Debüt nicht zu überhören. Hiermit haben die Deutschen das bereits auf ihren Demos präsente Potential beinahe vollständig entfaltet und in der Folge ein Album geschaffen, das seinem animalischen Titel mit seiner rohen, ungefilterten Energie alle Ehre macht.

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Wertung: 8 / 10

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