Interview mit Mr. Sanz von GrooVenoM

Als GROOVENOM 2015 ihr Debüt „Pink Lion“ veröffentlichten, war schnell klar, dass es bei dieser Truppe keine graue Menge geben würde. Grell bunt, brutale Growls, harte Riffs, Technobeats und Popgesang vereinten sich zu einem ganz eigenen Stil, den man entweder liebt oder hasst. Nun sind die „Traitors To The Scene“ zurück, die Veröffentlichung ihres zweiten Albums steht kurz bevor. Dieses wird den programmatischen Titel „Modern Death Pop“ tragen – für uns Anlass, mit Fronter Mr. Sanz ein paar Worte über Slayer-Shirts bei H&M, die Metal-Szenepolizei und das WIth-Full-Force-Festival zu wechseln.

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Einige unserer Leser sind eventuell noch nicht mit euch vertraut – kannst du GROOVENOM kurz vorstellen?
Grüß dich, Christoph! Wir sind eine moderne Metalband mit vielfältigen Einflüssen aus der elektronischen Musik, Rock und Pop. Wir stammen aus Dresden und haben uns in dieser Form Ende 2014 gegründet, um musikalisch so richtig die Sau rauszulassen.

groovenom-mr-sanzEuer zweites Album „Modern Death Pop“ steht in den Startlöchern, was hat es mit dem Titel auf sich?
So ein wilder Genremix, wie wir ihn machen, erscheint uns als Musikliebhabern logisch, aber die Leute wollen ja immer kategorisieren und Schubladen vollstopfen. Ist das Metalcore? Trancecore? Death Metal? Popcore? Tanz-Metal? Wir sind froh, den Leuten nun mit unserer neuen Platte endlich eine Antwort auf diese Frage geben zu können: „This is Modern Death Pop, Baby!“. Der Titel fasst einfach perfekt zusammen, was wir machen und wofür wir stehen.

Wie kamt ihr auf die Idee für eure recht individuelle Mischung aus djentigem Metal, Pop und Elektro?
Weil wir privat auch stark von diesen Genres geprägt werden. Und wir haben versucht, bei GROOVENOM einen Stil zu finden, der all diese Ansprüche homogen zusammenfügt. Wenn wir Bock auf Atzenmetalcore haben, dann machen wir das. Soll es eine theatralisch balladeske Rockhymne mit Streichern sein – bitte schön, kein Problem. Wir hegen den Anspruch, ein großes Spektrum zu bedienen und trotzdem nach „uns“ zu klingen.

Wo liegen eure musikalischen Einflüsse?
Hauptsächlich im Metal- und Rockbereich, vor allem die Hard-Rock-/Heavy-Metal-Ikonen der 80er Jahre haben uns schon als Teenager und auch jetzt in unserem Image sehr geprägt. Dicke Hose und trotzdem geile Musiker eben. Aber auch aktuelle Popmusik wie Adam Lambert & The Weeknd oder Evergreens wie Linkin Park & Slipknot gehören zu unseren Faves. Im Bandbus läuft im Prinzip alles von Underground Black Metal über Scooter bis hin zu MDR1 Radio Sachsen.

GrooVenom - Pink LionAuf eurem Debüt „Pink Lion“ seid ihr mit der Metalszene recht hart ins Gericht gegangen, sei es bezüglich ihrer Engstirnigkeit oder auch der ungeschriebenen Gesetze. Gab es da für euch Gegenwind bzw. Kritik?
Aber hallo! Wir haben mit unseren „New-Wave-Of Mainstream“- und „Traitors-To-The-Scene“-Schlachtrufen ziemlich polarisiert. Es war gleichzeitig spannend wie aufschlussreich zu sehen, wie sich die Szene und Menschen darin um einen verändern, nur weil man andere Musik macht und ein bisschen mit diesem Elite-Image herumspielt. Gerade hier in der Gegend sind die Leute einfach nur langweilig kalt und verstehen keinen Spaß. Wir haben einiges eingesteckt, aber das hat uns nicht weiter gestört, weil es im Umkehrschluss eben immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt hat. Und genau das wollten wir ja, immer im Gespräch sein. Im Prinzip kann man sagen, dass wir ziemlich enttäuscht gewesen wären, hätte es keine Kritik gegeben.

Warum habt ihr euch so plakativ auf den Kriegspfad mit der Szenepolizei begeben?
Das steckt tief in unserer Vergangenheit, da wir alle jahrelang in Metalbands gespielt hatten. Dieses engstirnige und konservative Verhalten ging uns einfach schon immer ziemlich auf den Keks und wir haben GROOVENOM als Plattform gesehen, diesen Szenepolizisten mal einen Spiegel vorzuhalten. Außerdem ist es einfach lustig, wenn man als Metalband gegen Metal schießt, obwohl man eigentlich tief in der Materie drinsteckt. Die Leute denken, nur weil bei uns Technobeats drin sind, wissen wir nicht, wer Slayer ist. Das ist natürlich totaler Blödsinn. Seit es Slayer-Shirts im H&M gibt, haben wir nämlich mal umfassend recherchiert…

groovenom-modern-death-popFührt ihr diese Fehde textlich auf „Modern Death Pop“ fort?
Ich würde sagen, wir treiben die Fehde sogar auf die Spitze!

Auf der Bühne tragt ihr Corpsepaint, wenn auch nicht im klassischen Design. Wie kamt ihr auf diese Idee und ist das ein weiterer Angriff auf die trven Metalheads?
Wir haben ein Video zu unserem Song „Pink Lion“ gedreht und haben das erste Mal versucht, uns ästhetisch weiterzuentwickeln und Showelemente einzufügen. Die Schminke lag dann einfach auf der Hand. Tatsächlich wollten wir ursprünglich klassisches Corpsepaint auftragen, um dieses Metal-Trademark mal wieder zu verfremden und in unsere Welt zu holen. Irgendwann wurde das Ganze dann aber immer detaillierter, bis wir schließlich mit einem Make-Up-Artist individuelle Looks für unsere einzelnen Charaktere ausgearbeitet haben.

Seit dem Release von „Pink Lion“ habt ihr sehr viel live gespielt – hat das das Songwriting für „Modern Death Pop“ beeinflusst?
Ungemein! Das erste Album ist ungestüm und in seinem Songwriting oft noch eher am Metal und Djent orientiert. „Modern Death Pop“ ist von der Struktur viel poppiger, zu 100 % für die Bühne geschrieben und voller Hooks, die live die Leute zum Mitsingen bringen werden.
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Gibt es bestimmt Erinnerungen an Shows, die besonders schön bzw. unschön waren?
Unsere erste Show im April 2015 war natürlich ein Ereignis, direkt Headliner, große Bühne und volles Haus. Das war schon fantastisch. Ansonsten auf jeden Fall die Heimspiele in Dresden, das erste Festival in Österreich, die Deutschland-Tour mit Cypecore und natürlich das With Full Force im Sommer 2016.

Wie seid ihr denn beispielsweise auf dem With Full Force aufgenommen worden? Auch die Hardcore-Szene ist ja recht linientreu…
Man muss ja dazusagen, dass unser Slot da aus einem Metal-Hammer-Voting hervorging, was an sich schon ironisch genug ist. Aber es war letztendlich einfach nur genial: Wir wurden von einem Heer aus Menschen erwartet und von der ersten bis zur letzten Minute abgefeiert. Wahnsinn! Unsere Show ist für Festivals natürlich auch perfektes Entertainment. Wir haben die Leute mit (Fake-)Geldscheinen und Gummibällen beworfen und mit einer Wasserspritzpistole in die Mangel genommen. Ein bisschen Musik gab es sogar auch noch…

groovenom-liveWo soll die Reise hingehen, wenn ihr das frei entscheiden könntet? Wo und mit wem würdet ihr beispielsweise gern auf Tour gehen?
Rammstein! Aber im Ernst… wir wissen, dass wir mehr wollen. Wir haben gerade erst angefangen und stecken alle persönlichen Ressourcen in dieses Projekt. Wir wollen mit großen Agenturen kooperieren und mit erfolgreichen Bands durch Europa touren, um uns einen Namen zu machen. Unser Produkt ist fertig – nun wollen wir es unter die Leute bringen.

Kurz vor Schluss die Gretchenfrage: Ist GROOVENOM eine ernste Band oder ist der Markenkern die spaßhafte Kritik an der Szene bzw. Szenepolizei?

Wir üben ernsthaft spaßhafte Kritik an der Szene bzw. der Szenepolizei.

Vielen Dank für deine Zeit, zum Abschluss noch das traditionelle Metal1.Brainstorming. Was sind deine ersten Gedanken, wenn du folgendes liest:
Mayhem: Cooles Make-Up
Donald Trump: Stirb Langsam
The Browning: Die AC/DC des Trancecore
Techno: Blümchen
GROOVENOM in fünf Jahren: „Modern Death Pop“ 5 Years Anniversary Tour

Nochmals vielen Dank und falls du noch etwas hinzufügen möchtest, dann gehören die letzten Worte dir!
Fuck Metal!

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