Interview mit Rob David von Death Of Youth

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Nichts am Debüt von DEATH OF YOUTH wird Screamo-Fans überraschen – aber vieles begeistert. Rob David, wie aus seinem Schlafzimmer-Projekt eine Band wurde, warum ihn Vergleiche mit Genregrößen überhaupt nicht stören und wieso das Album nicht über ein, sondern gleich eine ganze Heerschar aus sieben Kleinstlabels erscheint.

Deine Band heißt DEATH OF YOUTH – bedeutet das, dass man sich von der Jugend verabschiedet, und siehst du das als etwas Negatives, als Abschied von der Jugend?
Die Band ist nach einem Song der schottischen Melodic-Hardcore-Band DEPARTURES benannt, von ihrem Album „Death Touches Is From The Moment We Begin To Love“ von 2016. Ich hatte bei dem Songtitel das Gefühl, dass er einen großartigen Bandnamen abgeben würde.

Euer Album trägt den Titel „Nothing Is The Same Anymore“ – ist das eher allgemein gemeint oder beziehst du dich auf etwas Bestimmtes?
Das bezieht sich hauptsächlich darauf, wie ich mich ein Jahr nach dem Ende meiner letzten Beziehung gefühlt habe. Ich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich einigermaßen zufrieden war, aber zugleich waren Dinge nicht mehr ganz so wie vorher. In einem breiteren Sinne bezieht es sich auch auf die Prüfungen und Schwierigkeiten des Erwachsenseins, bei dem dir mehr Lasten auferlegt werden im Vergleich zu den unbeschwerteren Wundern der Jugend.

In welchem Zusammenhang siehst du das Artwork in Bezug auf Titel und Bandname – was sind deine Assoziationen mit dem Bild?
Das Artwork zeigt ein Kind, das in eine Wolke aus Farben weggespült wird, wobei das Kind die Jugend repräsentiert und die Wolke Erinnerungen, und es zeigt, wie die Jugend weggewaschen und zur Erinnerung wird. Ich würde sagen, das passt sowohl zum Bandnamen als auch zum Albumtitel, wie ich ihn grade erklärt habe.

Wurde es für das Album gemacht, und wenn ja, basierend auf welchen Informationen/Spezifikationen?
Ja, wir haben den Künstler Alex CF – im Übrigen der Sänger von FALL OF EFRAFA, MORROW, WREATHE and ANCIENT LIGHTS – kontaktiert, damit er das komplette Artwork für diese Veröffentlichung kreiert. Wir hatten keine Spezifikationen, außer dass wir ein paar Albumcover geschickt haben, die jenen Vibe widerspiegeln, die wir für das Cover wollten. Er ließ sich dann von einem Bild inspirieren, das er für seine Schwester gemacht hatte – von einem Kind, das an einem Strand entlangläuft.

Es ist euer Debütalbum als vollständige Band. Welche Auswirkungen hatte der Übergang vom Solo-Projekt zur Band für dich persönlich und auch für die Band selbst, wenn es um Songwriting und andere Prozesse geht?
Ich würde sagen, es war einfach der Fall, dass mehr Leute Ideen und Vorschläge zu den Songs beigesteuert haben. Ich habe immer noch alle Songs für das Album geschrieben, und der Rest der Band hat den Songs seine eigenen Verzierungen hinzugefügt. Joe, unser Gitarrist, hat einige Parts ein bisschen anders gespielt, als ich sie ursprünglich geschrieben hatte, aber es war richtig cool, ihn seine eigenen Akzente zu den Songs hinzufügen zu lassen, damit er sich die Parts zu eigen machen konnte.

Musikalisch erinnert euer Sound stark an TOUCHÉ AMORÉ und LA DISPUTE. Stört es dich, wenn eure Musik mit anderen Bands verglichen wird?
Überhaupt nicht, ich würde es als Kompliment auffassen, wenn Leute uns als ähnlich zu Bands sehen, die wir bewundern, und es kann auch ziemlich vorteilhaft sein, weil Leute, die Fans dieser Bands sind, uns aufgrund des Vergleichs vielleicht auschecken!

Versucht ihr bewusst, euch von anderen Bands abzuheben, oder würdet ihr viel lieber als Teil einer stilistischen Blase wahrgenommen werden?
Wir tragen unsere Einflüsse definitiv offen zur Schau, aber wir versuchen auch, hier und da äußere Einflüsse einzubringen – zum Beispiel Midwest-Emo, Skramz und gelegentlich sogar Black Metal. Allerdings versuchen wir es größtenteils nicht zu sehr zu zerdenken und das Rad zu stark neu zu erfinden: Wir schreiben einfach Songs, auf die wir stolz sein können und die wir gerne live spielen.

Textlich scheint ihr auch einen politischen Ansatz zu verfolgen, zumindest laut Bandcamp. Warum ist es dir wichtig, über eure Musik eine politische oder sozialkritische Botschaft zu vermitteln?
So wie die Welt gerade ist, ist es wichtig, etwas über unsere gegenwärtige Existenz zu sagen. Ich bin ein großer Fan der Band BOYSETSFIRE, deren Musik ebenso deutlich über die Ungerechtigkeiten der Welt gesprochen hat, und es war mir immer wichtig, dass DEATH OF YOUTH mehr ist als nur ein Mittel, um über meine eigenen persönlichen Sorgen zu sprechen. Obwohl ich es, wenn nötig, auch dazu nutze, mir in der Musik Zeit zu nehmen, um meine eigenen Dämonen zu verarbeiten, fand ich es wichtiger, die Welt um mich herum zu betrachten und wie ich sie wahrnehme.

Worum geht es auf dem Album konkret?
Es hat eine große thematische Bandbreite, aber größtenteils geht es darum, die verschiedenen Sorgen zu bekämpfen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen – wie Femizid, Transphobie, Bigotterie und emotionalen Missbrauch. Es geht darum, nicht selbstzufrieden zu sein und zu wollen, dass sich die Dinge zum Besseren verändern; ich finde, das kommt am besten im Song „Bystander“ rüber, der von Leuten handelt, die behaupten, sie wären „unpolitisch“. Auf dem Album ist aber auch einiges Persönliches – eine Beziehung, in der ich war, ist wegen äußerer Umstände zu Ende gegangen, die außerhalb dessen lagen, wie wir füreinander empfunden haben; deshalb gibt es ein paar Songs, die das beleuchten und meine Reise der Heilung, nachdem die Beziehung beendet war. Dann untersucht der vorletzte Song „Castle Rock“ meine Gefühle im Zusammenhang damit, dass ein Highschool-Freund von mir gestorben ist.

Das Album wird in verschiedenen Ländern von einer Reihe unterschiedlicher Labels veröffentlicht – wie ist das zustande gekommen, und welche Vorteile hat das für euch als Band?
Wir hatten in den Bedroom-Projekt-Tagen mit Engineer Records gearbeitet, und David war immer ein großer Unterstützer dessen, was wir machen. Darum war es ein No-Brainer, ihn einzubinden. Der Hauptgrund, warum andere Labels dazukamen, war, dass es der einzige Weg war, wie wir uns einen Vinyl-Release des Albums leisten konnten. Einige davon waren Labels, mit denen David zuvor gearbeitet hatte, und andere waren Labels, die ich entdeckt habe und die dabei sein wollten. Ich würde sagen, der größte Vorteil ist, dass es uns für mehr Publikum außerhalb des Vereinigten Königreichs öffnet.

Wenn ich mich nicht irre, wird das Album trotzdem nur auf Vinyl veröffentlicht. Ist die CD für euch tot, oder was ist der Grund dafür?
Wir haben in UK außerdem eine Kassettentape-Veröffentlichung – Cat’s Claw Records konnte beim Vinyl nicht dabei sein, weil bereits ein UK-Label mit dranhängt, aber sie wollten wirklich gerne mit dem Album arbeiten und haben deshalb vorgeschlagen, die Kassettentape-Veröffentlichung zu übernehmen. Die Tapes sind auch richtig gut geworden!
Was die CD angeht: Das könnte vielleicht etwas später kommen, aber wir konzentrieren uns vorerst auf Vinyl und Tapes.

Ihr spielt auch live – gibt es eine Chance, dass wir euch bald in Deutschland sehen? Gibt es Pläne?
Wir sind auf jeden Fall offen dafür, wenn wir es möglich machen können! Dieses Jahr gibt es wegen äußerer Faktoren keine Pläne fürs Touren/Spielen außerhalb von UK, aber wenn es eine Nachfrage gibt, dass wir in Deutschland spielen, und wir einen Weg finden, es umzusetzen, dann ist es eine Möglichkeit.

Zum Abschluss des Interviews habe ich eine Brainstorming-Übung für dich:
Donald Trump: Sollte in einer Gefängniszelle verrotten, statt ruhig im Weißen Haus zu schlafen
Deutschland: In meinen Top 5 der Lieblingsländer, die ich besucht habe
Die letzte Platte, die du gehört hast: „Everything Seems Better Now“ von VS SELF
Vinyl: Lieblings-Musikformat
Alkohol: Ich selbst bin straight edge, aber der Rest der Band ist es nicht
DEATH OF YOUTH in zehn Jahren: Vielleicht ein paar weitere Alben und noch viel mehr Shows!

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Moritz Grütz

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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