Interview mit Matthias Voigt von Heaven Shall Burn

Über das Internet nahm ich Kontakt zum HEAVEN SHALL BURN-Drummer Matthias Voigt auf und wir vereinbarten ein Mail-Interview. In diesem Interview geht es um den aktuellen Output „Antigone“, die Festivalsaison und diverse andere Dinge. Unser Dank geht an Matthias, der die Fragen ausführlich beantwortete und ein sehr lesenswertes Interview daraus machte!
Heaven Shall Burn Webseite

Metal1.info: Im April dieses Jahres habt ihr mit „Antigone“ euer viertes Full-length Album auf den Markt gebracht. Wie ich finde obendrein ein richtig Gutes. Seid ihr zufrieden mit dem Erfolg und mit den Reaktionen auf die Platte?
“Antigone“ ist erst unser drittes Album. Die „In Battle..“ ist ja nur eine MCD. Wir sind aber auf jeden Fall unglaublich zufrieden mit den Resonanzen auf die Platte. Irgendwo wussten wir zwar dass wir zu dem Zeitpunkt unser bestmögliches geleistet haben, aber damit dass die Scheibe so einschlägt, hätte keiner von uns gerechnet. Die vorhergehende Scheibe „Whatever It May Take“ hatte auch schon ein sehr gutes Feedback erhalten, aber mit „Antigone“ hat sich das nochmals gesteigert.

Die Zeit kurz zurück gedreht – Was waren vor dem Release eure Gedanken zur Scheibe? Oder besser gesagt, welche Erwartungen hattet ihr?
-Ich denke mal dass sich jeder von uns im Vorfeld mal Gedanken gemacht hat und überlegt hat, wie das Resultat wohl aussehen wird, aber unterhalten haben wir uns beispielsweise nie darüber. Uns war zwar auf der einen Seite klar, dass es mittlerweile schon ein paar Leute gibt, die die Scheibe erwarten, auf der anderen Seite hat sich unsere Herangehensweise oder auch die Art des Songwritings nicht von der vorhergehenden unterschieden. Ich denke mal dass es ein grosser Vorteil von uns ist dass wir jeglichen Druck aussen vor lassen können und einfach abschalten, wenn es um neues Material geht.
Schon aufgrund des Wechsels zu Century Media haben sich ja ein paar Veränderungen bezüglich der Zuhörerschaft angekündigt. Wir sind wahnsinnig froh dass jetzt immer mehr verschiedene Leute mal ein Ohr bei uns riskieren. Das war auch etwas, auf das wir gehofft hatten.

Ganz offen gebe ich zu, dass ich vor der Antigone von Heaven Shall Burn noch nichts hörte. Und als ich dann in das Werk in der Anlage hatte, offenbarte sich meinen Ohren meiner Meinung nach eher ein Stück schwedischer Melodic Death Metal als Metalcore. Wie steht ihr zur Kategorisierung eurer Musik?
– Ach…da machen wir uns selbst wahrscheinlich am geringsten einen Kopf drum. Für die einen ist es eben purer Death oder Thrash Metal und für andere eben wieder Metalcore. Das liegt aber eben ganz in der Hand des Hörers, wo er uns einsortiert. Ich sehe uns trotz der metallischen Musik, aber immer noch als Hardcore Band, weil wir eben aus dieser Szene stammen und die meisten Konzerte auch vor HC-kids spielen. Ich denke aber dass die anderen Leute in HSB das durchaus anders sehen. Musikalisch ist es schon mehr Metal als HC, aber unsere Roots liegen halt doch irgendwo im HC bzw. in seinen metallischen Strömungen, die es auch schon immer gab.

Langsam geht die Festivalsaison 2004 wieder vorbei. Wo wart ihr überall dabei und was konntet ihr für Eindrücke mitnehmen?
– Das With Full Force, das Pressure Fest und das Fluff Fest in Tschechien waren auf alle Fälle die Höhepunkte des Jahres für uns. Vor allem bei einem Festival, wie dem Pressure Fest, ist schon zu erkennen dass harte Musik mit HC-Background mittlerweile wahnsinnig viele junge Leute mobilisiert. Keiner hätte vor ein paar Jahren gedacht dass ein Festival mit eben Bands aus dieser Ecke so viele Leute anziehen könnte. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Besucherzahlen beim Pressure Fest eben auch verdreifacht. Ich denke das sagt einiges über das Wachstum aus.
Auf dem With Full Force war ja beispielsweise auch zu sehen dass eine Band wie Hatebreed nur innerhalb eines Jahres vom Nachmittagsact zum Co-Headliner aufgestiegen ist und die krassesten Publikumsreaktionen am ganzen Wochenende eingefahren hat.
Also das sind schon die Eindrücke, die man so mitnimmt.

Voriges Jahr wart ihr auch in Wacken. Wie hat die Audienz auf euch reagiert und wie hat euch dieser Auftritt gefallen?
– Wacken war richtig geil! Vor allem, weil wir uns gar nicht so viel erwartet hatten. Die Leute haben uns aber einen fantastischen Empfang bereitet. Das war sicherlich eines der Highlights in unsere Bandhistorie. Für uns ist es generell immer etwas besonderes, wenn wir vor Leuten spielen können, die uns bis dahin noch nicht kannten.

Wie steht ihr im Allgemeinen zu Festivals? Ihr habt einen extrem intensiven Sound, der in kleineren Hallen vermutlich viel besser rüberkommt, als auf großen Festivalbühnen.
– Ja, wir fühlen uns schon in kleinen Clubs und auf kleineren Bühnen wesentlich wohler. Das ist ein ganz anderes Intensitätslevel. Wenn es auf so grossen Bühnen aber trotzdem klappt und die Leute ordentlich mitmachen, ist es dann aber natürlich umso beeindruckender. Also die grösseren Bühnen sind sicherlich auch die grössere Herausforderung, aber in kleineren Clubs fühlen wir uns definitiv mehr zuhause.

Bei Metalcore-Konzerten sind wüste Pits und „Walls of Death“ Gang und Gebe. Wie würdest du/ihr reagieren, wenn bei einem Festival – mit Hinblick z.B. auf das Rock Hard 2005 – die große Mehrheit der Leute klassisch headbangen würde?
-Das ist eigentlich schon oft bei unseren Konzerten vorgekommen. Jeder macht halt so mit, wie er Lust und Laune hat. Da reagieren wir auch nicht anders als sonst.

Im Durchschnitt bringt ihr genau alle zwei Jahre ein neues Werk auf den Markt. Wollt ihr diesen Zeitraum beibehalten? Arbeitet ihr auch auf Tour neue Songs aus, wie das zum Beispiel bei Fear Factory der Fall ist, oder setzt ihr euch in einer ruhigeren Phase gezielt dafür zusammen?
-Der Intervall hat sich eigentlich immer rein zufällig ergeben. Das war nie irgendwie beabsichtigt. Im Prinzip sind wir ständig am Songsschreiben…nur seit der „Antigone“ haben wir noch nichts gemacht. Die Lieder entstehen aber auch allesamt im Proberaum. Auf Tour würde das bei uns nicht funktionieren. Wobei ich aber auch sagen muss dass wir nicht wirklich oft auf Tour sind. Wir arbeiten oder studieren alle und da ist es immer extrem schwierig, eine Tour auf die Beine zu stellen. Von daher spielen wir oft an Wochenenden und versuchen da europaweit so viel wie möglich zu machen. Wir proben auch so gut wie jede Woche und dabei entstehen in der Regel dann auch die Songs. Nur eben momentan sind wir etwas „faul“ und haben noch nichts Neues auf Lager.Bald geht’s aber wieder in den Probraum, um 3 bis 4 neue Lieder für eine neue Split mit Caliban aufzunehmen. Die wird dann irgendwann nächstes Jahr über Lifeforce Records erscheinen.

Die Amis bezeichnen den US-Metalcore bekanntlich als „New Wave Of US-Style Heavy Metal“. Wie stehst du zu dieser Formulierung? Ich meine, wenn man das „US“ durch „British“ ersetzt ist man ruckzuck bei Judas Priest. Diese Tatsache könnte dem „alteingesessenen“ Metaller schwer aufstoßen.
– Bands wie Maiden, Priest, Saxon, Angel Witch usw. haben damals die harte Musik für immer verändern, während diese neuen US-Amerikanischen Bands nichts wirklich Neues oder gar Revolutionären machen. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich fahre voll auf Bands wie God Forbid, Killswitch Engage, Shadows Fall oder auch Unearth ab, aber für mich ist das im Grunde genommen eben auch nix Neues. Die Mischung ist vielleicht neu, aber die Zutaten sind alt hergebracht. Diese neue, amerikanische Welle wird also niemals die historische Bedeutung haben, die die NWOBHM damals hatte. Wenn der Begriff allerdings als Hommage and die „alten Helden“ von der Insel gedacht sind, dann ist das auch durchaus in Ordnung. Mit einem Augenzwinkern kann man die Bezeichnung schon durchgehen lassen. Ich bezweifle aber dass gerade die Jüngeren, die durch die neuen Bands zur harten Musik kommt, verstehen woher dieses Wortspiel kommt. Allerdings habe ich die Hoffnung dass eben jüngere Hörer durch die „Neuen“ auf die alten Bands stossen. Vielleicht kommt durch diese Querverweise ja auch wieder etwas frischer Wind in die Szenen.

In welchem Land genießt ihr den größten Erfolg wenn man die Bundesrepublik einmal außen vor lässt?
– In der brasilianischen HC-Szene sind wir auch ganz gut angesagt. Wir waren dort 2002 und 2004 auf kleinen Touren und bekommen von dort immer viel Feedback. In den USA läuft es aber, trotz der bisher fehlenden Tour, auch ziemlich gut. Ich weis nicht, wie man das vergleichen kann, aber ich denke dass wir wohl in Ländern wie eben Brasilien, Chile oder Island am grössten Eindruck und auch irgendwie was „Dauerhaftes“ hinterlassen haben. In den USA verkaufen wir mit Sicherheit viel mehr CD’s, aber am Ende sind wir dort nur eine von vielen Bands, während wir in den anderen, genannten Ländern eben durch unsere Touren vielleicht so etwas wie einen gewissen „Kultstatus“ im Underground haben. Das ist zumindest mein Eindruck.

Wenn man sich auf eurer schicken Webseite die Mitglieder-Profile anschaut, wird schnell klar, dass ihr durch die Band Death Metal-Fans seid. Darf der Hörer irgendwann mal ein reines Death Metal-Album erwarten oder wäre das für euch so etwas wie Stilbruch? Immerhin betrifft ein Stilwechsel die gesamte Fangemeinde.
– Death Metal Bands haben uns immer schon sehr beeinflusst, aber eben auch viele Bands aus anderen Richtungen. Aus dem HC waren das Bands wie Earth Crisis, All Out War, Merauder, Day Of Suffering, Liar usw. Ich denke dass wir wohl immer einen Mix aus all unseren Einflüssen spielen werden, wobei sich die Schwerpunkte immer mal wieder verlagern werden. Was genau passiert, kann man vorher aber nicht sagen. Ich denke schon dass wir mittlerweile so etwas wie unseren eigenen Stil gefunden haben, der sich aber immer wieder innerhalb unserer Grenzen minimal verändert. Einen Stilbruch wird es aber sicherlich nicht geben. Ich glaube kaum das sich unsere Geschmäcker von heute auf morgen schlagartig verändert.

Wenn ihr die Chance hättet eine Neuauflage eurer „Caliban vs. Heaven Shall Burn“ Scheibe zu machen, welche drei Bands würden in Frage kommen?
– Nächstes Jahr kommt der zweite Teil der Split mit Caliban, was eigentlich schon relativ ungewöhnlich ist. Zweimal eine Split mit der selben Band hat es wohl bis jetzt kaum gegeben. Ansonsten haben wir ja auch 1999 schon eine Split mit Fall Of Serenity heraus gebracht Hinter unseren Split-releases steht irgendwo auch immer der Gedanke dass man etwas mit einer befreundeten Band veröffentlichen will. Maroon würden mir da jetzt noch einfallen. Vielleicht ergibt sich so etwas in der Zukunft auch einmal.

Du scheinst häufig im Netz vertreten zu sein. Was bedeutet für dich das Internet? Siehst du es eher als Informationsquelle oder Kommunikationsbasis zu euren Fans?
-Eigentlich als alles Mögliche. In erster Linie aber als Kommunikationsinstrument. Ob das nun mit Freunden, anderen Bands oder auch Konzertveranstalter ist, es erleichtert und beschleunigt vieles. Als Informationsquelle benutze ich das Netz natürlich auch…keine Frage.

Abschließend noch ein kleines Wortspiel. Was fällt dir bei den folgenden
Begriffen ein:

Melodic Death Metal: In Flames, Soilwork, Dark Tranquillity, At The Gates sind natürlich die Bands, die einem da am ehesten in den Sinn kommen und das ist wohl auch die Richtung, mit der das die meisten Leute assoziieren, obwohl sie sich stilistisch, meiner Meinung nach nicht so unbedingt im Death Metal bewegen. Amon Amarth, Edge Of Sanity, Unanimated und sogar Dismember haben zweifelsohne auch Melodien, aber als typischen „Melodic Death Metal“ werden sie nur selten bezeichnet. Es ist schon so ein Problem mit den Schubladen. Man weis nicht so richtig, was wo anfängt und was wo aufhört.

Metalcore: Auch wieder so eine Schublade. Wir werden wohl auch irgendwie dort einsortiert, aber im Gegensatz zu anderen Bands, haben wir keinerlei grosse Probleme damit. Die Leute brauchen halt immer eine Richtungsvorgabe, wenn sie sich mit einer Band befassen wollen.

Caliban: Die wohl erfolgreichste europäische Band im „Metalcore“-Sektor und sehr gute Freunde von uns. Die neue Platte ist der Hammer und ich denke dass sie auch weiterhin ihren Weg gehen werden.

Alkohol: Ich selbst trinke seit ein paar Jahren nicht mehr. Alkohol hat schon viele Tragödien ausgelöst.

Drogen: Damit habe ich auch nix am Hut. Sicherlich ein grosses Problem, wobei der Alkohol, auf Grund seiner Akzeptanz in der Gesellschaft insgesamt mehr Schaden anrichtet als die von der Allgemeinheit geächteten Drogen.

Religion: Ich bin selbst nicht religiös, aber respektiere Leute, die es sind.

Tourleben: Besteht überwiegend aus Warterei und langer Weile.

Metal1.info: Sehr coole Seite, auf die ich leider erst durch dieses Interview gestossen bin. Auf alle Fälle weiterhin viel Erfolg damit!!!

An dieser Stelle kannst du euren Anhängern noch deine freien gedanken äußern. Gibt es irgendetwas, was du an dieser Stelle loswerden willst?
-Yo, tausend Dank für das Interview und das Interesse an HSB! Es ist immer wieder cool, wenn man die Möglichkeit hat, etwas loszuwerden! Wer uns noch nicht kennt, sollte uns mal antesten! Auf http://www.heavenshallburn.com gibt’s einen MP3!

Fotos von heavenshallburn.com.

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