Grutle Kjellson über King Crimson

Kolumne_2016

Im Zuge unseres großen KING CRIMSON-Review-Specials konnten wir ENSLAVEDs Sänger und Bassist Grutle Kjellsion, seines Zeichens selbst großer Verehrer der Band, überzeugen, seine eigenen Gedanken zu den verschiedenen Inkarnationen der Band zu äußern.

Zu Phase I:

Man muss sich mal vorstellen, wie King Crimson alles und jeden weggeblasen haben als sie „In The Court Of The Crimson King“ veröffentlich haben! Ich meine, auch ich wurde weggeblasen als ich auf diese Band und dieses Album gestoßen bin, aber das war in den 90ern. „In The Court Of The Crimson King“ wurde 1969 released!!! Solche Musik war vollkommen ab vom Schuss! Zumindest was das Kommerzielle angeht. Die Art, wie King Crimson es schaffen, sich die Energie des Rock zu erhalten und sie zugleich mit der freien, improvisierten Weise verknüpfen, wie Jazz-Acts Musik spielen, ist großartig. Sie waren damals total wegweisend, und diese frühen Releases sind immer noch relevant und lebendig. Absolut zeitlos.
Mein Favorit aus dieser Periode ist auf jeden Fall „In The Court Of The Crimson King“. Ich liebe alle Alben aus dieser Zeit, aber Ian McDonals Mellotron-Spiel fährt den Punkt ein, um diesen harten Wettbewerb zu gewinnen. Niemand hat jemals so Mellotron gespielt, weder davor, noch danach. Überwältigende Atmosphäre. Zwar ist das Album das am wenigsten „Verfrippte“, und Robert Fripp ist einer meiner Lieblingsmusiker aller Zeiten, aber dennoch ist es für mich das beste unter den frühen Alben. Habe ich das Cover erwähnt? Muss man auch nicht, es ist das beste, das je gemacht wurde, so einfach ist das.
Das zweitbeste wäre für mich dann „Lizard“. Hier findet sich einer meiner liebsten King-Crimson-Songs, „Cirkus“, und natürlich der wundervolle Beitrag von Jon Anderson von Yes zu „Prince Rupert Awakes“. Danach würde ich „In The Wake Of Poseidon“ als Nr. 3 und „Islands“ als Nr. 4 einstufen. Großartige Alben, beide, aber ihnen fehlt der gewisse Kick, der sich auf den beiden zuvor genannten Alben findet. Dennoch ist es natürlich sehr unfair, diese beiden mit zwei so unglaublich perfekten Scheiben zu vergleichen.

Hier findet ihr unsere Reviews zu dieser Phase:

In The Court Of The Crimson King (1969)
In The Wake Of Poseidon (1970)
Lizard (1970)
Island (1971)


Zu Phase II:

Diese Periode ist vermutlich die „dunkelste“ Phase dieser Band, und wohl meine favorisierte King-Crimson-Inkarnation. Es ist weniger „jazzy“ (nicht, dass etwas falsches daran wäre, hehe…) und dunkler, grausamer, mystisch und verrückt. Ich liebe dieses Zeug total! Master Fripp überzeugt hier viel mehr als in Phase I. Das war vermutlich die unkommerziellste und heftigste Musik, die in den 70ern in einem größeren Rahmen veröffentlicht wurde. (Natürlich gab es seltsamere Musik in den 70ern, aber nicht bei Major-Labels). Diese Alben müssen einige LSD-Junkies damals ziemlich in den Wahnsinn getrieben haben, haha.
Es ist sehr schwer, diese Alben qualitativ abzustufen, aber ich denke „Larks‘ Tongues In Aspic“ und „Red“ teilen sich den ersten Platz. „Red“ gehört zu den besten Alben, die je von einem Trio aufgenommen wurden. Es hat den gottverdammt großartigsten Basssound und es hat meinen Lieblingssong von Crimson, „Red“. Aber ich vermisse das Geigenspiel von David Cross von „Larks‘ Tongues In Aspic“, das der Soundlandschaft einen netten melancholischen Touch aus der klassischen Musik verliehen hat. Wie auch immer: Drei wundervolle Progressive-Rock-Alben, die meinen Schallplattenspieler auch heute noch wieder und wieder heimsuchen.

Hier findet ihr unsere Reviews zu dieser Phase:

Larks Tongues In Aspic (1973)
Starless And Bible Black (1974)
Red (1974)


Zu Phase III:

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig geschockt war, als ich mir diese Alben das erste mal angehört habe. Ich kannte nur ihr Zeug aus den 70ern, als ich mir diese Platten zulegte. Das war schon etwas ganz anderes als die alte, britische Prog-Band, die ich so sehr gemocht habe. Trotzdem, und egal wie anders es ist, „Discipline“ ist ein großes Album. Adrian Belews verrückter Stil auf der Gitarre, ebenso wie sein seltsamer Gesang und seine strangen Lyrics. Das Album erinnert mich sehr an die Talking Heads, was wohl nicht besonders überraschend ist, nachdem Belew da auch gespielt hat. Er hat auch mit Zappa gespielt und „Discipline“ klingt für mich an manchen Stellen ebenfalls ein wenig „zappaish“. Nicht, dass das keine gute Sache wäre, hehe…
„Indiscipline“ ist mein Lieblingssong auf diesem verrückten Prog Rock / New Wave / Art-Pop-Album. I repeat myself while I’m in stress…. I repeat…
„Beat“ und „Three Of A Perect Pair“ sind keine schlechten Alben, aber bei weitem die schwächsten dieser Truppe, meiner Meinung nach. Es gibt ein paar Songs von diesen Alben, die ich sehr mag, aber insgesamt ist mir das doch alles etwas zu poppig und funkig.

Hier findet ihr unsere Reviews zu dieser Phase:

Discipline (1981)
Beat (1982)
Three Of A Perfect Pair (1984)


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