Interview mit Matthias Jell von Eudaimony

Nach seinem Ausstieg bei Dark Fortress war es ruhig um ihn geworden. Nun, sechs Jahre später, meldet sich Azathoth aka. Matthias Jell an der Seite von Marcus E. Norman (Naglfar) mit dem Allstar-Projekt EUDAIMONY zurück.
Wieso von der Bandgründung 2007 bis zum Release so viel Zeit verstreichen musste, warum das Album nun doch nicht über Prophecy Productions erschienen ist und wie die Koordination der deutsch-schwedischen Kooperation ablief, verriet uns der Landshuter Sänger, der künftig auch bei Sonic Reign am Mikrophon stehen wird, im Interview:

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Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen dir und dem Schweden Marcus E. Norman (Naglfar, Bewitched, Havayoth, Ancient Wisdom)?
Genau genommen bin ich schon kurz nach dem Aus bei Dark Fortress aktiv geworden. Schon Jahre zuvor war ich mit den Naglfar-Jungs ganz gut befreundet. Es gab sogar mal Überlegungen, dass ich dort nach dem Ausstieg von Jens Rydén dessen Nachfolger werde. Das hat sich letztlich dann aber doch zerschlagen. Jedenfalls hatten Marcus und ich seit damals eigentlich schon den Plan, mal gemeinsam musikalisch was auf die Beine zu stellen, und nachdem ich 2007 dann sowieso ohne Band da stand, bot sich die perfekte Gelegenheit dazu.

Eudaimony 2Als prominente Verstärkung habt ihr euch dann noch Jörg Heemann (Secrets Of The Moon, ehemals The Vision Bleak) und Peter Honsalek von Nachtreich an Bord geholt. Wieso ausgerechnet diese beiden und war es schwer, sie für die Mitarbeit zu begeistern?
Bei den beiden verhielt es sich ähnlich, wie zwischen Marcus und mir. Ich kannte sowohl Jörg, als auch Peter schon eine ganze Weile und nachdem die musikalische Ausrichtung von Eudaimony klar war, hatten beide großes Interesse, da mitzumischen.

Das Projekt EUDAIMONY existiert jetzt schon einige Jahre, laut eurer Band-Info hast du dich bereits 2007 mit Marcus zum Songwriting getroffen. Warum hat es am Ende ganze sechs Jahre gedauert, bis „Futile“ nun endlich erscheint?
Zum einen, weil Eudaimony immer schon ein Projekt war. Da haben die jeweiligen Hauptbands natürlich Priorität. Zum anderen ist Marcus nicht gerade der eifrigste Songwriter. Bei ihm muss man sehr, sehr viel Geduld mitbringen. Das mussten auch Lupus Lounge erfahren, mit denen wir ja ursprünglich schon 2008 einen Plattenvertrag unterschrieben hatten. Schon damals hatten wir uns darin in weiser Voraussicht eine Klausel, die besagte, wir müssten alle 2 Jahre ein neues Album veröffentlichen, in „alle 6 Jahre“ umändern lassen. Erst hatten die das zwar akzeptiert, unterm Strich mussten sie uns dann aber doch rauswerfen, weil wir schlichtweg zu faul waren. Ich habe ohnehin den starken Verdacht, wir sind so ziemlich die einzige Band da draußen, die von ihrem Label gekickt wurde, ohne auch nur einen einzigen Song aufgenommen zu haben.

3War die große räumliche Distanz zwischen Marcus und dir für das Songwriting und die anschließenden Aufnahmen ein Hindernis oder ist sowas in Zeiten des Internets kein Problem mehr?
In Zeiten des Internets ist das absolut kein Problem mehr. Ok, für mich war es schon eine neue Situation, ins Studio zu gehen und die jeweiligen Songs noch nie zuvor geprobt zu haben, aber unterm Strich bin ich absolut zufrieden mit dem Resultat.

Marcus ist ja vor allem durch seine Band Naglfar bekannt, musikalisch finde ich, hört man aber vor allem Einflüsse seines Projektes Ancient Wisdom heraus. Würdest du das so unterschreiben?
Ja, das würde ich so unterschreiben, wobei ich nicht finde, dass Eudaimony 1:1 nach Ancient Wisdom klingt. Müsste ich Eudaimony zwingend mit einer anderen Band vergleichen, würde ich sagen, wenn Anathema Black Metal machen würden, würden sie klingen wie Eudaimony.

Du weißt nicht zufällig, ob Marcus Ancient Wisdom reaktivieren will?
Marcus hat Ancient Wisdom nie aufgelöst, aber wie oben bereits erwähnt, ist er nicht gerade der Schnellste. Er hat mir unlängst erzählt, dass er demnächst das neue Ancient Wisdom-Album fertigkomponieren will, weil ihm da nur noch ein Song fehlt. Wie er dann allerdings selbst süffisant bemerkte, ist das schon seit zwei Jahren der Fall.

Wie viel Anteil am Songwriting hattest du hinsichtlich der Musik? Wie lief da die Abstimmung zwischen Marcus und dir?
Ich habe Marcus vorher meine Ideen geschildert, wo ich grundsätzlich mit dem Album hin will. Wir waren da von Anfang an auf einer Wellenlänge. Ich habe ihm dann die Texte geschickt, ihm erzählt, was ich mit dem jeweiligen Songtext zum Ausdruck bringen möchte, und habe ihm dann beim Songwriting relativ freie Hand gelassen, weil ich da vollstes Vertrauen in ihn habe. Die Resultate haben wir dann mit Jörg und Peter abgeklärt und wenn das Feedback gut war, haben wir den jeweiligen Song mit aufs Album genommen.

Eudaimony - Futile

Ich finde auch das Albumcover sehr stimmig – wer hat das Bild ausgesucht und was verbindest du persönlich mit dem Motiv?
Hier gilt mein ausdrücklicher Dank Ben Borucki, mit dem ich auch bei Sonic Reign tätig bin. Ich hatte ihm von vornherein mein Konzept für das Album geschildert, zum Teil auch, welche Szenarios genau im Booklet zu sehen sein sollten und er hat das echt perfekt umgesetzt. Die Zusammenarbeit mit ihm war absolut unkompliziert und ich hatte von Anfang das Gefühl, er versteht, was ich mit dem Album bezwecke. Alle Bilder im Booklet und auch das Cover sprechen für sich. Sie haben für mich etwas sehr Tristes und Reales, das den Betrachter in den Bann zieht. Das Cover lässt bewusst Interpretationsspielraum. Mir gefällt der Gedanke, dass das Kind symbolisch für das Leben steht, während es von Dunkelheit, respektive vom Tod, allgegenwärtig umgeben ist.

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Ich gehe davon aus, dass du für die Texte verantwortlich bist. Worum geht es auf „Futile“ konkret und bist du an Texte anders herangegangen als früher bei Dark Fortress?
Wie der Titel schon sagt, geht es bei „Futile“ um die Nichtigkeit des Seins. Der Tod ist allgegenwärtig. Vom Moment unserer Geburt an, läuft die Sanduhr gegen uns. Im Grunde ist die  Herangehensweise an diese Texte nicht viel anders, als bei meinen früheren Werken, nur, dass bei Dark Fortress mehr der Tod im Vordergrund stand, während ich bei Eudaimony meine Sicht des Lebens reflektiere.

In Zeiten, in denen sogar The Ruins Of Beverast als Ein-Mann-Projekt ihre Musik auf die Bühne bringen – darf man auch bei EUDAIMONY irgendwann mit dem Bühnendebüt rechnen?
Die Chancen stehen eher gering. Wir schließen das zwar nicht kategorisch aus, aber da müssten schon sehr viele Faktoren zusammenpassen, damit wir mal ein Konzert geben würden.

Neben EUDAIMONY hast du mit SONIC REIGN ein zweites heißes Eisen im Feuer – ab dem nächsten Album wirst du auch diese Band am Mikro verstärken. Laufen da schon Vorbereitungen oder wie ist da so der Stand der Dinge?
Es gibt lediglich ein paar grobe Ideen, wo die Reise musikalisch hingehen könnte. Zum Proben haben wir uns bislang noch nicht getroffen, weil wir alle zu sehr in unsere Arbeit eingespannt sind.

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Von meiner Seite aus ist alles gesagt. Danke fürs Interview.

Eudaimony 1Ok, dann danke ich dir an dieser Stelle nochmals. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich das Interview an dieser Stelle gern mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden. Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein:
Naglfar:
Vittra
Angela Merkel: ist das Elend unseres Landes ins Gesicht geschrieben
Kill Me: das Shirt schimmelt bei mir zu Hause vor sich hin
PKW-Maut: würde ich gut finden
Ylem: mit Ausnahme von „Wraith“ nicht der Rede wert
Black Metal: Lebenseinstellung, die mehr bedeutet, als optischen Klischees zu entsprechen
Wet-Gel satt: Oldie, but goldie