CD-Review: Agrypnie - Grenzgænger / Pavor Nocturnus

Besetzung

Torsten Hirsch – Gesang, Gitarre, Keyboard, Programmierung
Moe – Schlagzeug

Gastmusiker:
Phil Hillen – Bass
Eviga – Gesang (Disc 1 – Track 03)
Mathias Grassow – Effekte (Disc 1 – Track 01)
Rüdiger Gleisberg – Orchestrierung (Disc 2 – Tracks 05, 06, 07, 08 & 09)
M.J.B. – Gesang (Disc 1 – Track 04; Disc 2 – Track 04)
J.J. – Gesang

Tracklist

Disc 1:
01. Auferstehung
02. In die Tiefe
03. Aus Zeit erhebt sich Ewigkeit
04. Nychtemeron
05. Grenzgænger
06. Die Waisen des Daidalos
07. Die längste Nacht
08. Zu Grabe

Disc 2:
01. Veritas Mutabilis (Neuaufnahme)
02. Pavor Nocturnus (Neuaufnahme)
03. Agrypnie (Neuaufnahme)
04. Neon
05. Sinnflut (Orchestrale Version)
06. Augenblick (Orchestrale Version)
07. 16[485] – Brücke aus Glas (Orchestrale Version)
08. Fenster zum Hof (Orchestrale Version)
09. Cogito Ergo Sum (Orchestrale Version)


Seit ihrer allerersten Veröffentlichung, einer Split-EP mit den Melodic-Death-Metallern Fated, haben AGRYPNIE ihre Fans regelmäßig mit packenden Post-Black-Metal-Alben versorgt, ohne damit jemals zu enttäuschen. Der Nachfolger von „Aetas Cineris“ ließ dann jedoch überraschend lang auf sich warten – vermutlich aufgrund der nicht enden wollenden Besetzungswechsel und anderer, persönlicher Krisen, die Mastermind Torsten Hirsch laut eigener Aussage während der Entstehungszeit durchmachen musste. Zumindest quantitativ können AGRYPNIE die Verzögerung mehr als hinreichend rechtfertigen: Das neue Album, welches neben „Grenzgænger“ auch die Bonus-Compilation „Pavor Nocturnus“ enthält, beinhaltet Songmaterial im Ausmaß von beinahe zweieinhalb Stunden.

Nicht nur in mengenmäßiger Hinsicht versprach der mittlerweile fünfte Full-Length-Release der Deutschen, das vermutlich ambitionierteste Projekt ihrer bisherigen Bandgeschichte zu werden. Neben der kontinuierlichen Entwicklung hin zu monumentaleren Songgebilden, die auf „Aetas Cineris“ ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte, ließen gewiss auch die Ankündigung, es handele sich bei „Grenzgænger“ um das persönlichste Werk von AGRYPNIE, sowie die in Aussicht gestellten Gastbeiträge so manches Fanherz höher schlagen. Zum Teil erfüllen die Post-Black-Metaller die hohen Erwartungen sogar, etwa auf dem dreizehnminütigen „Nychthemeron“, das immens von Martas (Todtgelichter) fauchendem Schreigesang profitiert und zum Ende hin mit gewaltigen Riffs und Double-Bass-Drums beeindruckt.

Das absolute Highlight unter den neuen Stücken bildet jedoch zweifelsohne das unruhig getriebene „Aus Zeit erhebt sich Ewigkeit“, auf dem Eviga (Dornenreich) die wohl intensivste Gesangsperformance seiner künstlerischen Laufbahn zum Besten gibt. Obwohl sich auf „Grenzgænger“ auch noch andere Höhepunkte finden, gelingt es AGRYPNIE diesmal jedoch leider nicht, die Spannung auf einem konstanten Niveau zu halten. Zum einen ist leider nicht zu überhören, dass Torstens eindimensionale, heisere Screams denen seiner Mitsänger nicht das Wasser reichen können, zum anderen erzeugen einige der Tracks („Grenzgænger“) auch nach mehrmaligem Hören nicht die emotionale Resonanz, die man mit AGRYPNIE sonst verbindet.

Eine ähnliche Hit-And-Miss-Bilanz ergibt sich auch auf „Pavor Nocturnus“. Während die Neuaufnahmen der drei Songs von der eingangs erwähnten Split das Frühwerk der Band in ein gutes Licht rücken und die eigens für die Compilation neu kreierte Ambient-Nummer „Neon“ eine einnehmende Stimmung erzeugt, stellen die am Computer orchestrierten Instrumental-Versionen bereits erschienener Songs aufgrund ihres allzu künstlichen, unfertigen Klangs ein weitgehend missglücktes Experiment dar.

Im Grunde genommen bekommt man auf „Grenzgænger“ sämtliche Trademarks von AGRYPNIE geboten: hoffnungslose Tremolo-Riffs, halsbrecherische Schlagzeugsalven, stimmungsvolle Clean-Abschnitte und subtile Ambient-Klänge, verpackt in eine kantige, im konkreten Fall leider etwas zu schroffe Produktion. Dennoch kommen AGRYPNIE wohl zum ersten Mal nicht über die Messlatte, die sie sich mit dem Vorgängerwerk selbst gesetzt haben, hinaus. Gegen den Mahlstrom, den Torsten und seine Kollegen auf „Aetas Cineris“ losgelassen haben, kommen selbige hier schlichtweg nicht an, obwohl sie sich auf manchen der neuen Kompositionen selbst übertroffen haben. „Grenzgænger“ und „Pavor Nocturnus“ sind es trotz allem wert, gehört zu werden – man muss sich jedoch auf eine kleine Enttäuschung gefasst machen.

Bewertung: 7.5 / 10

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