Vyre – „Weltformel“ (Track by Track)

 Mit „The Initial Frontier Pt. 1“ und „The Initial Frontier Pt. 2“ legten die ganz auf Science (und) Fiction fokussierten VYRE 2013 und 2014 einen echten Raketenstart hin. Drei Jahre später kündigen die Bielefelder nichts weniger als die „Weltformel“ an. In unserem „Track By Track“-Special zum Album erfahrt ihr zu jedem Stück von KG Cypher, worum es geht, sowie anschließend von uns, wie es klingt.


Alles auf Ende

Worum es geht: Die Opening Credits. Zeit, sich die herausragenden Momente der Wissenschaft der letzten 100 Jahre ins Bewusstsein zu rufen. Was haben wir alles geschafft? Soviel, was noch im Dunkeln liegt. Die Reise kann beginnen. Ignition, Lift-off.

Wie es klingt: Sphärische Synthesizer-Klänge eröffnen das Album-Intro „Alles auf Ende“: Durch das mechanische Drumming dürften sich zumindest Hörer mit Death-Metal-Faible dezent an Vaders „The Art Of War“-EP erinnert fühlen. Eine gewisse Epik ist dem Stück nicht abzusprechen, wenn das Stück für ein rein instrumentales Intro mit fünf Minuten auch fast etwas lang geraten ist.

 

Shadow Biosphere

Worum es geht: So wichtig und spannend es ist, über die Grenzen unserer Atmosphäre hinauszublicken – etwa die Suche nach extra-terrestrischem Leben – so interessant ist es, hier auf der Erde die Diversität des Lebens zu entdecken. Vielleicht haben wir etwas übersehen. Vielleicht haben wir es nur vergessen.

Wie es klingt: Auch „Shadow Biosphere“ beginnt mit seinem eigenen kurzen Streicher-Intro, ehe das erste Riff des Albums einsetzt: Durch die symphonische Komponente, aber auch im Gesang, schwingen hier dezent Dimmu Borgir mit. Im weiteren Verlauf wird zunächst die Leadgitarre, dann das ganze Arrangement verspielter.

 

Life Decoded

Worum es geht: Nachdem wir uns auf die Suche nach einer Schattenbiosphäre gemacht haben, wird es Zeit, nach Spuren in uns selbst zu suchen. Zu verstehen, warum wir sind, was wir sind. Ist vielleicht die Frage nach ausserirdischem Leben in uns selbst zu beantworten? Vielleicht geht es auch einfach darum, zu verstehen, warum wir sind, wie wir sind. Gar zu menschlich? Das erste mal, dass ich mich mit cleanen Vocals über eine Zeile heraus wage.

Wie es klingt: Die Symphonik kommt auch in „Life Decoded“ nicht zu kurz: Bereits zu Beginn kommen Streicher und sehr gelungener Klargesang (!) zum Einsatz, während die Gitarren unter dicken Synthesizer-Layern durchaus ausgefallenes Riffing zu bieten haben. Etwas sprunghaft arrangiert, macht der Song einen Abstecher in den Bereich klassischen Black Metals, ehe er bei melodischem, fast etwas proggig angehauchten Gitarrenspiel (erneut mit viel ) und der Klargesangsmelodie vom Beginn endet.

 

Tardigrade Empire

Worum es geht: Wenn die selbstbewussteste Lebensform des Universums auf einen Kreuzzug durch die Galaxie aufbricht, wird es hässlich. Spätestens, wenn sie auf das wahre Böse treffen. Damit haben sie nicht gerechnet. Vielleicht geht es aber auch um die Renaissance der Dummheit und was passiert, wenn es der Elite irgendwann reicht. Oder Nord Korea? Keine Ahnung. Übrigens der einzige von mir komponierte Song . Die anderen hat Hedrykk komponiert.

Wie es klingt: Wabernde Syntehsizer, rockiges Drumming und akzentuierende Gitarrenakkorde, Piano und ein Duett aus dreckig-rauem und kristallklarem Gesang prägen den Einstieg in diesen Midtempo-10-Minüter, der im weiteren Verlauf zwar noch ein Gitarrensolo, einen Bassbreak, schwarzmetallene Raserei mit und ohne symphonische Elemente sowie einen angezerrten „Cleanpart“ zu bieten hat, bei alledem aber nie so richtig in Fahrt kommt.

 

The Hitch (We Are Not Small)

Worum es geht: Eine kleine musikalische Verbeugung. Eine Hommage an den Hitch-Slap. Die ewige Suche nach der Wahrheit. Die Wahrheit ist: Wir Menschen sind nicht klein und völlig unwichtig. Wir sind so mittel und ziemlich unwichtig. Wenn einem die Worte fehlen. Wie schon bei „For Carl“ auf „The Initial Frontier“. Am besten genossen als Background-Musik für Videos vom Christopher Hitchens.

Wie es klingt: Aus dem Einstieg von „The Hitch (We Are Not Small)“ hätte Peter Tägtgren auch einen Pain-Song zimmern können: VYRE bieten hier waschechten Elektro-Metal, der durch eine Geisterfilm-reife Melodie einen spooky Touch verliehen bekommt. Ein kurzes, aber prägnantes Gitarrensolo stellt den Höhepunkt des rein instrumental gehaltenen Stückes dar.

 

We Are The Endless Black

Worum es geht: Nun aber doch raus ins Universum und darüber hinaus. Wollt ihr ewig an diesem Felsen, an dieser Realität festhalten? Los, bis zum Ereignishorizont und noch viel weiter. Excelsior!

Wie es klingt: Verträumte Clean- und Overdrive-Gitarren, Synthesizer und schließlich abrupt einsetzender Black’n’Roll (in Riff wie Gesang) verleihen „We Are The Endless Black“ viel Groove, eine abermals sehr schöne Klargesangsmelodie und immer abgefahrene Synthesizer halten den Hörer im weiteren Verlauf bei der Stange: Wer hier nur kurz mal nicht hinhört, hat schnell etwas verpasst – im schlimmsten Fall den Anschluss.

 

Away Team Alpha

Worum es geht: Na gut. Traum trifft Realität. Es ist vielleicht doch nicht die beste Idee, alles aufzugeben, alle Brücken hinter sich einzureißen. Wir sollten uns bemühen, Terra als wichtiges Basislager, als Safe Haven zu sehen und nicht als Müllhalde. Äste wachsen nicht in den Himmel ohne Wurzeln im Boden.

Wie es klingt: Auch zum Abschluss knallen VYRE dem Hörer noch einen (nahezu) zehnminütigen Song vor den Latz: Durch breite Synthies untermaltes, majestätisches Rock-Riffing, ein sehr präsenter Bass und stilistisch sehr vielseitiger Gesang, der mal wie durch ein Megaphon gesungen klingt, mal eher Erzähler-Charakter hat und dann wieder als moderat harscher Black-Metal-Gesang daherkommt, prägen den Song. Wo das galoppierende Riff etwas fahrt aufnimmt, fangen die Synthesizer es gleich wieder ein, ehe das Stück mit viel Streicher-Einsatz, Klargesang und Zuckerguss zu Ende gebracht wird.

 

Das Metal1.info-Fazit:

Langweilig wird einem mit VYREs „Weltformel“ gewiss nicht. Ob der Hörer vom ohne Frage bislang experimentellsten Album der Bielefelder erleuchtet wird, hängt jedoch ganz entscheidend von seiner Vorliebe für symphonische Elemente, Klargesang und – in gewissem Maße – progressivem „Kitsch“ ab.

Sonstige Infos:

Spielzeit: 52:29 Minuten
Label: Supreme Chaos Records
VÖ-Datum: 20.04.2018

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