Interview mit Torsten Hirsch von Agrypnie

Schlafstörungen kennt wohl jeder, der schon mal auf einem Festival campierte. Beim diesjährigen Summer Breeze wurden diese allerdings auch auf der Bühne des Partyzelts abgefeiert. Agrypnie, die Band von Ex-Nocte-Obducta-Sänger Torsten Hirsch, fand sich auf dem Festival in Dinkelsbühl ein, um eine ihrer ersten Live-Shows zu spielen. Zwei unerschrockene Redakteure trafen sich im Rahmen des Festivals mit Torsten und Schlagzeuger René, um sie bezüglich des neuen Albums „Exit“, kuriosen Internet-Gerüchten und darüber, dass man nie eine Antwort weiß, wenn man nach einem passenden Song für den Weltuntergang gefragt wird, auszuhorchen.

Hy Torsten, wie geht’s dir?
Hi, super. Bis auf’s Wetter.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für’s Interview genommen hast.
Kein Problem.

Okay, zur Einstimmung mal eine persönliche Frage: Wie gefällt dir das Summer Breeze bisher und was erwartest du dir noch für den Rest des Festivals?
Also ich muss zugeben, dass ich eigentlich kein Fan von Festivals bin, aber ich bin hier weil wir morgen spielen, aber ansonsten wär ich nicht hier (lacht) weil sind mir einfach zu viele Menschen und zu viel Tohu-Wabohu, aber ansonsten find ich’s auf jeden Fall sau geil, von dem Regen jetzt mal abgesehen… Also ist schon sau cool, sind sau viele coole Bands hier, ich bin auch seit gestern hier und hab mir ein paar Bands angeguckt und aus der Perspektive ist es auf jeden Fall sau geil. Ja, und was ich mir von morgen erwarte… Schauen wir mal. Ich bring keine Prognosen, aber ich nehm mir vor, dass wir ordentlich das Zelt rocken.

Ja, du hast schon gesagt, es wären viele geile Bands hier, welche sind das für dich?
Also gestern hab ich mir Behemoth auf jeden Fall angeschaut und Primordial, Cult of Luna waren der Hammer und ich glaube wirklich viel mehr hab ich gestern auch nicht geschaut. Heute werd ich mir auf jeden Fall As I Lay Dying anschauen, wahrscheinlich dann Hollenthon und morgen je nach dem was wir noch alles vorhaben auf jeden Fall noch Heaven Shall Burn und… Was spielt denn morgen alles noch? (lacht) Muss ich noch mal nachgucken. (schaut auf seine Running Order) Äh… auf jeden Fall noch ein paar Bands.

„Exit“ ist jetzt seit dem 8.8. raus. Die Releaseparties sind fertig, die Reviews sind auch geschrieben, unseres auch schon.
Sehr gut, hab ich glaub ich schon gelesen.

Wie geht’s dir jetzt, nachdem das Album draußen ist?
Ja, eigentlich ganz gut, würde ich mal sagen. Also es war zum Glück alles sehr viel stressfreier als bei dem Vorgängeralbum, da gab’s ziemlich viel Stress, weil sich das Releasedatum verzögert hat und wir einen kompletten Print in die Tonne kicken mussten weil wir Probleme hatten beim Drucken und diesmal lief alles komplett reibungsfrei und war schon sehr cool.

Wie war denn so allgemein die Meinung der Presse zu dem neuen Album?
Bis auf die üblichen… Ja, „Das und das hätte man anders machen können“, aber ich mein, das gibt’s halt überall, aber ansonsten war die Meinung ziemlich gut, würde ich sagen.

Und ihr selbst? Wie fandet ihr’s jetzt im Nachhinein?
Sehr gut, auf jeden Fall.

Zufriedener als mit dem ersten?
Naja, zufrieden ist immer relativ, also ich mag’s nicht wenn Bands irgendwie zu jedem ihrer Alben sagen „Boah, das ist unser geilstes und stärkstes Album“. „F51.4“ war damals ein sau gutes Album, da war ich stolz drauf, und genau so geht’s mir mit „Exit“. Also ich mein, es war natürlich jetzt auch aus technischer Sicht ein Riesenschritt nach vorne, weil wir jetzt ein richtiges Schlagzeug halt aufgenommen haben, wir haben die Gitarren noch mal über ’nen Amp rausgejagt im Studio, wir hatten generell mehr Zeit im Studio und alles, also aus technischer Sicht war es schon ein Schritt nach vorne, aber ansonsten bin ich genau so zufrieden mit dem Album, wie auch mit dem Vorgängeralbum. Also ich würde kein Album rausbringen, was ich irgendwie nicht gut finde.

Was hat dich denn allgemein dazu gebracht jetzt eine richtige Band aus Agrypnie zu machen?
Ja… (lacht) Ich hab ja nichts mehr zu tun, seitdem es Nocte nicht mehr gibt. Ja, also das war definitiv der Grund, also nachdem Nocte dann das Zeitliche gesegnet hat, hatte ich auf jeden Fall wieder Bock auf die Bühne zu gehen und dann war es halt naheliegend das dann mit Agrypnie zu machen.

Aber im Studio hast du selbst noch die Gitarren eingespielt…
Ja, das wird auch so bleiben.

Wieso? Wieso hast du das nicht die anderen machen lassen?
Also erstens hab ich ja auch Bock Gitarre zu spielen, weil ich ja eigentlich Gitarrist bin, auch wenn ich eigentlich bei Nocte nur gesungen hab‘, und was halt auch noch dazu kommt ist, dass wir alle ziemlich weit auseinander wohnen, also die Gitarristen wohnen in Köln und Leverkusen, René wohnt in Hof, und wenn wir uns halt zum Proben treffen, was halt auch immer ziemlich kostenintensiv ist durch die Entfernung, dann proben wir halt die Setlisten und es wäre zu aufwändig, dann jeweils noch die Songs für die Alben einzustudieren, wenn ich den Kram eh auf der Gitarre kann. Ich meine, Andreas zum Beispiel hat zwar schon gesagt, dass er definitiv auf dem nächsten Album auch einen Song einspielen wird und ich denke das wird auch machbar sein, aber es wird trotzdem so bleiben, dass ich nach wie vor alle Gitarren halt auf den Alben einspiele, weil es geht einfach schneller und es ist für uns besser.

Aber live nicht? Wegen dem guten alten „Ich kann nicht gleichzeitig spielen und singen“-Syndrom?
(lacht) Ja, das ist schon… Also ich denke wir haben eh… ohne dass das jetzt irgendwie negativ zu bewerten ist, ich bin halt der einzige Langhaarige bei uns in der Band, deshalb ist das schon alles eher irgendwie ein bißchen statischer als bei anderen Bands, die alle abbangen können, und deshalb bleibt das auch dabei, dass ich halt singe und… Obwohl ich Probleme mit meiner Stimme mittlerweile habe. Aber das bleibt dabei, dass ich dann halt singe, und die anderen zwei spielen Gitarre und das… Also ich find’s generell immer besser, wenn ’ne Band irgendwie einen Frontmann hat, der halt mehr abgehen kann und mehr mit dem Publikum interagieren kann, als wenn du auch einen Gitarristen da stehen hast der auch singt und halt eher statisch ist.

Du hast eben gesagt, du hättest Probleme mit deiner Stimme? Was ist da los?
Also entweder ist es das langsam voranschreitende Alter, oder… Also ich üb‘ halt… Also früher habe ich mit Nocte einmal wöchentlich geprobt und mittlerweile proben wir halt irgendwie einmal im Monat oder alle zwei Monate und dann muss ich halt im Prinzip von null auf hundert irgendwie anfangen und ich weiß nicht, ob ich mir mittlerweile mal einen Gesangstrainer nehmen soll, der mir irgendwie ein paar Aufwärmtechniken zeigt oder so… Oder es ist einfach der weite Abstand zwischen den einzelnen Proben, dass wenn ich irgendwie dann zwei- dreimal das Set hinter mir habe, dass ich dann am nächsten Tag Halsschmerzen hab und da muss ich halt mal gucken, was ich da mache.

Früher hat ja Marcel die Texte bei Agrypnie geschrieben, jetzt schreibst du sie.
Auch. Also nicht nur alleine. Zusammen mit Marco V. Ja, das war irgendwie… Ich hab irgendwie plötzlich das Gefühl gehabt, dass ich auch anfangen muss halt die Texte für Agrynpie zu schreiben und Marco ist halt mein bester Kumpel und ich weiß von ihm, dass er auch schon viele Texte und Gedichte und so Geschichten schreibt und ich hatte auch zu diesem Zeitpunkt… Jetzt hab ich wieder etwas mehr Kontakt zu Marcel, ich hatte zu dem Zeitpunkt halt auch relativ wenig Kontakt zu Marcel, wenn dann nur sporadisch über’s Netz. Und dann hab ich mir überlegt, dass ich mich mit dem Marco hinhocke, weil ich ihn viel öfter sehe und von ihm auch weiß, dass er sau geile Sachen schreibt, dann haben wir uns irgendwann hingehockt, ich hab halt gesagt „Hier, das sind die Geschichten zu den Songs, lass dir da irgend was einfallen“ und es war halt eine ziemlich gute Zusammenarbeit, weil er entweder, wie zum Beispiel bei „Fenster zum Hof“, Texte geschrieben hat, wo ich nur ein oder zwei Wörter zu beanstanden hatte, oder er hat halt irgend welche Texte verfasst, wo irgendwie mehr zu beanstanden war, aber dann hab ich halt meinen Kram einfließen lassen, irgend welche Zeilen geändert oder neue Zeilen hinzugefügt, und das war ’ne ziemlich produktive Arbeit. Also ich fand’s ne sau gute Zusammenarbeit.

Das heißt da hat nicht jeder seinen einzelnen Text geschrieben, sondern ihr habt die wirklich beide zusammen geschrieben?

Auch. Also ich hab zum Beispiel… „Zivilisation“ hab ich komplett alleine geschrieben, oder „Die Last der Erinnerung“ hab ich alleine geschrieben, und dann war es teilweise wie bei „Fenster zum Hof“, dass der Marco den kompletten Text geschrieben hat und ich hab da nur irgendwie ein paar Wörter geändert, oder es war im Fall von „Während du Schläfst“, glaube ich, da hat er einen kompletten Text geliefert und da habe ich dann angefangen irgendwie zeilenweise den Kram noch umzubauen. Aber ich fand’s auf jeden fall eine sau Gute und produktive Zusammenarbeit.

Wenn du jetzt die Texte fast alleine geschrieben hast, dann kann man ja davon ausgehen, dass die jetzt noch ein bißchen persönlicher ausgefallen sind, oder?
Die waren auch vorher persönlich, weil ich Marcel quasi Storyboards geschickt habe, wo ich ihm halt auf ’ne Din-A4-Seite zusammengefasst habe „Ja, der Song handelt von dem und dem Thema und lass‘ dir dafür halt was einfallen“. Also klar ist es jetzt… Jetzt sind es halt wirklich meine Worte, deshalb ist das schon ein Stück persönlicher, aber die waren vorher schon… Also es waren vorher schon Themen, die ich halt im Kopf hatte, es war nicht so, dass ich gesagt hab „Lass dir irgend was einfallen und das packen wir dann halt drauf“.

Okay, dann nenn mal von allen Tracks einfach einen Titel, welcher ist der persönlichste?
„Die Last der Erinnerung“.

Zugegeben, das ist vielleicht eine etwas schwere Frage, aber wieso denkst du, dass du mit Musik und mit Songtexten besser deine persönlichen Gedanken, oder beziehungsweise am Besten deine persönlichen Gedanken rüberbringen kannst und vielleicht auch noch mit so einem richtigen „Nischengenre“ wie Black Metal, falls man das so nennen kann.
(lacht und denkt nach)

Oder ist es einfach nur, weil du gerne Black Metal hörst?
Eigentlich hör‘ ich gar nicht so viel Black Metal. Also ich höre relativ weit gefächert Musik, es ist nicht primär nur Black Metal. Keine Ahnung, also ich meine, dazu könnte man jetzt irgendwie die ganze Kassette wahrscheinlich volllabern, aber Momentan fällt mir wahrscheinlich kein einziger Satz irgendwie ein. Es ist einfach so, dass Musik mir sau wichtig ist, vorher war mir Nocte sau wichtig, jetzt ist mir halt Agrypnie sau wichtig, vor Allem weil’s jetzt auch meine eigene Musik ist. Keine Ahnung, andere Leute… (lacht) sammeln Briefmarken, ich weiß nicht, und ich mach halt Musik. Also ich kann nicht sagen, dass es irgendwie einen Zeitpunkt in meinem Leben gab, wo ich zehn war und ’nen Musiker auf der Bühne sah und gedacht hab‘ „Cool, ich werd‘ Rockstar“ oder so ’ne Scheiße, keine Ahnung, ich hab irgendwann angefangen Musik zu machen und das ist irgendwie für mich… Ja, also das klingt jetzt hochtrabend, aber das ist für mich so ’ne Art Erfüllung irgendwie. Also ich meine ich mach ’nen Job der mir auch sau viel Spaß macht, den ich cool finde, aber irgendwie… Wenn ich heut achtzig bin… Also ich mein, ich bin ja jetzt erst fast dreißig, insofern weiß ich nicht, was noch alles kommt, aber aus dem gegebenen Standpunkt würde ich sagen wenn ich heute achtzig bin und mich jemand fragt „Was war dir heute das wichtigste in deinem Leben“, dann würde ich aus der Perspektive sagen „Ja, Musik zu machen“.

Ihr unterscheidet euch ja vor allem in einem Punkt von diesen ganzen Black- und Dark Metal Bands, und zwar, dass ihr weniger über Klischeethemen schreibt wie jetzt meinetwegen Winter, Wälder oder Wölfe, sondern mehr auf die heutige Zeit Bezug nehmt, auf die moderne Zeit. Wie seit ihr jetzt zu dem Konzept gekommen?
Das ist im Prinzip kein Konzept, das sind Dinge die mich irgendwie beschäftigen und die ich als Texte für Agrypnie verwenden will. Also ich find’s halt zum Kotzen, also ich mein, das soll jede Band so machen wie sie will, das ist mir scheißegal, aber ich find’s halt zum Kotzen irgendwie, wenn ich heute Musik schreiben würde die mir wichtig ist, und dann pack ich da irgend welche War-Texte drauf oder irgend ’ne Scheiße, also es müssen Texte sein, die mich irgendwie befassen und die mir wichtig sind, und das sind halt… Also ich mein, ich find‘ Wälder sau geil und alles, aber ich renn halt nicht durch den Wald und muss irgendwie einen Text darüber schreiben. Ich mein, als Beispiel ist zum Beispiel „Die Last der Erinnerung“ ein Text, das ist mein erster Text, den ich komplett alleine geschrieben hab‘, und der handelt halt von einer Trennung, die mir halt sau nahe ging, weil es eine langjährige Beziehung war und mir ist es einfach wichtig, dass meine Musik quasi ’ne Symbiose mit Texten ergibt, die mich genau so befassen und die mir genau so wichtig sind. Und da gehört halt nicht dazu durch den Wald zu rennen oder den dreitausendsten was weiß ich, „Satan ist so geil“-Text zu schreiben. Weil das gibt mir nichts.

Ich hab ja eben schon das Leben in der modernen Welt angesprochen, in euren Texten liest man ja auch so ein gewisses Gefühl der Isolation heraus, denkst du, dass es da einen Zusammenhang zwischen dieser Isolation und der modernen Welt gibt?
Definitiv, ja. Also ich meine, ich kann’s nicht beurteilen wie es früher war, weil da hab‘ ich nicht gelebt, aber es ist schon so. Also, das ist halt meine Sicht. Also ich fühl mich irgendwie auch zum Beispiel hier… Ich mein, das klingt jetzt natürlich wieder total hochtrabend, bla bla bla, aber ich fühl mich auch hier eigentlich relativ unwohl, weil es sind mir einfach zu viele Menschen und… Also ich fühl mich da schon so irgendwie ein Stück weit isoliert. Kann man wahrscheinlich so nennen. Und es ist einfach so, dass die Zeit irgendwie sau schnelllebig ist und du irgendwie in einem Haus lebst, wo dein Gegenüber irgendwie zwei Wochen lang in seiner scheiß Wohnung verschimmeln kann, ohne dass es irgend ’ne Sau mitkriegt, weil sich keiner mehr um ihn kümmert. Und es ist einfach so, dass… Also ich mein, ich hab auch eine relativ negative Einstellung, aber ich denk schon, dass es eine ziemliche Ellbogengesellschaft ist und, dass jeder nur irgendwie primär guckt, dass er irgendwie seine Schäfchen ins Trockene kriegt und, dass jedem bis zu einem gewissen Grad eigentlich scheißegal ist, was um ihn herum halt passiert und das hat damit halt zu tun.

Eine letzte Frage noch zu den Texten, euer… Ja, du hast eben gesagt, dass es eigentlich kein lyrisches Konzept ist, aber ich nenn es trotzdem mal so, euer lyrisches Konzept ähnelt ja so ein bißchen so dem von dieser französischen „Black“ Metal Band Amesoeurs, kennst du die, hörst du die?
Meine Freundin hat eine CD von denen, ich hab die auch schon mal gehört, aber ich könnte jetzt nicht sagen, worum es in den Texten geht. Also ich finde die Musik ziemlich cool und find auch das Booklet ziemlich gelungen, ich bin auch großer Alcest-Fan, aber ich hab‘ mich nicht näher mit den Texten befasst.

Okay, kommen wir zu was anderem. Ich sag’s mal ganz platt, es gibt ja diese zwei Seiten von Black Metal, einmal die mit „Satan“, „Böse“ und so und dann gibt es die „kultivierteren“ Black Metal Bands, Nocte Obducta würde ich jetzt dazu zählen, euch natürlich auch…
Wir waren auch nicht kultiviert. (lacht)

Ja, also von den Texten her. Und zum Beispiel auch jetzt Dornenreich und so, und wenn man sich da jetzt mal ein paar Interviews anschaut, dann wirkt das vielleicht etwas „überkultiviert“ und sehr „erzwungen intelektuell“, auf mich zumindest. Lass mich mal ganz provokant fragen, kann man „intelektuellen Black Metal“ machen und gleichzeitig „normal“ bleiben?
Also ich denke schon, ich würde mich jetzt als relativ normal betrachten, aber ich weiß jetzt auch nicht, ob ich so intelektuellen Black Metal mache, aber… Also ich kann’s nicht so beurteilen, weil ich auch nicht zu den Leuten gehöre, die jetzt ständig irgend welche Interviews lesen, ich weiß auch nicht, ich les‘ keine Dornenreich Interviews. Ich find die Musik nicht schlecht, aber… Ich hab auch CDs zu Hause, aber ich bin jetzt auch kein riesen Fan, ich kann’s einfach nicht beurteilen. Ich geh schon von aus, weil, ich meine, Marcel ist auch ein „normaler“ Mensch… Die Frage ist im Umkehrschluss, wie deffinierst du jemanden der „nicht normal“ ist und so eine Musik macht? Wie glaubst du wird sich das äußern? Also ich kann’s nur aus meiner Sicht beurteilen und, wie gesagt, ich mach halt ernsthafte Musik mit ernsthaften Texten und ich bin trotzdem normal und ich (schaut seinen leeren Bierbecher an) sauf mir trotzdem die Hucke voll und ja, also ich seh da… Bis halt auf… Also, ich mein, es kann ja auch, oder es ist ja vielleicht so, dass jemand der, keine Ahnung, einen Text über Satanismus verfasst oder einen Text über Satanismus schreibt, dass für den das genau so ernsthaft ist und der genau so davon überzeugt ist wie ich von meinem Kram. Ich glaub, ich kann die Frage nicht beantworten. (lacht)

Macht ja nichts. Gut, jetzt haben wir wirklich genug von Texten, kommen wir zur Musik. Die ist sehr viel härter und nicht ganz so düster und melancholisch ausgefallen wie auf dem ersten Album. War das jetzt eine bewußte Entscheidung oder hat sich’s einfach so entwickelt?
Nö, das hat sich einfach so entwickelt. Also ich setz mich im Prinzip hin und schreib Songs und dann sondere ich halt aus was passt und was nicht passt, also es war gar keine bewußte Entscheidung dabei.

Irgendwie klingt der Titel „Exit“ schon so ein bißchen endgültig… Ich will nicht hoffen, dass das das letzte Album war.
Ja, wir lösen uns nach dem Auftritt hier auf, ich wollte die Auflösung eigentlich on stage bekannt geben. (lacht)

Ah, okay, ich werd nichts vorher verraten. Also, was steckt hinter „Exit“?
Das widerspricht jetzt dem ganzen Kram, den ich vorher erzählt habe… Also eigentlich steckt hinter „Exit“, also hinter dem Titel, eigentlich nicht wirklich viel. Also ich fand den Titel sau cool und… Also geht natürlich schon eher in diese Richtung Düsternis und Isolation und das alles, aber das war jetzt nicht so, dass ich irgendwie wochenlang überlegt hab‘, wie mein Album heißt. Es kam irgendwie. Das war so ’ne Eingebung, ich hab halt irgendwie dagesessen und hab mir gedacht „‚Exit‘ klingt geil, ich nenn’s ‚Exit'“, mehr war da nicht dahinter.

Im Booklet von „Exit“ bist du nur noch als ‚Torsten‘ aufgelistet und nicht mehr als ‚Torsten, der Unhold‘. Was bedeutet ‚Torsten, der Unhold‘ für dich? Gibt’s den Namen noch für dich oder bist du jetzt nur noch ‚Torsten‘ oder ‚Torsten Hirsch‘?
Ja, das ist irgendwie nicht so fest irgendwie. Also ‚Torsten, der Unhold‘ war eigentlich primär mit Nocte, das war damals ’ne Zeit wo… Das war halt damals die Zeit, da hat es noch dazugehört sich irgendwie weiß anzupinseln, wobei ich jetzt nicht irgendwie sagen würde, das würd ich heute nie wieder machen… Okay, ich würde mir kein Pandabären-Muster ins Gesicht schmieren, aber… Ich hatte einfach das Gefühl, dass es nicht zur CD passt, und deshalb hab ich’s halt rausgenommen, aber ich hätte jetzt auch kein Problem damit, es bei der nächsten CD vielleicht wieder mit reinzupacken. Also das ist nicht irgendwie so was festes, dass ich sag‘ „Okay, ab heute bin ich nicht mehr ‚Torsten, der Unhold'“. Das hat halt zu Nocte gehört und ich wollte es nicht auf die CD packen und… Mehr war da nicht dahinter.

Okay… Ich hab eure CD reviewt, die neue, ich hab 9.5 von 10 Punkten gegeben.
Sehr gut, deshalb geb‘ ich auch heute das Interview. (lacht)

Naja, 9.5… Das ist ja schon ein bißchen… Da hättet ihr euch ja mehr anstrengen können.
Ja, man muss ja noch einen Weg nach oben hin offen lassen.

Da ist jetzt auch der einzige Kritikpunkt, den ich hatte, nämlich drei von euren Songs…
Enden arg abrupt.

Genau, „Mauern“, „In den Weiten“ und „Fenster zum Hof“. Wieso?
Das Band war zu Ende. (lacht) Kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Also ich hatte kein Bock jeden Song mit Fadeout enden zu lassen. Auf der anderen Seite hab ich auch kein Bock irgendwie… Das war einfach so. Die Songs haben so geendet und Feierabend. Also ich mein, wenn man jetzt natürlich das Review liest, dann denkt man sich natürlich auch „Okay, vielleicht hätte man den einen oder anderen Song anders enden lassen können“, aber… Das war einfach so. Ich glaub das war auch schon auf dem Vorgängeralbum bei einem oder zwei Songs so, die ich relativ abrupt hab enden lassen, aber… Das war einfach so. Ja, das gehört noch zu den Sachen, die man noch verfeinern kann, das geb‘ ich zu, ja.

Ah, einen Kritikpunkt hab ich noch. Du hast im Booklet Powermetal.de und Metal.de gegrüßt, aber uns nicht. Wieso nicht?
War das nicht das Booklet wo ich geschrieben habe „Und wer fehlt soll seinen Namen eintragen“? (lacht) Also ich muss zu meiner Verteidigung dazu sagen, dass ich eure Website auf jeden Fall kenne und da auch öfter unterwegs bin, aber ohne dass das jetzt irgendwie rockstarmäßig klingen soll… (überlegt)

Man kann nicht an alle denken…
Ich kann nicht an alle denken. Ich hab im ersten Booklet meine Familie vergessen, also… (alle lachen)

Ich hoffe die sind bei dem jetzt drin.
(immer noch lachend) Die sind in dem drin, ja. Also insofern, ich bin manchmal ein bißchen verpeilt und im nächsten werdet ihr gegrüßt.

Okay, dankeschön. Weiter geht’s, bei „Fenster zum Hof“ denkt man ja schnell an den gleichnamigen Film von Hitchcock. Ist das beabsichtigt, oder…?
Ich hab den noch nicht mal gesehen. Aber eigentlich, das Lustige an dem Titel ist ja, was ich auch am Anfang gar nicht gerafft hab, wir haben die ersten paar Proben in Hof geprobt wo unser Schlagzeuger herkommt, der René, und irgendwann hat dann jeder angefangen zu lachen „Haha, der Song heißt ‚Fenster zum Hof'“, aber das war ein Titel den der Marco halt zu dem Text hatte und das war überhaupt nicht beabsichtigt.

Dann gibt’s noch den Song „R40.2“, ist das so eine Art „Fortsetzung“ zu „F51.4“?
Nicht wirklich, nein.

Was hat’s dann damit auf sich?
Frag Google. (lacht)

Okay, ich werd nachschauen. Dann gibt’s noch den Song „Wohin“, den hab ich in meinem Review den „Übertrack“ des Albums genannt, da stimmt meiner Meinung nach einfach alles. Was meinst du dazu?
(überlegt kurz) Ja. (lacht) Ja, also find ich auch, sau cooler Song auf jeden Fall.

Was ist dein persönlicher Favorit?
Also natürlich muss ich jetzt sagen, dass mir alle Songs gefallen und, dass das unser bestes Album ist, das wir jemals geschrieben haben, aber… Also ich glaube „Fenster zum Hof“, weil wir den Song auch schon vorm Album, also bevor das Album draußen war, schon live gespielt haben und irgendwie ist das so ein Allround-Song irgendwie. Also den find ich schon ziemlich geil, ja.

Zum letzten Track „Exit“ hab ich geschrieben „Das ist Musik, bei der die Welt untergehen kann“. Würdest du das so unterschreiben?
Ja.

War das so die Intention bei dem Track?
Ja.

Okay, um jetzt noch mal persönlicher zu fragen, stell dir vor gleich geht die Welt unter. Was würde bei dir im CD-Player laufen?
Oh Scheiße, darauf bin ich jetzt richtig unvorbereitet. Oh Scheiße… Äh… Ja, ich schick’s per Mail nach. Ein Katatonia-Song auf jeden Fall.

Gut. Auf dem Promozettel stand, dass „Exit“ genau da ansetzt, wo Nocte Obducta aufgehört haben. Sind das deine Worte, oder…(lachend aber entschieden) Nein! Nein nein nein nein nein!

Sind das deine Worte…
Nein, das sind nicht meine Worte.

…oder ist das bloße Phrasendrescherei um die Nocte Obducta-Fans anzuziehen?
Ja, also ich sag mal… Ich find’s natürlich cool, dass… Also ich meine es ist natürlich dieselbe Richtung, ohne dass ich irgendwie jemals gedacht hab „Ey, du musst jetzt irgend ’ne Musik schreiben, die in die Richtung von Nocte geht“. Das war halt so, das ist halt so, dass es ungefähr in dieselbe Richtung geht. Und ich find’s natürlich cool, wenn jeder Nocte-Song auch irgendwann ein Agrypnie… Äh… Nocte-Song? (schaut verdutzt Schlagzeuger René an) Nocte-Fan irgendwann ein Agrypnie-Fan wird, weil die Nocte-Fans auch eigentlich immer alle ziemlich cool drauf waren, aber das war schon eher glaub ich von meiner Plattenfirma ein Text, um irgendwie die Fans anzulocken, was ich jetzt nicht schlimm finde, was ich jetzt aber auch so deffinitiv halt nicht unterschreiben würde, ohne dass ich jetzt meiner Plattenfirma großartig in den Rücken fallen will, aber… Ja.

Okay, wir haben jetzt mindestens tausendmal das Wort Nocte erwähnt, nervt dich das langsam, die ganzen Vergleiche?
Ja. Also, ich meine, es ist natürlich nachvollziehbar, aber irgendwann nervt’s halt schon so ein bißchen. Also ich lass es noch ein Album lang durchgehen und dann… (lacht) erlaub‘ ich keine Nocte-Fragen mehr.

Einmal Nocte noch… Was ist mit „Sequenzen einer Wanderung“? Wann kommt’s?
(lacht) Keine Ahnung. Ich weiß es nicht, echt nicht. Also der Mix und Master ist jetzt wohl fertig, aber ich hab‘ keine Ahnung, wann es rauskommt.

Wo wir schon bei anderen Bands sind, im Internet hält sich das Gerücht, dass du der neue Mystic Circle-Sänger wirst. Was gibt’s dazu zu sagen?
Also, ich find’s faszinierend. Mich würde interessieren, wie die Geschichte ins Internet gelangt ist. Also Fakt ist, dass ich mit dem Stephan von Mystic Circle so ein bißchen befreundet bin und wir halt öfter mal abends weg waren und wir irgendwann mal gesagt haben, man könnte ja mal zusammen Musik machen, aber das nicht unter dem Namen Mystic Circle. Und das ist aber halt auch im Sand verlaufen und ich hab‘ keine Ahnung, wer das irgendwie aufgeschnappt hat und wieso das im Netz gelandet ist, aber es entspricht nicht der Wahrheit.

Muss ich als Fan fragen: Weißt du was mit Mystic Circle ist? Gibt’s ’nen neuen Sänger?
Keine Ahnung, keine Ahnung, kann ich nicht beantworten.

Steig du doch ein.
Ne. (alle lachen) Dazu ist der Name zu vorbelastet. Also ich würde mit dem Stephan heute Musik machen, weil der Stephan ein sau netter Kerl ist und sau lustig, aber der Name Mystic Circle ist mir zu vorbelastet, das geht gar nicht.

Okay, schauen wir mal in die Zukunft. Was gibt’s morgen zu sehen? Wie wird euer Auftritt?
Ich hasse Prognosen, aber natürlich wird’s ein sau guter Auftritt und wir werden das Zelt in Schutt und Asche legen. Ne, also wir werden auf jeden Fall ordentlich rocken, würd ich sagen, und auch wenn ich vor Auftritten eigentlich grundsätzlich nervös bin und mich frage, wieso ich die Scheiße eigentlich mache, freu ich mich auf jeden Fall drauf und… Wir werden ordentlich rocken, würde ich sagen.

Ja, das mit dem Nervös hattest du schon in einer Email erwähnt… Wie schlimm ist es denn wirklich?
Schlimm. Also bei kleineren Konzerten fängt’s meistens so drei Stunden vorher an, bei so Konzerten meistens so zwei bis drei Tage vorher, also ich fühl mich schon nicht gerade wohl und ich frage mich jedes Mal, warum ich die Scheiße mache, aber wenn ich dann auf der Bühne stehe, dann ist es natürlich sau geil und es macht auch einen Heidenspaß.

Was findest du denn allgemein besser? Die großen oder die kleinen Auftritte? Unser Kollege Steffen, der jetzt leider nicht dabei ist, der meinte er hat euch auf dem Heidenei in Stuttgart gesehen. Er meinte, da standen etwa drei oder vier Leute vor der Bühne.
Ja, kommt hin.

Wie war das? Oder wird das hier besser?
Ja, kann ich nicht beurteilen, weil ich es noch nicht weiß. Wenn da vorne dann auch drei morgen vor der Bühne stehen ist es genau so. Also das hat alles seine Vor- und Nachteile. Also im Prinzip find ich’s schon cooler, wenn’s ein kleines Konzert ist und die Halle dafür brechend voll irgendwie, dann… Dann ist die Stimmung schon besser, weil es bringt nichts hier auf einem riesen Festival zu spielen und dann verläuft sich irgendwie alles. Aber… Ich find beides gut. Bis auf die Nervosität, aber ansonsten… Hat alles seine Vor- und Nachteile. Aber prinzipiell find ich schon besser irgendwie klein und dafür ordentlich voll und ordentlich Stimmung.

Und jetzt die allgemeinere, weitere Zukunft… Was kommt als nächstes? Große Welttour, neues Album…?
Ja, große Welttour, neues Auto, neues Haus… Ne, also Tour wird momentan leider nicht möglich sein, aber ich arbeite schon am nächsten Album und da stehen auch schon Songs fest und… Ja, schauen wir mal, wie’s noch mit Konzerten weitergeht.

Okay, wir sind schon so gut wie am Ende, ich weiß nicht ob du’s wusstest, aber bei Metal1 hören wir normalerweise mit so einer Art „Wortspiel“ auf…
(leidend) Oh, okay…

Wir sagen immer abwechselnd ein Wort und du sagst das erste, was dir dazu einfällt…
Okay.

Dornenreich? – Wie gesagt, ich hab ein paar Alben von denen zu Hause und find ich schon ganz gut.
Wacken? – War ich einmal, nie wieder. Nur wenn ich dort spiele.
Olympia? – Interessiert mich überhaupt nicht.
Schlafstörungen? – Ja. Kenn ich.
Star Wars? – Sehr cool!
Metal1? – Sehr gut, sehr informativ!

Okay, damit sind wir schon durch. Torsten, danke für das Interview, viel Glück bei eurem Auftritt morgen, dass du nicht zu nervös bist…
Glück wünscht man nicht, man wünscht Erfolg.

Viel Erfolg mit eurem Auftritt morgen, viel Erfolg mit eurer CD… Weißt du schon, wie gut sie sich bisher verkauft hat?
Bis jetzt kann man das noch nicht beurteilen, ne.

Ich kenn zumindest einen, der sie schon gekauft hat.
Sehr gut! (lacht)

Und allgemein alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte gehören dir, was willst du unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?
Jaaa… Kauft unser Album. (alle lachen) Ja, ansonsten… Letzte Worte… Danke für das Interview.