Interview mit Johanna von Delva

Nach dem melancholisch-tiefsinnigen Erstlingswerk „Delva“, das Kritiker wie Fans der Folk-Szene gleichermaßen überzeugte, liefern DELVA nun mit „The Raven’s Prophecy“ eine ausschließlich irisch geprägte EP nach. Warum die irische Musik so fasziniert, welche Wege die Band noch gehen möchte und wie man vielbeachtete Musiker der Szene als Gastmusiker gewinnt, verrät uns Sängerin Johanna im Interview.

Hallo Johanna! Nach der Veröffentlichung von euer EP „Delva“ sind nun einige Monate ins Land gezogen. Wie geht es dir mit dem Material inzwischen und wie zufrieden seid ihr als Band mit der CD auf lange Sicht?
Hallo! Ja, es ist viel Zeit vergangen und stetig entwickelt sich alles weiter. Wir stehen voll und ganz hinter unserem Erstwerk und können uns zwar nach wie vor damit identifizieren, aber seitdem ist auch viel Neues passiert, was uns inzwischen ausmacht. Vor allem sind einige Instrumente dazugekommen, sodass der Irrglaube, drei Menschen auf der Bühne spielen insgesamt drei Instrumente, immer fataler wird. (lacht)

Wie waren eure Erfahrungen im Hinblick auf die Livetauglichkeit der einzelnen Songs und wie wollt ihr nun weitermachen? Einige neue Lieder gab es ja bereits zu hören …
Ich glaube schon, gespürt zu haben, dass unsere Songs live immer die meisten Menschen berührt haben. Unserem nachdenklichen, teilweise auch etwas düsteren Stil bleiben wir in neueren Stücken und auch zukünftig treu. Allerdings wollen wir uns eben immer neu entdecken und schließen daher nichts an Möglichkeiten aus. In jedem Fall wird der Sound insgesamt immer noch tiefgehender, voller und mitunter auch perkussiver, was die Livetauglichkeit natürlich auch noch verstärkt.

Woher kommt dein Bezug zu Irland und den Balladen aus diesem Land? Was ist das Besondere an dieser Musik?
Irgendwann bin ich auf diese wunderbare Musik gestoßen, die mich mit ihrer Melancholie und dennoch positiven Ausstrahlung sofort in ihren Bann gezogen hat. Die Musik Irlands und Schottlands ist ein echter Herzenswärmer, der einem augenblicklich große Bilder vor das innere Auge malt. Ich finde auch, dass sie eine starke Naturverbundenheit ausstrahlt. Oft sind die Songs sehr einfach gehalten und gerade dadurch so faszinierend berührend. Und für uns in Deutschland, die wir ja nun nicht gerade eine sonderlich experimentelle oder auch spirituelle Volksmusik gewohnt sind, sondern uns zum Großteil von Schunkelschlagern vorgaukeln lassen, dies sei ehrliche Volksmusik, sind die Klänge der Inseln doch immer noch etwas Magisches. Wir spicken schon seit unserer Gründung immer wieder sehr gerne unsere Programme mit irischen Liedern; daher haben wir uns entschlossen, eine CD ausschließlich dieser Musik zu widmen. Gesagt, getan. (lacht)

Habt ihr auf dem Album ein bestimmtes Konzept verfolgt? Wenn ja, was hat euch zu diesem Schritt bewegt?
Die Leute haben uns oft nach den Konzerten gesagt, dass unsere gecoverten irischen Schätze eine besondere Ausstrahlung und Wirkung haben; das hat uns in unserem Vorhaben bestärkt, mal eine CD ohne eigene Songs und nur mit unseren neu interpretierten Lieblingen zu machen. „The Raven’s Prophecy“ haben wir die Scheibe genannt. Es ist wieder eine sehr träumerische, aber, wie wir glauben, dennoch abwechslungsreiche Platte für viele Geschmäcker geworden.

In „Crazy Man Michael” wird eben jener Michael mit der Prophezeiung eines Raben konfrontiert, die er nicht wahrhaben will, und sie dadurch unwissentlich selbst erfüllt. Warum wurde gerade diese tragische Geschichte zum Titel eurer EP, und was ist eure persönliche Interpretation der Erzählung?
Wir finden diese Geschichte sehr faszinierend, weil dort sehr viel Wahres enthalten ist und weil ein solches Erzählschema ja seit jeher und immer wieder in der Kunst auftaucht. Schon der gute Shakespeare wusste mit solchen Motiven zu spielen. Für mich symbolisiert die Erzählung das Paradoxon, dass man zwar durch seine Taten selbst für den eigenen Lebensweg verantwortlich ist, dass man das Schicksal aber auch nicht mit Gewalt, im wahrsten Sinne des Wortes, abwenden kann. Das ist ein starkes Bild, weswegen wir es passend für die ganze EP und unsere Musik insgesamt fanden.

Welches Stück liegt dir besonders am Herzen und warum?
„Hill Of The Thieves” ist ein Song, den ich besonders gerne live spiele, weil er sehr dynamisch und bewegt ist. „Black Is The Colour” begleitet mich außerdem auch schon sehr lange, weswegen ich viel damit assoziiere; Der Song ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark Lieder sein können, die in ihrer Schlichtheit doch besonders viel Liebe ausstrahlen. Die Worte in jenem Song sind besonders fein gewählt und können jeden ansprechen.

Habt ihr einen liebsten irischen Künstler/eine liebste irische Künstlerin, der/die euch besonders inspiriert?
Wir haben in Irland mal in ein paar Läden gestöbert und CDs mitgenommen, von denen dann auch einige Songs auf unserer EP gelandet sind. Besonders schön finde ich die Interpretationen von Pauline Scanlon, die sowohl Traditionals singt als auch eigene Songs schreibt. Aber auch die guten alten Dubliners oder die moderne Version, Fiddler’s Green, sind selbstverständlich großartig, um nur einige zu nennen …

Gibt es noch weitere irische Liebhaberstücke, die es leider nicht auf die EP geschafft haben?
Sicherlich gibt es die; aber nach der CD ist vor der CD und live werden wir auch immer wieder neue Schätze ausgraben!

Wie habt ihr eure Gastmusiker und -helfer für das Projekt begeistern können?
Benni Cellini haben wir auf unserer Support-Tour mit Die Kammer kennengelernt und er hatte Lust, uns mit seinem wunderbaren Cellospiel zu bereichern. Dies tut er bei einem Song unserer neuen EP, was uns auf jeden Fall Lust auf mehr bereitet! Thomas Hartmann ist nicht nur ein hervorragender Pianist, sondern auch ein guter Freund der Familie, mit dem wir schon in verschiedensten Konstellationen zusammengearbeitet haben; seine Fähigkeiten lassen sich ebenfalls bei einem Song von „The Raven’s Prophecy“ hören, wo er sie sehr geschmackvoll eingesetzt hat. Auch mit ihm wird das sicher nicht die letzte Zusammenarbeit gewesen sein. Dass wir Simon Michael für den Mix gewinnen konnten ist das I-Tüpfelchen! Er hat wie immer Großartiges geleistet und unserem neuen Baby den perfekten Feinschliff gegeben. Für das wunderschöne Layout ist wieder unser Freund Steffen Ruile verantwortlich, dem wir unseren keltischen Raben zu verdanken haben.

Was hat sich von eurer EP bis „The Raven’s Prophecy“ bei euch noch getan?
Wir durften viele tolle Künstler kennenlernen und sind neben anderen Projekten immer dabei, unseren Stil weiterzuentwickeln und neue Songs zu schreiben. Auch konnten wir einiges an Konzerterfahrung sammeln, was immer wichtig ist, egal, wie lange man schon Musik macht und in wie vielen Gruppierungen man schon unterwegs war. Im März werden wir dann drei Konzerte von Nachtgeschrei begleiten, in Hamburg, Kaiserslautern und München. Auch wenn wir akustisch spielen, glauben wir, dass das sehr gut zusammenpassen wird. Zumal unsere eigene Musik ja auch deutschsprachig ist.

Für alle, die euch vielleicht nicht kennen: Wie würdest du selbst eure Musik beschreiben?
Wir sind wohl irgendwo zwischen Singer-Songwriter und Folk mit dunkelromantischem Einschlag angesiedelt. Dabei sind viele Genres, von Darkwave über Rock-Pop bis hin zu Weltmusik aller Art unsere Einflüsse.

Wie war die Resonanz auf euer Erstlingswerk und eure Live-Auftritte bisher?
Wir durften bisher zum Glück schon feststellen, dass man unsere Musik als eigenständig empfindet; dabei sind wir auch dankbar für eine große Akzeptanz, wenn man bedenkt, dass wir als akustische Band schon auf dem ein oder anderen Folkmetal-Festival gespielt haben und auch in Zukunft Bands mit voller Rock-Montur begleiten werden. Das hat immer erstaunlich gut funktioniert, was zeigt, dass eine Triobesetzung nicht automatisch nur eine balladeske Attitüde bedeuten muss. Trotzdem wollen wir unseren Stil stellenweise noch leichtfüßiger und tanzbarer gestalten …

Mit wem würdet ihr besonders gerne einmal zusammenarbeiten und warum?
Wir hatten das Glück, schon jetzt mit vielen besonderen Künstlern zusammen zu spielen und freuen uns immer über neue Begegnungen. Im Hinblick auf unser kleines irisches Album könnten wir uns natürlich auch vorstellen, mal mit einer authentischen irischen Band unterwegs zu sein oder sogar durch Irland zu touren. Aber auch die heimischen Festivalbühnen der Szene können uns natürlich immer locken. Wir hoffen also auf einige schöne Konzerttermine dieses Jahr!

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten. Zum Abschluss noch ein paar Stichworte für ein freies Assoziieren:

ASP: Einer der besten Dichter, die ich kenne und durchaus ein musikalischer Einfluss von mir. Auch ein Künstler, mit dem eine Zusammenarbeit uns ganz besonders freuen würde!
Spectaculum Mundi: Unser Wohnzimmer, in das wir immer gerne zurückkehren, so auch am 18. März mit Nachtgeschrei.
Familie und Band: Sind bei uns sehr eng miteinander verstrickt, was zwar nicht immer das einfachste ist, in den meisten Fällen aber auf jeden Fall auch positive Aspekte mit sich bringt und Freude macht!
Inspiration: Sind für mich vor allem: Kulturen, Menschen, Natur, Psychologie, Lyrik und die Sprache im Allgemeinen …
Mauern: Müssen im Kleinen wie im Großen durchbrochen werden, Offenheit und Musik sind der beste Anfang dafür …

Vielen Dank für das Interview!