Interview mit Adam Nergal Darski von Behemoth

Anlässlich des anstehenden Release von BEHEMOTHs neuer Granate „The Apostasy“, hatten wir die Gelegenheit, mit Fronter Adam „Nergal“ Darski zu plaudern und konnten einige interessante Dinge, wie zum Beispiel die Parallelen zwischen Schwangerschaften und dem Aufnehmen von Alben, erfahren.

Hallo Nergal. Wie geht es dir?
Ehrlich gesagt ist gerade alles recht stressig. Ich muss jeden Tag Interviews beantworten und in ein paar Stunden geht’s los zum Mystic Festival, da spielen wir vor Slayer und Celtic Frost, was ich ziemlich cool finde. Aber es ist alles total hektisch! (lacht)

Du sagtest auch nach den Aufnahmen von „The Apostasy“, dass du in deinem ganzen Leben noch nie so gestresst warst. Aber würdest du sagen, dass ihr erfolgreich wart und es der ganze Stress wert war?
Weißt du, ich rede zur Zeit mit den Leuten, mit Journalisten und Leuten, die das Album gehört haben, und ich muss einfach sagen: Ja, es hat sich gelohnt. (lacht)

Du hast so viel mit der Band zu tun, welche Rolle würdest du sagen, spielt sie in deinem Leben und wieviel Platz darf sie beanspruchen?
Einfach alles! Manche Leute sagen sogar, dass ich das alles zu ernst nehme, aber andererseits denke ich mir, wenn ich es nicht so ernst nehmen würde, würden wir hier wahrscheinlich nicht miteinander sprechen, verstehst du? Diese Band ist einfach meine Leidenschaft und es macht mir Spaß, die Band ist ich. Das ist mein Leben und ich liebe es, ich würde sogar dafür töten. Und die Art und Weise, wie ich auf „The Apostasy“ aufgetreten bin, das war, als würde ich jemanden umbringen. Und so machen wir Alben, ich versuche mir, den Arsch aufzureißen, damit alles so läuft, wie es besser nicht sein könnte.

Bist du mit dem Feedback zum neuen Album zufrieden?
Wie schon gesagt, ich habe bisher schon mit etwa 20-30 Mags geredet und die Mehrzahl meint, dass das unser bisher bestes Album ist. Die Leute scheinen es ziemlich zu mögen.

Da kann ich mich nur anschließen.
Oh ja, ich bin auch total dankbar. Wir sind keine dieser Bands, die herumsitzen und selbst behaupten, dass es das beste Album ist, denn es ist immer noch die Meinung der Hörer, die zählt. Wenn du mich nach dem besten Bathory Album fragst, würde ich garantiert das erste nehmen, obwohl zum Beispiel „Blood Fire Death“ musikalisch besser war. „The Apostasy“ ist sicherlich die beste Performance der Band und es klingt am besten, aber einige Leute werden vermutlich unsere Demotapes noch am besten finden. (lacht) Aber ich kann dir sagen, dass viele zu schätzen wissen, was wir da reingesteckt haben und auch das Album als unser bisher bestes ansehen. Ich hoffe, die Fans werden ihre Meinung teilen.

Viele meinte, dass schon „Demigod“ das ultimative Behemoth-Album war. Hattest du Bedenken, dass jemand nach diesem Hammer vielleicht auch enttäuscht sein könnte?
Weißt du, nach dem Release von „Demigod“ waren viele der Meinung, dass wir „Zos Kia Cultus“ oder „Thelema.6“ noch nicht übertroffen hatten. Und jetzt gibt es auch wieder einige, die so denken. „Demigod“ bekam sehr viel Anerkennung von allen Seiten … Aber was kann ich tun? Ich kann nur versuchen, die möglichst beste Musik zu machen. Natürlich versuche ich immer wieder, mich selbst zu übertreffen, wenn wir ein neues Album rausbringen, aber letztendlich hängt es daran, was die Leute davon halten.

Gab es irgendwelche besonderen Vorkommnisse bei der Aufnahme des Albums? Welche Probleme stellen sich und welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Ehrlich gesagt war die gesamte Aufnahme lang und mühsam, nach drei Monaten war ich total ausgebrannt. Ich hatte keinen Moment Ruhe, als ich nach Schweden ging, drehte ich fast durch. Daniel hat das Album gerettet, denn ich regte mich über fast alles auf. Ich sage immer, dass Behemoth keine Alben aufnimmt, wir gebären Alben. Naja, ich bin keine Frau und war nie schwanger, aber ich kann erahnen, dass eine Geburt ein schmerzhafter Vorgang ist und das gleiche gilt für die Aufnahme eines Albums, weißt du?

Was waren die wichtigsten Dinge, die ihr nach „Demigod“ verbessern bzw. ändern wolltet?
Wir wollten ein Album mit fetteren Gitarren und einem organischeren Drumming und ich glaube, dass uns das definitiv gut gelungen ist. Und was den Gesang angeht, habe ich wohl die stärksten Vocalparts aller Zeiten eingesungen, die sind ziemlich brutal und treten dir einfach tief in den Arsch. Ich habe es diesmal nicht wie auf „Demigod“ gemacht, wo ich diese dreispurigen Vocals aufgenommen habe, um an Brutalität zu gewinnen, weil meine Stimme damals total am Arsch war. Dieses Mal habe ich fast durchgehend nur eine Gesangsspur eingesungen und das reichte, weil es von Anfang an großartig klang. Was die Songs angeht … Ich schreibe einfach Musik, ich sitze nicht da und denke mir „Sollen wir Demigod Part 2 machen oder nicht oder sollen wir klingen wie auf Zos Kia Cultus?“, so denke ich eigentlich nie. Die Musik kommt einfach aus mir heraus und ich versuche, den Moment einzufangen und Riffs zu schreiben. Dann gehen wir in den Proberaum und versuchen, das zusammenzusetzen.

Ein paar Leute haben sich beschwert, dass „The Apostasy“ im Gegensatz zu „Demigod“ etwas schwerer zugänglich ist, war die höhere Komplexität auch ein zufälliges Resultat oder habt ihr es bewusst drauf angelegt?
Ja, einige Leute sind der Meinung, dass es etwas progressiver und komplexer ist, aber … ich weiß nicht… (lacht) Im Grunde mache ich die Musik für mich selbst. Und wenn sie wollen, können sie auch „Demigod“ hören, aber für mich ist das schwer zu sagen. Wenn sie das mögen, gut, wenn nicht, gibt es auch noch andere Alben.

Wie kam es, dass ihr diesmal mehr echte orchestrale Parts eingefügt habt und wie seid ihr mit all den Musikern in Kontakt getreten?
Um ehrlich zu sein, wir dachten, dass dieses Zeug, das schon auf „Demigod“, „Zos Kia Cultus“ und „Thelema.6“ vorhanden war, zu sehr nach Synthesizern klang. Und als ich dieses Mal vor der Entscheidung stand, wieder orchestrale Parts einzubauen, dachte ich mir, dass ich es nicht mehr so machen wollte, wie zuvor und wollte echte Musiker dafür haben. Alle Chöre, alle Trompeten auf dem Album sind echt. Wir hatten das schon vorher, aber diesmal haben wir es richtig gemacht.

Haben die Gastmusiker, die auf dem Album spielen irgendetwas mit Metal am Hut?
Oh nein, nein… (lacht) Das bezweifle ich.

Warrel Dane hat auch einen Gastauftritt als Sänger, was kaum jemand erwartet hätte. Habt ihr jemals zuvor zusammengearbeitet?
Ich hätte auch nicht gedacht, dass er auf dem Album singen würde, aber er ist wohl ein Behemoth-Fan. Als ich in Los Angeles war, spielten wir auf dem selben Festival und er kam einfach zu mir und sagte „Hy, Demigod ist eines der besten 5 Alben, das dieses Jahr rausgekommen ist!“. Da war ich ziemlich baff. Und als ich diesen Song, „Inner Sanctum“, hatte, dachte ich mir, es gäbe keinen besseren als Warrel Dane für die Gesangsparts. Und auch der Texte passte einfach dazu. Das war so ein guter Song und ich wollte ihn nicht einfach mit meinem Gesang ruinieren.

Kannst du mir ein bisschen über die Texte erzählen? Gibt es ein Konzept, und wovon handeln die Texte hauptsächlich?
Eigentlich gibt es kein durchgehendes Konzept im eigentlichen Sinne. Es ist ein Album, das verschiedene Dinge behandelt, es sind viele Themen, mit denen ich mich beschäftigt habe, zum Teil persönliches, zum Teil, wie ich die Realität und meine Umgebung wahrnehme. Ich verwende eine Menge Metaphern, aber auch einige andere Dinge, altes Zeug wie Mythologie und Götter. Ich benutze sie als Werkzeuge, um mich selbst auszudrücken. Wir sind nicht wie Manowar, wir sagen nicht „Hey, this song is about Odin’s fucking sword!“ oder sowas. (lacht) Die Texte sind einfach zu tiefgründig, um sie in ein oder zwei Sätzen zusammenzufassen. Du solltest sie selbst einmal durchgehen, darüber nachdenken und dir eine Meinung bilden.

Die Songtitel und auch das gesamte Artwork vermittelneinen etwas blasphemischeren Eindruck. Habt ihr euch wieder mehr mit dieser antichristlichen Thematik befasst als auf dem Vorgänger?
Das Artwork selbst zeigt die hinduistische Götting Kali, die Göttin des Todes und der Zerstörung. Ich bekam diesen Einfall, als ich in Nepal war und ich den Kali-Tempel besichtigte. Wenn du das ganze Booklet durchschaust, wenn das Album rausgekommen ist, wirst du verstört sein, weil wir noch nie so weit gegangen sind, was den ganzen religiösen Aspekt der Band angeht. Das meiste Zeug ist einfach so rundheraus und markant. Wenn du eine religiöse Person bist, könntest du Probleme damit haben, das zu lesen und anzuschauen. (lacht)

Ihr habt auch den deutschen Titel „Kriegsphilosophie“ auf dem Album. Mögt ihr die deutsche Sprache oder was war der Grund dafür?
Ich mag die deutsche Sprache ziemlich gerne, ich mag Rammstein und Laibach, das sind zwei meiner absoluten Lieblingsbands und die verwenden Deutsch, was ich sehr cool finde. Es klingt sehr stark, es klingt wie eine erobernde Sprache. Ich finde den Titel einfach großartig, ehrlichgesagt habe ich ihn aus einem Laibach-Song und dachte, er wäre perfekt. Erst war das nur ein Arbeitstitel und ich hätte nicht gedacht, dass er so auf dem Album landen würde, aber dann habe ich mich entschieden, es so zu lassen.

Magst du auch das deutsche Bier?
Ja klar, deutsches Bier ist definitiv eines der besten!

Auf „Demigod“ stand diese Metallmaske auf dem Cover im Vordergrund und du hast sie sogar auf Konzerten getragen. Wie kamst du auf diese Idee?
Mein Vater hat sie gemacht. Ich kenne einen Typen, der hat sie mir designt und mein Vater hat sie dann für mich zusammengesetzt. Aber jetzt kriege ich eine neue, die Maske die du auf dem Cover von „The Apostasy“ siehst und die werde ich auch auf die „The Apostasy“ Tour mitnehmen.

Werdet ihr auch diese Rüstungen verwenden, die ihr auf den Fotos tragt?
Möglicherweise, ja. Aber es hängt davon ab, wie schwierig das auf der Bühne wird. (lacht)

Wenn man sich polnische Bands wie Hate oder Shadows Land anhört, ist ein sehr starker Behemoth-Einfluss deutlich hörbar. Würdest du sagen, dass ihr ein eigenes Genre des „polnischen Death Metals“ geschaffen habt?
Ich weiß, dass der Death Metal aus Polen ziemlich hochqualitativ ist, aber ich bezeichne Behemoth ungern als polnische Death Metal Band, wir stechen ziemlich heraus und klingen anders, als die anderen Bands.

Nile werden in ein paar Wochen ebenfalls ein neues Album veröffentlichen. Was erwartest du von diesem Album?
Ich hab’s schon gehört!

Und was denkst du?
Ich liebe es, es ist großartig. Wahrscheinlich das brutalste Album, das sie bisher rausgebracht haben.

Hast du noch guten Kontakt zu Karl?
Naja, wir reden nicht jeden Tag. (lacht) Wir sind einfach Freunde, wenn wir uns treffen, reden wir ziemlich viel. Ich mag den Kerl einfach und mag es, mit den Nile-Leuten rumzuhängen.

Magst du auch Bands mit ähnlichen Einflüssen, wie Orphaned Land oder Melechesh?
Melechesh habe ich ehrlichgesagt noch gar nie gehört. Ich habe eine Menge Gutes über sie gehört, aber bisher noch nicht angetest. Sollte ich mal nachholen.

Ja, deren letztes Album ist wirklich sehr gut und brutal.
Oh, cool. Dann sollte ich wohl wirklich mal reinhören.

Was ist für die nähere Zukunft geplant und welche Liveaktivitäten kann man erwarten?
Wir werden zu diesem Album bis zum bitteren Ende touren! (lacht) Wir werden in jedes Eck dieser Welt reisen und die Leute, die es nicht mögen, dazu bringen, es zu mögen. Wir werden auf Festivals auftreten, einen Teil der Tour in Polen absolvieren, in Europa, den USA und im Dezember sind wir in Australien und Neuseeland und dann ist das Jahr schon zu Ende. Wir halten uns selbst immer auf Trab.

Noch etwas anderes, hast du 300 gesehen?
Oh, ja klar!

Was hältst du von dem Film?
Ich liebe ihn! Auf Konzerten, jedes mal bevor wir auf die Bühne gegangen sind, sagte ich zu Inferno „Hey! Wir nehmen keine Gefangenen! 300!“, der Film hat mich schon irgendwie inspiriert! (lacht)

Was denkst du darüber, die Geschichte für Filme zu verändern, um das Publikum mit Effekten und riesigen Schlachten zu unterhalten?
Ein guter Film ist ein guter Film, es ist Unterhaltung, so sehe ich das. Und wenn ich ins Kino gehe, will ich einen guten Film sehen. (lacht)

Okay, ich glaube, wir sind dann so weit schon fertig, wenn es noch etwas gibt, das du loswerden willst, kannst du das jetzt tun!
Okay, ich bedanke mich bei dir für deine Zeit, das weiß ich wirklich zu schätzen. Sorge einfach dafür, dass die Leute das neue Album hören und ich hoffe, wir sehen uns diesen Herbst auf der Tour mit Kataklysm und Aborted. Also haltet die Augen offen!

Dieses Interview wurde per Telefon geführt.

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