Interview mit Angstskríg

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Mit ihrem Debüt „Skyggespil“ haben die Newcomer ANGSTSKRÍG ein herrlich hässliches Album irgendwo zwischen Sludge, Rock und Black Metal veröffentlicht. Doch nicht nur in Sachen Bandbesetzung bleiben ANGSTSKRÍG anonym – auch in ihren Antworten bleiben die Dänen gerne vage.

Ihr habt ANGSTSKRÍG im Jahr 2020 gegründet, jetzt ist euer erstes Album erschienen. Das ist ziemlich schnell – wie seid ihr vorgegangen?
Wir haben uns im August 2019 entschieden, mit der Arbeit an den Songs für „Skyggespil“ zu beginnen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir ein paar ziemlich gute Songs geschaffen hatten und haben uns an den Produzenten Frederik Brandt Jakobsen gewandt. Wir haben im Oktober 2019 mit den Aufnahmen begonnen und hatten etwa vier Monate später den finalen Mix fertig.

Ihr seid beide auch in der Metalcore-Band Numbnuts aktiv. Warum habt ihr euch entschieden, mit ANGSTSKRÍG eine neue Band zu gründen? Was hat euch dazu inspiriert, diese Art von Musik zu machen?
Das ist interessant. Das haben wir tatsächlich auch im Internet gelesen. Aber nicht alles, was im Internet steht, ist wahr. Aber um deine Fragen zu beantworten: Wir wollten eine düstere Musik mit Stücken aus all der Musik machen, mit der wir aufgewachsen sind. ANGSTSKRÍG ist also lediglich die Konsequenz aus jahrzehntelanger Rock- und Metal-Musikgeschichte. Unsere Mischung mag einzigartig sein, aber die Elemente sind definitiv altbewährt.

Angstskrig 2021 Band

© Martin Goltermann

Was bedeutet ANGSTSKRÍG und der Albumtitel „Skyggespil“?
Seit Jahrhunderten leben und spielen wir nun schon eines der größten Schattenspiele der Menschheit, nämlich die Moderne. Natürlich hat uns die Moderne viel Gutes gebracht, aber die Moderne hat uns auch in das laufende sechste Massensterben geführt und sie hat keine Lösungen für dieses Problem, weil die Moderne die tatsächlich existierende Realität nur oberflächlich versteht. Die Moderne fügt der Realität immer neue analytische Schichten hinzu, die uns beispielsweise auf intellektueller Ebene immer weiter von dem Planeten, den wir bewohnen, wegziehen. COVID-19 und der Klimawandel sind gute Beispiele für die Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen Realität und der modernen essentialistischen Denkweise.

Was hat euch für die Texte inspiriert und wie wichtig sind diese für dich im Kontext des Albums?
Die Texte sind größtenteils von dem französischen Denker Bruno Latour inspiriert und sind verschiedene Kommentare zur Moderne und zu modernen Problemen. Unser Ziel ist jedoch nicht das eines Dekonstrukteurs, sondern das eines modernen Konstrukteurs, der ein alternatives Verständnis der Realität und damit Hoffnung für die Zukunft bietet.

Das Artwork zeigt einige Galgenknoten … was war die Idee dahinter? Warum passt das Bild perfekt zu diesem Album?
Wir verraten dir und deinen Lesern ein Geheimnis: Es sind keine Galgenknoten. Oberflächlich betrachtet sehen sie zwar wie Galgen aus, aber wenn man tiefer gräbt, wird man feststellen, dass es etwas anderes ist. Das passt auch zu unserer Abneigung gegen die Oberflächlichkeit und die kurze Aufmerksamkeitsspanne der sozialen Medien.

Ihr habt auch einige Musikvideos gedreht. Ist das ein Teil der Kunst, oder mehr oder weniger ein notwendiges Werkzeug, um die Musik im Jahr 2021 zu promoten?
Die Videos sind definitiv Teil der Kunst und der Ästhetik, aber natürlich auch nützliche Werkzeuge, um die visuelle Seite von ANGSTSKRÍG zu zeigen. Daniel Buchwald hat mit der großartigen Hilfe der Drohnen-Zauberer von OpenHouse einen tollen Job gemacht.

Musikalisch ist das Album nicht so extrem, wie man nach ein paar Sekunden hören vermuten könnte – denn es hat einen sehr aggressiven, rohen Sound. Warum habt ihr diesen Sound für das Album gewählt?
Wir wollten einen komplexen Sound mit Klangelementen von anderen Künstlern, die wir lieben und wertschätzen. Also war unser Produzent Frederik damit beschäftigt, unsere Ideen und Wünsche in Sound und eine tolle Produktion umzusetzen. Aber er hat es geschafft.

Ich habe gelesen, dass das Album vom norwegischen Black Metal inspiriert ist – welche Bands würdet ihr hier nennen?
Das ist es auf jeden Fall. Black Metal ist das Kernelement, an das sich alle anderen Elemente halten müssen. In erster Linie Darkthrone und Immortal, aber auch Bands wie Emperor, Enslaved und Kampfar.

Das Album enthält auch Gastauftritte von Frederic Leclercq und Attila Vörös – wie kam es dazu?
Ja, Sylvain Coudret (Soilwork), Mathias Lillmåns (Finntroll, …And Oceans) und Tomas Elofsson (Hypocrisy, Berzerker Legion) sind auch dabei. Da wir kein einziges Solo spielen können, selbst wenn unser Leben davon abhinge, und trotzdem Songs für Soli geschrieben haben, mussten wir ein paar Freunde anrufen und uns Hilfe holen. Zu unserem Glück waren sie bereit, einige phänomenale Beiträge beizusteuern, die das Album auf ein neues Niveau gebracht haben.

Screenshot aus dem Video zu „Skyggespell“; Video: Daniel Buchwald

Ihr selbst bleibt anonym, indem ihr diese „trendigen“ Strumpfmasken benutzt, die so viele Black-Metal-Bands dieser Tage verwenden. Warum wollt ihr anonym bleiben – und warum seid ihr diesem Trend mit den Kostümen gefolgt?
Es ist die Musik, die auch die visuelle Seite bestimmt. Wir sind lediglich eine Manifestation der Musik, was bedeutet, dass, wenn wir als nächstes ein Bluegrass-Album machen, die Visualisierung höchstwahrscheinlich anders sein wird. Mit anderen Worten: Wir sind uns nicht sicher, ob wir „anonym bleiben wollen“. Die Zeit wird es zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch. Kommen wir zum Schluss zu unserem traditionellen Brainstorming:
Das letzte Album, das du dir angehört hast: Dödsrit – Mortal Coil
Regentage: klingt nach Dänemark
Black Metal: Trve Kvlt
Corona: Zeit und Raum, um zerstörerische Muster zu stoppen
Italien: Europameister
Ein Essen, das immer glücklich macht: Rød Grød Med Fløde (versuchen Sie mal, das auf Dänisch zu sagen!)
ANGSTSKRÍG in 10 Jahren: Noch mehr Spaß!

Nochmals vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir:
Gerne – und nochmals vielen Dank für das Interesse. Wir haben einige schreckliche und herzzerreißende Szenen von den Überschwemmungen unter anderem in Deutschland gesehen, und wir fühlen mit allen, die davon betroffen sind. Wir bitten Sie alle, auf sich aufzupassen und sicher zu bleiben, und wir werden Sie alle irgendwann im Jahr 2022 wiedersehen.

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