Vyre – „The Initial Frontier Pt. 2“ (Track by Track)

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2013 debütierten die Bielefelder Black Metaller VYRE mit ihrem überaus hörenswerten Album „The Initial Frontier Pt. 1“. Und wie schon der Titel erahnen lässt, war bereits das Debüt als Mehrteiler gedacht. Nur ein Jahr später kommt nun „The Initial Frontier Pt. 2“ in die Läden. Wir hatten schon einmal die Gelegenheit, das neue Album der Band um die ehemaligen Geïst- aka Eïs-Musiker Doc Faruk, Zyan, Hedrykk und KG Cypher probezuhören.

Vyre - The Final Frontier Pt 2

Naughtylus

Es gehört Mut dazu, ein Album mit einem Neunminüter zu beginnen – zumindest, wenn man nicht im Doom Metal zu Hause ist. Doch wie schon beim Debüt lassen es VYRE erneut drauf ankommen. Leicht machen sie es dem Hörer damit nicht, ist doch bereits „Naughtylus“ ein sehr forderndes Stück Musik. Nach einem kurzen Intro aus behäbigen Gitarrenklängen geht es schnell in härtere Gefilde: Wie vom Debüt bereits bekannt, gibt es zunächst Riffs, die auch auf „Galeere“ hätten stehen können – allerdings versetzt mit allerlei Spielereien und Finessen: Diverse Wechsel in Tempo und Gesangsart sowie Synthesizer und Streicher, die dem Ganzen einen Hauch von Pantheon I verleihen, sorgen hier für einigen Wirbel. Für den Anfang vielleicht etwas zu viel – langweilig wird dieser Song dafür definitiv nicht.

Diabolum Ex Machina

Wer denkt, VYRE hätten ihr Pulver damit verschossen, irrt gewaltig: Mit über zehn Minuten schlägt „Diabolum Ex Machina“ zu Buche. Im Vergleich zum Opener ist hier, sofern man das von Black Metal sagen kann, zumindest in der ersten Hälfte mit gefälligem Riffing, griffigen Melodieführungen und dem kräftigen Gesang von KG Cypher fast easy listening angesagt. Für eine Prise Avantgarde sorgen hier die teilweise etwas verschrobenen Soundelemente in Hälfte zwei, die dem Song bisweilen den Charakter eines Science-Fiction-Soundtracks verleihen.

Order 66

Mit dem markanten Klargesang, verspielten Gitarrenläufen und dem einen oder anderen Poser-Riff geht es in „Order 66“ für Avantgarde-Black-Metal-Verhältnisse fast schon rockig zu. Allzu große Überraschungen verkneifen sich VYRE hier ausnahmsweise – als Resultat ist das Stück mit seinen 7:47 dann auch das kürzeste auf dem Album.

For Carl

Das Kontrastprogramm dazu erwartet den Hörer bei „For Carl“: Das rein instrumental angelegte Stück nimmt den Hörer auf eine zehnminütige Reise, die im Black Metal beginnt und nach nur wenigen Minuten erneut in die Welt des Soundtracks entführt: Die dabei heraufbeschworene Epik ist derart bildhaft ausgeführt, dass man vor dem inneren Auge quasi unweigerlich ein Raumschiff in die unendliche Weite des Weltalls entschwinden sieht. Von einem etwas unmotivierten Black-Metal-Riff aus diesen Bildern gerissen, geht die Reise über Ambient-Parts bis hin zu mit Elektro-Beats untermalten Gitarrenleads. Dass die Reiseroute bei dieser Stilvielfalt nicht ganz nachvollziehbar bleibt, ist eventuell mit dem einen oder anderen passierten Wurmloch zu erklären.

Neutronenstern

Einen ganz anderen Zug bringt „Neutronenstern“ in das Geschehen: In etwas angehobenem Tempo stellen VYRE hier unter Beweis, dass sie auch vergleichsweise bodenständigen Black Metal können: Zwar weist auch dieser Song diverse Tempo- und Atmosphärenwechsel auf, alles in allem bleibt der Albumabschluss aber vergleichsweise konventionell. Während das Licht im Saal angeht, geleitet ein behäbiger Riff, untermalt von dezenten Synthesizer-Klängen, den Hörer zum Ausgang. Ein gelungener Abschluss!

Fazit:

Wie schon sein Vorgänger ist auch „The Initial Frontier Pt. 2“ kein einfaches Album. Viele unerwartete Einsprengsel und forsche Stilwechsel machen es gerade in der ersten Albumhälfte und während der ersten Durchläufe immer wieder schwer, zu erkennen, wohin die Reise gehen soll. Wer sich davon und von dem einen oder anderen Schwindelanfall jedoch nicht verleiten lässt, auf halber Strecke aus dem Raumschiff zu springen, wird in der gebotenen Dreiviertelstunde überraschend viel erleben.

 Vyre - The Final Frontier Pt 2

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