Interview mit Frank Jooss von Fiddler’s Green

Seit satten 21 Jahren feiern FIDDLER’S GREEN ihre irisch-berockten Parties. Dabei mischen die Musiker ihre Eigenkompositionen sowie traditionelles Liedgut der grünen Insel mit Rock-, Punk- sowie anderen Elementen. Stilistisch setzen sie sich und ihrem Irish Independent Speedfolk kaum Grenzen. Bei ihrem neuesten Werk „Wall Of Folk“ ist der Name allerdings Programm. Schlagzeuger Frank Jooss verrät im Interview mit Metal1.info alles Wissenswerte zur neuen Scheibe und allem, was sich sonst noch im Hause Fiddler’s Green ereignet hat.

In den letzten beiden Jahren nach der Veröffentlichung eures letzten Albums „Sportsday At Killaloe“ habt ihr mit „Folk’s Not Dead“ eine weitere Live-DVD zu eurem zwanzigjährigen Bühnenjubiläum in Erlangen veröffentlicht. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis und hat sich die Produktion auf euer neuestes Werk „Wall Of Folk“ ausgewirkt?
Wir waren sehr zufrieden mit diesen beiden Abenden der Aufnahme und dann eben mit der Produktion der DVD. Ich denke, die Spielfreude und Power der Konzerte kommt gut rüber, den Sound finde ich fett und das Publikum war ja eh der Hammer. Für unsere Art von Musik war es auch die richtige Entscheidung nicht eine riesige Halle zu bespielen, sondern den mittelgroßen Club Erlangens zu wählen, in dem vor 20 Jahren letztendlich alles bei einem Newcomerfestival begann.

Bei diesen beiden Shows in Erlangen habt ihr euch mit einem Akustik-Set selbst supportet. Nach sehr positiven Reaktionen seid ihr mit diesem Set dieses Jahr auf kleine Deutschlandtour gegangen. Wie ist die Idee zu den akustischen Songs entstanden und habt ihr mit diesen Reaktionen gerechnet?
Die Idee ist aus unserer Bonus-CD des letzten Studioalbums gewachsen. Wir hatten dafür an einem Tag ohne jegliche Verstärkung (auch nicht die Geige), also im kleinen Kreise in einem Raum, ein paar Songs akustisch eingespielt und jeder konnte machen, was er wollte. Die Idee dazu stammte glaube ich sogar von mir, da ich ähnliches mit meiner Vorgängerband „The Merlons of Nehemiah“ vor vielen vielen Jahren schon einmal gemacht hatte. Bei unserem Jubiläumskonzert wollten wir diese Performance auch mal auf die Bühne bringen. Dort haben wir dann wiederum gemerkt, dass das sehr locker und lustig funktioniert und wir eine Unplugged-Tour damit probieren könnten.
Fürs Publikum war es immer ein sehr schöner Abend, bei dem die Band nicht hinter meterhohen Beschallungsanlagen versteckt war. Die Sache wurde also super angenommen und ich denke, dass es da noch eine Fortsetzung geben wird, will aber noch nichts verraten.

2011 wart ihr als Vorband zusammen mit In Extremo unterwegs. Wie waren eure Erfahrungen einerseits mit der Band und andererseits mit der „Sterneneisen“-Tour vor bis zu 5000 Zuschauern?
Die Band war wahnsinn: sympathisch, ungezwungen, lustig, nahbar. Ich kenne ja Micha und Co. flüchtig schon ewig durch alte „Merlons“-Auftritte und er hat sich nicht verändert. Das war eine wirklich positive Überraschung und damit eine wahnsinnig schöne und intensive Tour.
Und ich denke, dass es für uns als Band eine wirklich erfolgreiche Reise war. Das Publikum hat uns jeden Abend aufs Neue super positiv aufgenommen und abgefeiert. Die „Wall of Folk“ ging immer, es gab Pogos. Einfach klasse. Und ich wusste nicht, ob wir fürs In Extremo-Publikum eventuell zu folkig sind oder so.

Kommen wir direkt zu „Wall of Folk“: Bei „Fields of Green/Nie zu spät“ haben Micha und Flex von In Ex aktiv mitgewirkt. Wie entstand die Zusammenarbeit?
Es gab den Song, es gab schon vorher die Idee bei diesem Song mit deutschem Text zu arbeiten und dann kam die Idee, Micha zu fragen. Und da es sich auch noch anbot, Dudelsäcke dazu zu mischen, waren natürlich die Bläser von InEx die erste Wahl, so dass es dann Marco einspielte. Alles ganz unkompliziert, einfach der passende Song zum passenden Zeitpunkt.

Eben jenen Songs habt ihr in einer speziellen Version auch als neue Clubhymne für den 1. FC Nürnberg eingesungen. Wie kam es dazu?
Jaja, dieser Song ist unser Universalsong. Er hatte anfangs auch den Arbeitstitel „Hymne“ und ruft bei mir auch genau solche Emotionen hervor. Und einige von uns in der Band sind auch große Fußballfans und sahen von Anfang an in diesem Song eine „Fußballhymne“. Da Fiddler’s Green aus Franken kommen, wurde unser Verein, der 1.FC Nürnberg, gefragt und prompt waren die mit im Boot.

Gab es schon Reaktionen von Spielern, Verantwortlichen oder Fans?
Von Spielern leider nicht, alle anderen finden es super. Unsere Fans finden es natürlich blöd, wenn es nicht ihr Verein ist, aber sie verzeihen uns :-)

Zu „Victor And His Demons“ habt ihr ein weiteres Musikvideo gedreht. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diesen Song und wer hat sich das Setting des Videos mit dem Friedhof sowie den beiden Tänzern ausgedacht?
Die Wahl des Songs für ein Video ist immer schwierig, aber letztendlich haben wir was gesucht, was Fiddler’s-spezifisch ist sowie Spaß und Lust auf mehr macht. Die komplette Idee zum Video kam von der Produktionsfirma Huckleberryking. Auch das war ein langer Weg: Es gab viele Ideen, aber letztendlich eine Splatteratmosphäre aufzubauen, das fanden alle super.

Mit „Irish Rover“ und „Dirty Old Town“ habt ihr zwei Traditionals mit auf eure neueste VÖ gepackt. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese beiden Stücke?
„Dirty Old Town“ hab mitunter ich verbrochen. Das finde ich ein wahnsinnig geiles Traditional, was bestimmt schon oft, ja vielleicht sogar zu oft gespielt wurde, aber für mich nie an Charme verliert. Ähnlich verhält es sich mit „Irish Rover“. Dieser Song geht einfach super ab, den kann man nicht auslassen. Dass zufällig die Dropkick Murphys auch diesen Gedanken hatten, ist natürlich etwas ungeschickt. Aber ich schwöre, wir hatten ihn schon im Oktober 2010 im Studio aufgenommen, da gab’s die Murphys-Scheibe noch nicht :-)

Euer neues Instrumental namens „Tam Lin“ habt ihr bereits live gespielt, was wohl nur echten Fans aufgefallen sein dürfte. Wolltet ihr den Song bewusst unauffällig integrieren bzw. vorab testen?
Letztendlich haben wir ihn schon auf der Unplugged-Tour eingebaut, da wir damals auf der Suche nach einem Instrumental waren. Als er da dann abging, wollten wir ihn auch für die diesjährige Festivalsaison übernehmen. Unauffällig war das auch nicht, da Albi vor Beginn des Songs immer auf die neue bald erscheinende CD „Wall of Folk“ verwies.

Auf „Wall of Folk“ klingen eure Instrumente sehr ausdifferenziert. Es gibt keinen Klangbrei. Habt ihr an der Produktion etwas verändert, damit die unterschiedlichen Klänge deutlicher zu hören sind?
Ja, wir wollten den Punk-Anteil der letzten Produktion etwas rausnehmen und somit sauberer klingen. Ist alles immer Geschmackssache, aber kleine Veränderungen und Experimente finde ich als Künstler immer wichtig.

Wie bewertet ihr das Songwriting und die Soundgestaltung im Vergleich zu den Vorgängeralben? Beim Gesang wirkt es so, als ob Pats stimmlicher Anteil zugenommen hat, wenngleich sich die punkige Ausrichtung mehr in die Folkrichtung verlagert hat.
Am liebsten überlasse ich diese Bewertungen anderen. Letztendlich kann man so ein Album auch nicht 100% planen. Wir sind alles gleichberechtigte Songwriter und wenn alle mit Highspeed-Punksongs ankämen, dann würde eine Punkplatte entstehen. Ich wünsche es mir zwar manchmal, dass wir ein Album am Reisbrett entwerfen, aber das ist mit dieser Konstellation von Menschen unmöglich. Es kommt, wie es kommt. Und am Ende klingt’s immer nach Fiddlers, weil jeder den Song so einfärbt, dass wir es nicht schaffen, unsere Sound-Range zu verlassen, was ich aber auch gut finde. Das ist einfach der Fiddlers-Sound!

Auf „Wall of Folk“ befinden sich insgesamt 14 Lieder plus Bonussongs auf einer separaten Disc. Die beiden Vorgänger hatten noch regulär 19 bzw. 20 Stücke. War dies ein bewusster Schritt oder hat sich das sozusagen von selbst ergeben?
Wir fanden alle zusammen die letzten beiden Studioalben zu lang. Das erschlägt irgendwann. Ich selbst bin ein Hörer, der lieber ein geschlossenes Album anhört und sich beim letzten Lied wieder drauf freut, von vorne anzufangen. Es ist nicht so, dass wir den Fans nicht mehr gönnen wollen oder zu wenig Songs hätten. Und deswegen gibt es auch die Bonus-CD mit mehr Songs und dazu noch eine Live-DVD vom großartigen Summer Breeze-Konzert 2010 vor mehreren 10.000 Leuten.

Wie war die Entscheidungsfindung hinsichtlich des Materials? Wieso ist z.B. „I quit“ nicht auf der ersten, sondern der zweiten CD gelandet?
Das ist eine gute Frage und auch eine schwierige Entscheidung. Wir haben versucht ein stimmiges, flüssig durchhörbares Main-Album zu basteln. Sechs Musiker, sechs Meinungen – am Ende kommt dann das heraus, was der CD-Käufer in der Hand hält…

Wie ist die Wall of Folk im Ursprung entstanden? Und könnt ihr bitte kurz beschreiben, wie eure Gefühle waren, als ihr das Schauspiel erstmals auf größeren Festivals wie z.B. dem Summer Breeze von der Bühne aus gesehen habt?
Das weiß ich leider nicht mehr. Ich glaube, es war auf einem mittelgroßen Festival und wieder eine Schnapsidee von Pat. Und dann kam es gut an, wir haben es wiederholt und jetzt schreit das Publikum danach. Dass es dann auf Metalfestivals so gut wie bei anderen Bands wie z.B. Heaven Shall Burn funktioniert, ist schon abgefahren. Und das Ganze mit Akustikgitarre!

Eure letzten Alben bis „Drive Me Mad“ sind sehr abwechlungs- und facettenreich. Wenn du dich auf drei bis fünf Stücke beschränken müsstest, um Fiddler’s Green jemandem vorzustellen, welche wären das?
Puh, ich versuche es mit „Rocky Road to Dublin“, „Bugger Off“, „Irish Air“, „Lannigan’s Ball“ und „Folk’s Not Dead“.

Ihr macht erfahrungsgemäß Irish Independent Speedfolk. Wer oder was verbindet euch abseits der Musik mit Irland und dieser Musik?
Das ist ganz unterschiedlich. Ich bin jetzt im Vergleich zu Stefan und Albi nicht der große Irlandreisende. Ich war dort, finde es wunderschön, sitze aber gerade wieder an der Adria, während ich das Interview hier gebe. Ich mag Wärme und Sonne.
Die Schönheit der Insel Irlands sehe ich ein wenig in Gefahr, da im Zuge der vielen Bauvorhaben viel Lärm, Dreck, Autos usw. die schöne Natur überrollen.
Musikalisch hat das irische Volk aber etwas entwickelt, was seinesgleichen sucht. Kaum eine Volksmusik hat diese Energie, finde ich.

Mit „Lannigan’s Ball“ hattet ihr nun längere Zeit ein fast vergessenes Traditional in eurer Live-Setliste. Können sich eure Fans eventuell auch ein Comeback von „Queen of Argyll“ oder anderen charakterischen Fiddler’s-Stücken freuen?
Die Chancen für „Queen of Argyll“ stehen sehr hoch. Es wird außerdem noch anderes Material gaben, aber natürlich auch viel Neues von der „Wall of Folk“. Wenn wir wieder Unplugged-Tour fahren, dann würden wir da vor allem die ganz alten Songs wiederbeleben, die mit diesem Set-Up bestens funktionieren.

Habt ihr sonst spezielle Pläne für die kommende „Wall of Folk“-Tour?
Wir wird natürlich ein neues Bühnenlicht haben, die neuen Songs, eine neue Tobi-Stefan-Frank-Performance, bei der wir wieder wild um uns schlagen usw. Einfach vorbeikommen, ist immer ein großes Fest bei uns :-)

Wo seht ihr die musikalische Zukunft von Fiddler’s Green? Habt ihr schon konkrete Pläne für die kommenden zwei bis drei Jahre und was könnt ihr uns davon abschließend verraten?
Immer weiter, immer weiter. Die Auslandstouren werden immer mehr, was ich sehr spannend finde. Weitere Pläne möchte ich noch nicht verraten.

Bitte kurz deine Meinung zu den folgenden Begriffen:
Scolding Wives – Ach hör mir auf
Mathias Kellner – Cooler Typ mit cooler Stimme
Facebook – neue Weltmacht
Unheilig – wohl der erfolgreichste Pop-/Rockkünstler des Jahrzehnts