Interview mit Barth und Helmuth von Belphegor

Hier könnt ihr unser erstes Interview mit den österreichischen Black/ Death-Metallern von BELPHEGOR nachlesen, genauer gesagt mit Barth und Helmuth, die aktuell ihr viertes Album „Lucifer Incestus“ in die Läden gebracht haben. Viel Spaß dabei!

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Welche Rolle spielt jegliche Form von Religion in eurer Musik, in euren Texten und in der Band?
Barth: Religion ist das Werkzeug um die Masse in Zaum zu halten. Opium fürs Volk. Wir verachten diese Art der Sklaventreiberei und stellen unseren eigenen individuellen Interessen nach. Unsere Texte widerspiegeln also unsere Charaktere. Somit benötigen wir auch kein Weekend-Black-Metal-Image und können uns ganz und gar unserer Neigungen widmen.

Was hört ihr selbst für Musik?
Barth: Wenn ich gerade nicht selber spiele, höre ich den verschiedensten Kram, angefangen von Led Zeppelin, Black Sabbath, usw., Industrial-Klänge, klassiche Orgasmen und sämtlichen grausig-räudigen Stoff in Death/ Black-Metal-Manie.

Wie seid ihr auf diese Musik, die ihr spielt, gekommen?
Helmuth: Von Anfang an war klar, dass wir brachial-obskure Musick erschaffen wollen mit blas(t)phemischen Lyrics und kontroversen Artwork. Wir konnten uns all die Jahre immer musikalisch steigern und unsere infernalischen Soundcollagen wurden immer intensiver und mächtiger.
Den absoluten Höhepunkt unseres Schaffens stellt „Lucifer Incestus“ dar, das neue und bereits fertige Opus kommt am 03. Oktober heraus und ballert wie die Hölle!
Die Weiterentwicklung ist enorm, noch nie haben BELPHEGOR so extrem & heavy aber auch tight geklungen, von der Geschwindigkeit ganz zu schweigen, die neue Tollwutsnaremaschinerie ermöglichte uns ein Tempo bis 250 rauf, endlich konnten wir unser ganzes musikalisches Potenzial ausspielen, da wir eben das beste Line-Up seid Gründung der Kapelle am Start haben.

BELPHEGOR sind manchen vor allem aufgrund der Albumtitel bekannt. Wie kommt ihr auf solche grandiosen bzw. gehirnverbrannten Namen?
Helmuth: Naja, wir waren schon immer kreative und innovative Burschen mit Hang zur Genialität!

Mit welchen Bands würdet ihr gerne touren?
Barth: Da gibt es einige, der Hammer wäre es, die Bühnen mit den Gottesmördern von Deicide zu verwüsten.

Wie empfindet und beurteilt ihr die Black-Metal-Szene, allen voran die NSBM-Szene?
Barth: Die Black-Metal-Szene ist seit Jahren tot, heute fehlt ihr die dunkle Magie, die sie damals hatte. Die meisten Bands sind salonfähig, sauber und geschliffen.
Helmuth: So wie es die Medien eben wollen.
Barth: Die Kälte ist eher Wärme.
Trotzdem gibt es noch einige Bands, die sich treu geblieben sind und dem kommerziellen Kram den Rücken kehren. Politik im Metal, sei es linke oder rechte, ist Bullshit und hat im Metal-Bereich noch nie etwas verloren gehabt. Der einzige Grund, weswegen uns diese ganzen ausgefressenen, geld- und machtgeilen Politikerwanzen benötigen, ist, dass es in ihren Geldsäcken klingelt.

Wie kommt ihr mit euren Berufen und eurer Musikkarriere zurecht? Passt alles unter einen Hut?
Helmuth: Bei uns arbeitet niemand, ab und zu, aber nie länger, denn das ginge auch gar nicht, da wir viel unterwegs sind und keine Sklaven von irgendwelchen Idioten sein wollen, aber von der Musik können wir nicht leben, es kommen zwar ab und zu Beträge herein, die werden aber dann aufgeteilt. Wir kommen durch, sind keine materiellen Idioten, Freiheit ist das höchste Gut.

Wie lange macht ihr schon Musik und wie sind seid dazu gekommen?
Helmuth: Die Liebe zur „Metal-Instrument-Band“ reicht sicher schon weiter als über eine Dekade hinaus. Mein Nachbar, ein Jazzer damals in den 80ern, spielte Bass und Klavier und hatte immer gute Frauen, da beschlossen ein Freund (Stygma IV) und ich auch Instrumente zu erlernen, und es war ne gute Wahl, denn ein Fünf-Tage-Acht-Stunden-Job wäre es nie gewesen, im Gegenteil, es wird mir schlecht, wenn ich an die Monotonie denke, in die man dadurch versinkt nach Jahren.
Das, was ich in der letzte Dekade mit BELPHEGOR erleben durfte, ist mehr als ich mir je erträumt hatte, wir sind schon in ganz Europa unterwegs gewesen und haben überall Eindrücke gesammelt. Ich könnte Bücher füllen mit wirklich teilweise unglaublich-genialen Geschichten, was da teilweise bei uns so abging!

Lest ihr die Satanische Bibel?
Barth: LaVey kommt fast jedem unter die Nägel, der sich in diesem Genre bewegt. Sehr humanistisch das Werk, ich interessiere mich aber mehr für andersartige dunkle und tierische Ausgüsse.

Hattet ihr schon einmal Probleme mit euren Texten? Also durftet ihr deswegen beispielsweise irgendwo nicht auftreten?
Barth: Der Zensur-Mist ist nichts Neues. Wir hatten damals schon enormste Probleme mit dem Artwork für „The Last Supper“, welches mit einem andächtig zubereiteten, filetiertem Nazarenerbaby verziert wurde. Hier musste das Marienbild als Deckblatt dienen.
Auch bei „Blutsabbath“ meckerten Vertriebe und Presswerke zwecks Texte und Artwork, wie auch unser Liebling, die evangelische Gemeinschaft. Diese scheinheiligen Ratten sorgten dafür, dass das Album bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung aus dem Handel genommen wurde. Unser Kultalbum „Necrodaemon Terrorsathan“ wurde in Österreich nur mit weißem Deckblatt ausgeliefert.
Helmuth: Bis heute habe ich keine Ahnung, wer für diesen Geniestreich verantwortlich ist.
Barth: Die Live-CD „Infernal Live Orgasm“ blieb verschont, da sie covermäßig eher versteckt agiert, dafür haben wir im Innern des Booklets sämtliche Banner gebrochen.
Musiker und Künstler werden zur Rechenschaft gezogen für die Verbrechen, die aufgrund des Versagens unserer Gesellschaft passieren. Eigentlich ganz traurig, wenn man bedenkt, dass diese Kinder vergewaltigende Pfaffenbande nichts anderes zu Stande brachte als diesen Planeten 600 Jahre lang aufzuhalten und sechs Millionen der Menschheit zu eliminieren. Das Einzige, mit dem sich diese Spießer noch wehren können, ist die Zensur, die moderne Form der Inquisition. Pfaffen und Moralapostel auf den Galgen!!! Auftrittsverbote sind aber auch auf verwüstete Backstagebereiche, Pisswettbewerbe, Orgien, Alkoholmissbrauch und Exzesse zurückzuführen.

Seid ihr mit eurem neuen Album zufrieden, wenn ja, warum?
Helmuth: Ja, „Lucifer Incestus“ ist voller schwärzester Energie, in diesem Output steckt unser ganzer Hass, unsere ganze Liebe und unser ganzes Herzblut.

Wenn ihr schlechte Kritiken lest, was denkt ihr dabei?
Helmuth: Ohne Arroganz (die mir zu oft von Leuten, die mich nicht kennen, vorgeworfen wird) kann ich sagen, dass wir sehr selten schlechte Kritiken zu Augen bekommen.
Musikkritiker die Ohren, Wissen und Können haben, entlarven sich ja selber als Deppen, wenn sie uns verreißen, weil wir musikalisch immer versuchten, das Beste zum jeweiligen Zeitpunkt herauszuholen, daher dauert es auch immer zwei, drei Jahre, bis ein neues Album erscheint. Die BELPHEGOR-ische Death/ Black-Mischung ist einzigartig, damals hieß es immer, man darf diese zwei Genres nicht mischen und jetzt nennt fast jede Truppe ihren Style Death/ Black, schon komisch.
Aber egal, der Markt ist ohnehin überschwemmt mit Musikstücken, die zu lange nach ihrem Anfang enden. Dass Katholiken mit unseren Covern/ Booklets usw. nichts anfangen können, versteh ich ja, aber wir waren auch nie hier um es jedem Recht zu machen, im Gegenteil, seit 1991 brauen wir unser eigenes Bier, und das wird sich auch nie ändern. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

Wie verliefen die Aufnahmen und die Produktion zu euerem vierten Album?
Helmuth: Genial, die Zusammenarbeit mit Alex Krull in den Mastersoundstudios in Deutschland war absolut top. „Lucifer Incestus“ ist das totale Brett, wir sind sehr stolz auf das neue Album.

Wie steht ihr zum Streitpunkt MP3? Denkt ihr auch, wie viele weinerliche Plattenfirmen, dass die Internet-Szene für sinkende Umsatzzahlen verantwortlich ist?
Barth: MP3 wird im Zeitalter des Internets kaum mehr zu verhindern sein. Für das Auto sicherlich okay, da man die originalen CD’s schont. Wenn man nur brennt, gibt es nicht viele Infos, keine Pics, Lyrics, somit verliert das Ganze an Reiz. Ich selbst will CD’s auf jeden Fall original zu Hause stehen haben, da mich gebrannte Billigversionen überhaupt nicht interssieren. An sinkenden Umsatzzahlen sind die Plattenfirmen alle selber schuld, da der Markt von Releases (mindestens 100 pro Monat) nur so überschwemmt ist.

Wie kamen eure Texte für „Lucifer Incestus“ zu stande?
Helmuth: In dem wir sie schrieben. Die Lyrics sind brachialer und dunkler als auf dem „Necrodaemon Terrorsathan“-Album, typische BELPHEGOR-Ergüsse, Sex und Blasphemie in seiner offensivsten Art!

Was darf man vom Songtitel „Demonic Staccato Erection“ erwarten? Schwenkt ihr jetzt auf satanische Pornografie um?
Helmuth: In „Demonic Staccato Erection“ geht es um Mutter Maria. Bis heute kann uns Atheisten niemand erklären, wie eine Ehefrau ohne Geschlechtsverkehr geschwängert werden konnte. Der Text wär gut für ein Video, mit Silvia Saint in der Hauptrolle als Mutter Maria!

Danke nochmal für das Interview!