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Suicidal Tendencies – STill Cyco Punk After All These Years

Werden die SUICIDAL TENDENCIES nach einer bald 40 Jahre andauernden Karriere nostalgisch? Ihr neues Album „STill Cyco Punk After All These Years” könnte das fast schon nahelegen. So spielt der Titel überdeutlich auf ihre Raritätencollection „STill Cyco After All These Years“ an. Darüber hinaus ist der Großteil des Materials auf dem 13. Album der Band aus Venice Beach eine neu vertonte Version des Soloalbums „Lost My Brain…Once Again!“ von Sänger Mike Muir aus dem Jahr 1995.

Trotz des Alters der Stücke auf „STill Cyco After All These Years“ wirkt das Album überraschend frisch und unverbraucht. Ein Grund dafür ist sicherlich das Schlagzeugspiel von Dave Lombardo, der zwischenzeitlich festes Bandmitglied der SUICIDAL TENDENCIES geworden ist. Zwar hält er sich dieses Mal mit seinem Drumming schon fast etwas zurück, ist aber unfassbar tight und verleiht den Songs mit seinen Breaks und Fills einen modernen Anstrich. Leider ist die Produktion des Albums, getreu der DIY-Attitüde der Band, doch arg scheppernd und insgesamt recht dünn geraten. Die an sich treibenden Songs werden so etwas ihres Drives beraubt.

Dennoch sind selbstverständlich alle Trademarks der SUICIDAL TENDENCIES vertreten: Ein groovender Bass, sich nahezu überschlagende Schlagzeugsoli und Mike Muirs hoher, euphorischer, teilweise schon fast übertriebener Gesang. Da es eben auch alte Songs sind, erfinden die SUICIDAL TENDENCIES das Rad nicht neu, machen aber gewaltig Spaß. Über eine für das Genre doch amtliche Spielzeit von 42 Minuten wirkt das Material auf „STill Cyco After All These Years“ allerdings stellenweise schon etwas redundant.

Insgesamt ist „STill Cyco Punk After All These Years” ein solides Album zwischen Punk und Hardcore, das nicht so klingt, als läge sein Ursprung in den frühen 90ern. SUICIDAL TENDENCIES mögen nicht mehr die Jüngsten sein und tun sich mit einigen Entscheidungen wie Produktion und Albumlänge keinen Gefallen, stellen aber immer noch eine der Spitzen ihres Genres dar.

Matula – Schwere

Was tun, wenn die Sturm-und-Drang-Phase der Jugend vorbei ist? Wie geht man damit um, dass lange Nächten nicht mehr verkatert zelebriert werden können, sondern die harte Arbeitswelt wartet? Wie fühlt es sich an, wenn die beruflichen und privaten Verpflichtungen zunehmen, die Selbstzweifel aber nicht aufhören? Und wie handelt man, wenn man das Gefühl hat, dass es das jetzt war, das „Jetzt“ aber nur schwer zu ertragen ist? Diese Fragen fangen die Grundstimmung ein, die MATULA auf ihrem vierten Album erzeugen, das seinem Titel „Schwere“ in allen Belangen gerecht wird.

Die Emo-Indie-Punks von damals sind älter geworden, Familie und Lohnarbeit machen es schwer, MATULA als aktive Band aufrecht zu erhalten. „Schwere“ hat daher vier Jahre auf sich warten lassen. Das Ergebnis beweist, dass es bei den MATULA keinen Stillstand gibt: Thorbens Gesang ist noch sehnsüchtiger als auf früheren Veröffentlichungen, die warme aber druckvolle Produktion ist noch drängender, die Lieder zu gleichen Teilen introvertierter und punkiger.

Die Euphorie des Vorgängers, der ein letztes Aufbäumen vor dem unerbittlichen Älterwerden darstellte, ist verschwunden. Stattdessen dominiert eine unruhige Melancholie, sowohl musikalisch als auch textlich. Dabei klingen MATULA noch nie so sehr wie ihre Labelkollegen und Freunde von Captain Planet wie auf „Verletztes Tier“ – sicherlich auch, da Gitarrist Sebastian seit einigen Jahren in beiden Bands aktiv ist. Dennoch haben die vier Hamburger ihren eigenen, unverkennbaren Stil und bleiben diesem treu.

Wie gewohnt setzen MATULA auf unwiderstehliche Melodien und Harmonien, die ihren schrammeligen Indie-Punk seit ihrem Debüt „Kuddel“ bestimmen. Dabei gibt es in Sachen Tempo und Struktur auf „Schwere“ zwar nur wenig Abwechslung, allerdings immer wieder hochemotionale Momente, seien es Rhythmus- oder Tonwechsel beim Einstieg in einen Refrain, oder Textzeilen wie „Hinfallen ist wie anlehnen, nur später“. Das hoffnungsvolle „Dein Platz ist hier“ bildet dabei neben dem verletzten „Den ganzen Rest vergessen“ und dem fast schon verzweifelten „Brachland Sonnenuntergang“ die Highlights auf „Schwere“. „Der Monarch“ sowie der Titeltrack können hier nicht ganz mithalten, ohne zu enttäuschen.

„Schwere“ ist ein Album, dass das Gefühl der nun im „echten Leben“ angekommenen Millenials nahezu perfekt einfängt und emotional wie poetisch vertont. Nach einer vierjährigen Abwesenheit ist dieses Album ein weiterer Beweis dafür, wie sehr MATULA gefehlt haben. Schön, nicht allein zu sein.

ZSK – Hallo Hoffnung

An ZSK scheiden sich die Geister. Für die einen sind die Berliner schon lange nicht mehr Punk genug, für die anderen ist die Band immer noch nur ein Haufen weiterer lärmender Punks. Mangelndes politisches Engagement kann man den Initiatoren der „Kein Bock auf Nazis“-Bewegung aber definitiv nicht vorwerfen. Rein musikalisch sind ZSK aber wirklich schon länger nicht mehr nur im Punk verortet. Auch auf ihrer neuen Scheibe „Hallo Hoffnung“ regieren vor allem die Kontraste.

Mit „Es müsste immer Musik da sein“ starten die Jungs mit voller Energie in das Album. Der Refrain des Songs entstammt dem Film „Absolute Giganten“ und wurde bereits auf dem letzten ZSK-Album „Herz für die Sache“ als Spoken-Word-Part verwendet. An sich ist der Album-Opener ein recht typischer ZSK-Mutmacher, wie er auch mit Songs wie „Unzerstörbar“ oder „Halte durch“ auf der Scheibe vertreten ist. Mit „Es wird Zeit“ und „Wellen brechen“ zeigt sich die Band ungewohnt nostalgisch, fast schon wehmütig. Wenn Sänger Joshi von den ersten Gehversuchen der Musiker singt, den Geist der guten alten Zeit beschwört und von den Songs erzählt, die ZSK seitdem begleiten, schleicht sich eine leichte Melancholie aber auch ein Schmunzeln in das Herz des Hörers.

Natürlich fehlen auch diesmal nicht die Songs, die die klare Haltung von ZSK gegen Rechts, gegen eine Politik der Angst und gegen den Hass deutlich machen. Dabei konnte die Band niemand geringeren als Chris 2# von Anti-Flag für ein Feature im Song „Make Racists Afraid Again“ gewinnen. Schade ist nur, dass dieses dann recht mager ausfällt und der Track allgemein eher handzahm erscheint. Auch die anderen punkigeren Nummern wie „Wut“ kommen in Sachen Intensität und Charisma nicht an Bandklassiker wie „Antifascista“ oder „Wenn so viele schweigen“ heran. Rein textlich gesehen haben ZSK aber nichts von ihrem alten Spirit verloren, es fehlt aber an der nötigen Aggressivität und dem Willen im musikalischen Bereich.

ZSK sind mit „Hallo Hoffnung“ definitiv noch offener für ein breites Publikum geworden. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass die Scheibe schlecht oder gar belanglos wäre. Allerdings vermisst man schon die frühen ZSK, vor allem dann, wenn in den nostalgischen Songs Erinnerungen an die ersten Scheiben der Band geweckt werden. Wer aber auf abwechslunsgreichen deutschen Rock mit mehr oder weniger politischen Texten steht, ist hier genau richtig.

 

 

The Interrupters – Fight The Good Fight

Direkt aus Los Angeles servieren die Ska-Punker THE INTERRUPTERS ihr drittes Studioalbum „Fight The Good Fight“. Der Titel ist an ein Graffitti angelehnt, das außerhalb des Studios gesprayt war, in dem die Band ihr Debüt aufgenommen hat. Der kraftvolle melodische Punk-Sound soll diesmal noch vitaler klingen. Als Produzent tritt wieder einmal Grammy-Gewinner Tim Armstrong auf, der auch an den beiden Vorgängern arbeitete und mit seiner Band Rancid einen Gastauftritt hat. Gute Voraussetzungen also für ein anscheinend hochwertiges Release.

Direkt von Beginn an verbreiten Frontfrau Aimee Interrupter und ihre Mitstreiter eines ganz deutlich: gute Laune. Das liegt vor allem an den Reggae-Rhythmen der Gitarre, aber auch den kraftvollen Punk-Einlagen. „Title Holder“ ist ein energiegeladener Opener, der Lust auf mehr macht. Insgesamt sind es elf weitere Titel, die Aimee Interrupter mit ihrer angenehm tiefen und rauchigen Stimme veredelt. Ihren Stil variiert die Band, so gibt es ebenfalls reine Punk-Nummern („So Wrong“), poppige Songs („Broken World“) oder Sprechgesang-Einlagen („Not Personal“) zu hören.

Wiederholt fallen die männlichen Hintergrundchöre mit ihren „Oh-oh-oh“-Einlagen auf, die zwar nicht sonderlich innovativ, aber im vorliegenden Kontext ein gutes Stilmittel zur Förderung des Fun-Faktors sind. Variabel zeigt sich Aimee Interrupter auch in Sachen Gesang: In „Leap Of Faith“ bewegt sie sich so weit in den Reggae-Bereich, dass sie anfangs kaum wiederzuerkennen ist. Weiter nennenswert ist „Got Each Other“, das von den eingangs erwähnten Rancid gesanglich dominiert wird. Hier darf jedes Bandmitglied mal seine Stimme erheben, was stellenweise etwas schief wirkt, dennoch eine nette Idee für den Albumfluss darstellt.

Insgesamt könnte der Ska-Einfluss auf die Songs von THE INTERRUPTERS und deren aktuelles Album „Fight The Good Fight“ gerne etwas größer ausfallen. Der Einsatz von Bläsern wäre eventuell auch eine Idee für kommende Releases. Gerade in diesem Bereich punktet die Band nämlich deutlich. Dennoch ist auch ihre Punk-Seite angenehm zu hören, qualitativ ansprechend und hat sogar kleinere Hits im Angebot. Außerdem präsentiert sich Frontfrau Aimee als sehr gute Sängerin. Langweilig wird es mit dieser Band auf jeden Fall nicht und Spaß macht deren Output noch dazu.

Anti-Flag mit neuem Video

Nachdem ANTI-FLAG gerade erst eine ausgedehnte Tour durch Europa angekündigt haben, haben sie nun auch ein neues Video zum Song „Troble Follows Me“ am Start. Der Clip wurde ihm Rahmen ihrer gerade laufenden Tour gedreht.

Anti-Flag auf Tour

Die Punk-Heroen von ANTI-FLAG haben eine massive Europatour bekannt gegeben. Ganze acht Shows davon werden in Deutschland stattfinden. Begleitet werden ANTI-FLAG dabei von Silverstein, den Cancer Bats und Worriers.

Tickets gibt es ab dem 20.07.2018.

Hier die Deutschlandtermine:

16.10.2018 – Hannover, Pavillion
18.10.2018 – Berlin, SO36
19.10.2018 – Hamburg, Fabrik
20.10.2018 – Köln, Live Music Hall
21.10.2018 – Stuttgart, Longhorn
23.10.2018 – München, Backstage Werk
25.10.2018 – Saarbrucken, Garage
28.10.2018 – Wiesbaden, Schlachthof

Decisions – The Weight Of The World Leaves A Broken Back (EP)

Eine sonderbare Band scheinen DECISIONS aus New York allemal zu sein. Außer dem Gründungsjahr 2016 und den Vornamen der Musiker erfährt man nicht viel. Auch eine Homepage oder Facebook-Seite scheint bisher nicht zu existieren. Dennoch haben die Hardcore-Punker jetzt mit „The Weight Of The World Leaves A Broken Back“ ihre zweite EP am Start, die vier Titel enthält und mit einem (man verzeihe es mir) besonders hässlichen Artwork daherkommt.

Musikalisch werden geradlinige Riffs, experimentell-künstlerische Einflüsse, freakiger Punk-Style und Noise-Elemente angepriesen. Das Quartett möchte mit ihrem neuesten Release die Mauern und Normen einer langweiligen, verdammten Welt niederreißen und auch mit den Institutionen abrechnen, die einen zerbrochenen Status Quo weiter stärken. Klingt einerseits abgedroschen und oft gehört, andererseits auch nach queren Gedanken eines Hobby-Verschwörungstheoretikers. Kurzum: Beschäftigen wir uns lieber mit der Qualität des Gebotenen.

Vorweg sei gesagt, dass drei der vier Titel nicht einmal die Zwei-Minuten-Marke knacken. So kommt man insgesamt auf eine Laufzeit von rund zehn Minuten. Wenn das Release ansonsten nur Positives anbietet, kann über diesen Faktor eventuell hinweggesehen werden. Durchgeknallt sind DECISIONS, ja. Aber ansonsten gibt es auch nicht im Ansatz irgendetwas, dass besonders hervorzuheben wäre.

Melodie Fehlanzeige, fragwürdiger Gesang, Hardcore nur bedingt erkennbar. DECISIONS haben auf „The Weight Of The World Leaves A Broken Back“ eine zehnminütige Enttäuschung vertont, die man ohne mit der Wimper zu zucken übergehen kann. Verrücktsein in der Musik ist an sich kein Problem, dann aber bitte mit Klasse und von der sind die New Yorker meilenweit entfernt. Immerhin sind Musik und Artwork stimmig. Danke, kann weg.

This Wild Life – Petaluma

Wenig abwechslungsreich und viel zu kitschig präsentierten sich THIS WILD LIFE noch auf „Low Tides“. Jetzt möchte das Duo mit dem vierten Studioalbum „Petaluma“ und seinem Artwork zwischen sommerlicher Leichtigkeit und Kirchenfenster abermals die Hörer überzeugen. Produzent Ryan Hadlock (Vance Joy, The Lumineers) brachte den Musikern ungewöhnliche Instrumente näher, wie bspw. die Mandoline, die in den akustischen Pop-Punk verwoben wurde. Gelingt es Jordan und Del Grosso diesmal unter dem Strich ein besseres Album anzubieten?

In Sachen Qualität haben sich THIS WILD LIFE deutlich gesteigert, das sei vorab verraten, auch wenn sie sich noch stärker in Richtung Pop entwickelt haben. „Headfirst“ wird durch ein Schlagzeug angereichert, dass die nötigen Akzente setzt und für diesen Stil sogar recht wuchtig wirkt. Die zum Einsatz kommenden Chöre geben dem Song noch etwas mehr Drive mit auf den Weg. Mal agiert eine Ukulele federführend („Catie Rae“) oder es kommen beschwingte Bläser zum Einsatz („Come Back Down“).

Elegant und schön anzuhören sind auch die Streicher, die vermehrt zum Einsatz kommen und einige Titel auf „Petaluma“ veredeln. Auch in Sachen Gitarren hat sich das Duo aber merklich gesteigert. Wiederholt dringen gewisse Griffe und Kniffe ans Gehör, die man nicht vermutet hätte. Der Bass ist oft unterschwellig präsent, was den Songs ebenfalls sehr gut steht. Neben den locker-flockigen Titeln greifen THIS WILD LIFE auch ernste Themen auf: „Westside“ beispielsweise handelt von sexuellem Missbrauch.

Aktusisch ja, Pop ja, Punk Fehlanzeige. Ganz klar positionieren sich THIS WILD LIFE im Spektrum der Popmusik mit Singer/Songwriter-Elementen. Trotzdem ist „Petaluma“ ein gelungenes Album geworden, dass seinem Vorgänger um Längen voraus ist, wenn auch wenig wirklich spektakuläres passiert. Die kitschigen Songs sind weitgehend fröhlichen Nummern gewichen, die viel positive Atmosphäre versprühen und auch desöfteren Ohrwurmgaranten darstellen. Die beiden Kalifornier wären gut beraten weiterhin auf sentimentale Gefühlsduselei zu verzichten und diesen Gute-Laune-Faktor dominieren zu lassen.