Interview mit G.ST von Essenz

Vier Jahre nach „Mundus Numen“ gibt das Berliner Trio ESSENZ mit „Manes Impetus“ ein morbides Lebenszeichen von sich. Bassist und Sänger G.ST über Kontraste, extreme Zustände und Bilder im Kopf.

Das letzte ESSENZ-Album, „Mundus Numen“, kam nur zwei Jahre nach eurem Debüt. Für „Manes Impetus“ habt ihr jetzt vier Jahre gebraucht – woran lag es?
Wir hatten mit den ersten zwei Alben vor sechs Jahren ersteinmal alles gesagt. Es war klar, dass das Projekt nicht beendet ist, aber es war auch noch nicht an der Zeit, wieder zu schnell an die Vorgänger anzuknüpfen.

Wo siehst du den zentralen Unterschied zwischen „Manes Impetus“ und „Mundus Numen“?
„Manes Impetus“ ist ein weitaus dunkleres Album, wohingegen „Mundus Numen“ deutlich manischer agiert.

Und wo die größte Gemeinsamkeit, was ist die Essenz von ESSENZ?
Unsere Musik probiert, das Wesen ungreifbarer Zustände, Erscheinungen, Psychosen und Ekstasen zu erfassen und den tieferen Kern zu berühren. Dabei spielen Kontraste eine wichtige Rolle. Extreme Zustände werden in Gegensätzen zum Ausdruck gebracht: Schnell trifft auf langsam, Melancholie auf Manie, Aggression auf Apathie, Harmonie auf Disharmonie, Stärke auf Schwäche …

Das Cover ist erneut morbide. Was begeistert euch so an Schädeln und Skeletten und wo habt ihr das Artwork aufgetan?
Wir haben es selbst fotografiert. Das Artwork ist eine Ergänzung und Interpretation der musikalischen Atmosphäre. Man muss die Musik dazu hören, damit die Verbindungen deutlich werden.

Warum ist es das perfekte Bild für das Album, in welchem Kontext stehen Artwork, Titel und Texte?
Alles spielt Hand in Hand. Du nimmst das Album, spielst es ab, liest im Idealfall die Texte und guckst Dir das Artwork dazu an. An Perfektion glaube ich nicht.

Zum Titel direkt eine Nachfrage: Erneut habt ihr euch für ein lateinisches Wortpaar entschieden, „Manes Impetus“ – was bedeutet der Titel?
Manes sind die Geister und impetus ist der Angriff, Sturm. Es lässt sich also mit „Geistersturm“ übersetzen.

Musikalisch geht es erneut extrem düster zu – wie entstehen eure Songs, was inspiriert euch zu dieser Atmosphäre?
Ich persönlich habe meist Bilder im Kopf, an denen sich die Vorstellung von Songs oder eines Albums abzeichnet. Es ist schwer zu beschreiben. Ich weiß nur, ich will das ausdrücken, wonach ich die Musik in Zusammenarbeit mit der Band schreibe. Das, was wir ausdrücken wollen, bedarf einer extremen Atmosphäre und ist nichts, was einfach zu schlucken sein sollte.

Die Songtitel variieren zwischen deutsch und englisch – die Texte ebenso? Was hat euch bewegt, bei „Randlos Gebein“ auf eure Muttersprache zurückzugreifen, und: Wenn es da geklappt hat, warum nicht öfter?
Unsere Texte waren schon immer in mehreren Sprachen verfasst, da jede Sprache andere Wortbedeutungen, eine andere Phonetik und Aussprache hat. Da die Texte primär genutzt werden, um eine Wirkung zu erzeugen, kann und wird dementsprechend auch in der Sprachwahl variiert. Warum sollte man sich nur auf eine Sprache festlegen? „Randlos Gebein“ ist ein deutscher Titel, aber die Texte sind sowohl Englisch als auch Deutsch als auch Latein.

Wie steht es um Live-Shows – darf man in näherer Zukunft eine Tour oder einzelne Clubgigs erwarten?
Wir spielen gern live, sofern die Veranstaltung zu uns passt und wir das Gefühl haben, dass unsere Musik umsetzbar ist. Wir nehmen also nicht jedes Angebot an. Es wird sowohl Einzelkonzerte, als auch Touren geben. Sobald diese bekanntgegeben sind, wird das auf unserer Facebookseite nachzulesen sein.

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming:
Chemnitz: Eine Stadt in Sachsen. Ich war noch nie dort.
Black Metal: Ein Genre, das rein von Subjektivität lebt und somit für jeden etwas anderes bedeutet.
Angela Merkel: Das leere deutsche Aushängeschild in der Wirtschaftsdiktatur.
Schädel: Das Skelett des Gesichts und Geistes.
ESSENZ in zehn Jahren: Vermutlich um drei Alben reicher.

Die letzten Worte gehören dir:
Wer sich einen Überblick über einen Teil unserer Musik verschaffen will, kann dies bei Bandcamp tun!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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