Review Wheelfall – The Atrocity Reports

Industrial und Post-Metal – zwei Genres, die man nicht allzu oft zusammen antrifft, wenn man mal von Vorreitern wie Godflesh oder Jesu absieht. Mit ebenjenen haben die Franzosen WHEELFALL trotz ihrer Kategorisierung jedoch nur bedingt etwas gemein. Sphärisch oder futuristisch klingt das Quartett auf seiner mittlerweile dritten Platte „The Atrocity Reports“ nämlich kein bisschen. Vielmehr verbinden WHEELFALL die genannten Stilrichtungen mit allerlei anderen extremen Einflüssen und errichten damit ein rohes, lebensfeindliches Klanggerüst, das unbedarften Hörern das Fürchten zu lehren imstande ist. Wer also leichtfüßige Clean-Gitarren oder hypermoderne Keyboards erwartet hat, sollte an diesem Punkt schleunigst kehrt machen.

Auf „The Atrocity Reports“ ist der Name von Anfang an bis zur letzten Sekunde Programm: Schon auf dem zweieinhalbminütigen Opener „The Way To Every Crime Is Ours“ bearbeiten WHEELFALL die Trommelfelle mit räudigen, heiseren Shouts, staubtrocken ratternden Riffs und mechanisch hämmernden Drums. Chaotisch und verheerend ist der stilistische Mix, dem sich die Franzosen verschrieben haben. Daraus ergeben sich gnadenlose Gewaltexzesse wie das in seiner Brutalität überwältigende Zwischenspiel „Control“. Für eine knappe Dreiviertelstunde lang gönnen WHEELFALL dem Lauschenden weder leicht zugängliche Melodien noch die kürzeste Verschnaufpause.

Dabei sind die Up-Tempo-Brecher und Double-Bass-Salven eigentlich sogar in der Unterzahl. Wenn die Franzosen jedoch die Geschwindigkeit und die Lautstärke reduzieren, dann nur, um eine geradezu verstörende Stimmung aufzubauen, die sich alsbald wieder in einem manischen Wutanfall entlädt. Man kommt also selbst bei dem schleppenden „Black Bile“ nicht zur Ruhe, das mit seinem dreckig knarrenden Bass und seinen hypnotischen Clean-Vocals regelrecht für Paranoia sorgt. Auch „There Is No You“ und der abschließende Sechseinhalbminüter „Lost Cause“ scheinen dem Hörer anfangs wie ein psychopathischer Serienkiller aufzulauern, ehe sie ihn mit fiesem Geschrei, Tremolo-Riffing und knallhartem Drumming zu Boden schmettern.

Dass WHEELFALL derart brachial klingen, liegt jedoch nicht nur an ihrer Stilistik, sondern vor allem an der verdammt druckvollen Produktion, die wahrhaft ihresgleichen sucht. Ebenjene gibt der Platte auch ihren maschinellen Industrial-Sound. Samples und Elektronik bauen WHEELFALL für das Genre untypisch nämlich nur hintergründig oder etwa in dem verschrobenen Interlude „A Murmuring Swarm“ ein.

Beim Hören von „The Atrocity Reports“ fühlt man sich, als wäre man zwischen die Zahnräder einer rostzerfressenen Tötungsmaschine geraten, die gewissenlos alles niederwalzt, was ihr in die Quere kommt. Von schöner Musik kann hier also beileibe nicht die Rede sein. Doch das wäre natürlich auch nicht das, was WHEELFALL bezwecken. Interessant ist das Drittwerk der vier Extremmusiker jedoch allemal, gerade wegen seiner erbarmungslosen Grausamkeit, die selbst den vermeintlich gemäßigteren Passagen innewohnt. Ein Stück mehr erkennbare Abwechslung und Eingängigkeit könnten sich die Franzosen zwar durchaus erlauben, ohne dadurch weniger extrem zu klingen, aber auch so ist „The Atrocity Reports“ ein hörenswertes Album.

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Wertung: 7.5 / 10

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