CD-Review: Agrypnie - Metamorphosis

Besetzung

Torsten – Gesang, Gitarre, Keyboard, Programming
Marc – Bass
Flo Musil – Schlagzeug

Gastmusiker:
C.S.R. – Gesang
Steffen Bettenheimer – Gesang (Track 07)
Nachtgarm – Gesang (Track 09)
Travos – Gesang (Track 10)

Tracklist

01. Wir Ertrunkenen – Prolog
02. Wir Ertrunkenen
03. Verwüstung
04. Am Ende der Welt – Teil 1
05. Skulptur aus Eis
06. Metamorphosis
07. 3327
08. Melatonin
09. Untergang
10. Am Ende der Welt – Teil 2
11. Wir Ertrunkenen


Von einer perfekten Diskografie kann man bei AGRYPNIE eigentlich nicht sprechen. Krankte das Debüt „F51.4“ (2006) noch an einem recht groben Sound (inklusive sterilem Drum-Computer), so zeigte die Band um Frontmann Torsten Hirsch nach dem monumentalen „Aetas Cineris“ (2013) auf „Grenzgænger“ und insbesondere dem begleitenden Bonus-Album „Pavor Nocturnus“ (2018) leichte Ermüdungserscheinungen. Selbst in ihren schwächeren Momenten wussten die Deutschen mit ihrem kalten Post-Black-Metal jedoch stets die Gemüter zu erschüttern. Das gelingt AGRYPNIE auch auf „Metamorphosis“ – obgleich sie auf der Platte den einen oder anderen fragwürdigen Trend fortsetzen.

So hat Hirsch durch die symphonischen Neuinterpretationen einiger seiner Songs für „Pavor Nocturnus“ offenbar eine Vorliebe für Orchestrierungen entwickelt. Das knapp 70 Minuten lange Album wird von jeweils einem bombastischen Intro und Outro eingerahmt. Sowohl der Prolog als auch der Epilog zur getriebenen Einstiegsnummer „Wir Ertrunkenen“ klingen mit ihren am Keyboard simulierten Streichern und Bläsern jedoch arg gekünstelt. Ein echtes (für eine Underground-Band wie AGRYPNIE freilich kaum erschwingliches) Orchester ist eben nur schwer zu ersetzen.

Der zweite Schwachpunkt der Platte ist wie zuletzt auf „Grenzgænger“ Hirschs heiserer Schreigesang, dem es mehr denn je an Kraft und Vielseitigkeit mangelt. Dass der Bandkopf mittlerweile mit einem sehr begrenzten Vokalspektrum arbeiten muss, zeigt sich insbesondere in der Gegenüberstellung mit den Beiträgen der Gastsänger, die ihm allesamt die Show stehlen. Steffen Bettenheimer (The Cold Room) gibt im kurzen, als stimmungsvolle Post-Rock-Nummer beginnenden „3327“ unsagbar diabolische Laute von sich, wohingegen C.S.R. (Schammasch) im dramatischen Elfminüter „Skulptur aus Eis“ singt, als drohe er, jeden Moment zu ersticken.

An den Instrumenten liefern AGRYPNIE eine konsistentere Performance ab, obgleich sich auch in dieser Hinsicht der Eindruck aufdrängt, dass die Band nur stellenweise zur Höchstform aufläuft. In „Melatonin“ und „Untergang“ lassen AGRYPNIE beispielsweise mit ihren packendsten Riffs bis zum Schluss auf sich warten. Florian Musil (Theotoxin, The Negative Bias), der auf „Metamophosis“ als neues Mitglied der Gruppe debütiert, weiß mit seinem übermächtigen, punktgenauen Drumming zwar durchwegs zu überzeugen, im unausgewogenen Mix steht das Schlagzeug jedoch leider etwas plump da.

„Unsere Schreie ersterben in rauen Kehlen“ – dass Torsten Hirsch in „Wir Ertrunkenen“ ausgerechnet diese Zeile zum Besten gibt, entbehrt angesichts seiner angestrengten Gesangsdarbietung nicht einer gewissen Ironie. Allerdings haben AGRYPNIE mit „Metamorphosis“ auch in kompositorischer und produktionstechnischer Hinsicht nicht gerade ihr stärkstes Werk vorgelegt. Die beeindruckenden Gastgesänge, Musils brachiale Rhythmusexzesse und die doch von Zeit zu Zeit herausstechenden Momente, in denen AGRYPNIE die massive Schwere und Intensität ihrer Musik vollends ausschöpfen, machen ihr sechstes Album letztlich dennoch zu einer hörenswerten Veröffentlichung.

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Bewertung: 7 / 10

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