Fiddler’s Green akustisch

  • Augsburg, Spectrum
  • 03. Dezember 2017

Die Cover-Versionen von „Boat On The River“ und „Piano Man“ waren einmal, auf ihrem aktuellen Acoustic Pub Crawl verlassen sich FIDDLER’S GREEN auf ihre eigenen Songs und ihre eigene Kreativität. Dieses Rezept geht mit aktuellem Material vom letzten Album „Devil’s Dozen“ und manch aufgefrischtem Traditional sowie gewohnt viel Situationskomik bestens auf.

Das Spectrum in Augsburg ist gut gefüllt, als die Fiddlers um Punkt 20 Uhr die Bühne bzw. ihren Pub mit Dekozapfhahn und eigener Theke betreten – selbst manch prominenter Pulveraffe hat sich aus dem hohen Norden in die Schwabenmetropole verirrt. Beim Opener „Devil’s Dozen“ stimmt im Mix noch wenig, doch spätestens nach zwei bis drei Songs bewegen sich der Klang und das spielerische Niveau auf einem Level. Zur Feier des Tages mischen die Süddeutschen auch scheinbar kurzentschlossen „The Night Pat Murphy Died“ in die Setlist, das in der akustisch prägnanten Version mindestens genauso überzeugt wie das folkrockige Original mit seinen langgezogenen Jubelarien auf den namensgebenden Helden. Die Irish Speedfolker greifen für ihre diesjährige Akustik-Tour tief in die Trick- bzw. Spielkiste: Den Anfang macht Geiger Tobi, der eine Säge als alternatives Streichinstrument verwendet. Im weiteren Verlauf bedienen sich FIDDLER’S GREEN ebenfalls kurzzeitig an den artistischen Einlagen von Boppin‘ B und Tobi spielt stehend auf zwei Barhockern, gestützt von Stefan und Albi, sein umjubeltes Solo des Abends.

Für Abwechslungsreichtum und Überraschungen ist vor und während der einzelnen Lieder gesorgt, teilweise auch im zwischenmenschlichen Bereich: Während sich die beiden Fronter Albi und Pat in einem Ukulele-Battle mit kurzen Interludes bekannter Rock-Hits und volkstümlicher Klassiker um die Gunst des Publikums streiten, entstehen einerseits zwischen Pat und Schlagzeuger Frank sowie andererseits zwischen Albi und Pat sowie einem besonders enthusiastischen Fan in Reihe 1 mehrere launige Wortgefechte. Letztgenannter verstummt zusehends und so bleiben die Künstler mit ihrer Musik im Vordergrund der Veranstaltung. Vereinzelt vertont Frank als Taktgeber der Folk-Veteranen auch Sounds für Einleitungen zu einzelnen Songs wie z.B. im Vorfeld zu „The Jolly Beggar“. Für das Traditional „John Kanaka“ hat sich der folkige Sechser indes eine besondere Einlage ausgedacht, den allersten, überaus launigen Irish-Pub-Cup-Song an der mitgebrachten Theke. Von „Devil’s Dozen“ werden wiederum insgesamt fünf Lieder in das akustische Konzept überführt und mit „Mr. Tickle“ überzeugt erneut ein Song, der bereits im Rock-Gewand zu den Vorzeigenummern des letzten Longplayers zählt. Zu den weiteren Stimmungshighlights des Abends zählen das Evergreen „Yindy“, das die sechs Musiker nun schon eine gefühlte Ewigkeit begleitet, ohne an Publikumsreaktionen einzubüßen. Ebenfalls bekannt ist das Szenario rund um „Bottom Of Our Glass“: Ein männlicher und ein weiblicher Besucher leeren je eine Flasche Bier auf Ex. Die Gewinnerflasche vervollständigt schließlich das Stehschlagzeug von Frank. Überraschend gestaltet sich die Suche nach Freiwilligen in Augsburg etwas zäh, besonders unter den weiblichen Gästen. Und noch überraschender setzt sich die trinkfeste Dame im direkten Geschlechterkampf knapp durch. Wieder im Musikalischen angekommen, greift Akkordeonspieler Stefan zu „Star Of The County Down“ schließlich zum Waschbrett, bevor Albi bei „Mary Mack“ sein Megafon auspackt und sich stimmlich im Refrain von seiner schnellsten Sorte präsentiert. Eine etablierte Tradition im akustischen wie im rockigen Gewand.

„Bugger Off“ ist nur der temporäre Abschied: „Victor And His Demons“ sowie „Irish Rover“ und „Blarney Roses“ als obligatorischer Rausschmeißer fassen den überaus gelungenen Abend passend zusammen. Einzig auf Albis Balladen müssen die Besucher aktuell im akustischen Rahmen verzichten. Zwischen Traditionellem und Modernem musizieren FIDDLER’S GREEN dafür mit allerlei Ideen und Improvisation, sodass gefühlt jedes Konzert seine eigenen Besonderheiten aufweist und immer ein ausgelassenes Miteinander im Pub-Szenario zelebriert.

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