Interview mit Maik Weichert von Heaven Shall Burn

Auf die große Tour mit Trivium müssen sich Fans von HEAVEN SHALL BURN noch etwas gedulden – zumindest einige Clubshows haben die Thüringer mittlerweile aber wieder absolviert. Vor der Show im Rockhouse Salzburg trafen wir Gitarrist Maik Weichert zum Gespräch über die „Neuland Exkursion 2022“, Booking-Politik während und „nach“ der Pandemie sowie ihre spezielle Form des Underground-Supports.

Pandemiebedingt wurde eure große Tour mit Trivium im Oktober 2021 auf Jan/Feb. 2023 verschoben … viele Fans haben sich gefragt: Warum gleich so weit in die Zukunft?
Das liegt einfach an der Tour-Logistik. Das ist im Moment das große Problem, weshalb viele Bands Touren absagen müssen: Nicht wegen Corona, sondern weil sie keine Logistik bekommen – keine Crew, keine Busse, kein Material und so weiter.

Dementsprechend staut es sich im Herbst 2022 ordentlich und wenn dann Amon Amarth mit Machine Head auf Tour gehen, und Parkway Drive mit Lorna Shore, will man auch nicht in Konkurrenz treten. Das sind ja alles coole, befreundete Bands. Auch für die Fans … die haben ja jetzt noch Tickets für 500 € am Kühlschrank hängen. Diese ganzen Shows müssen ja erstmal alle noch nachgeholt werden. Also haben wir uns auf Anfang 2023 geeinigt, das schien uns damals eine gute Entscheidung zu sein. Ob es clever war, werden wir sehen – ob man im Winter 2023 dann Konzerte spielen kann, weiß nur das Virus. Aber wir sind da ganz positiv.

Hauptsache, ihr seid dann nicht positiv, ha, ha. Entschuldigung, den Witz haben wir jetzt alle schon zu oft gehört. Spaß beiseite: Was haben diese Konzertverschiebungen mit dir persönlich gemacht, wie bist du damit umgegangen?
Wenn man als Band auf einem relativ hohen professionellen Level arbeitet, gehört „Verschieberei“ zum Alltag. Natürlich nicht, wenn man Termine veröffentlicht hat, aber intern sind immer so viele Touren geplant, die dann doch nicht hinhauen … da ruft dann beispielsweise der Trivium-Manager an, dass sie ein Angebot haben, in Südamerika mit Slipknot zu spielen, also verschiebt man die gemeinsame Tour eben nochmal. Was an Verschiebungen bei den Fans ankommt, ist höchstens ein Drittel von dem, was im Business sowieso hin und her geschoben wird, ehe die Termine veröffentlicht sind. Insofern ist das nicht ganz so schlimm gewesen. Wir touren ja auch nicht 360 Tage im Jahr wie manche Ami-Band. Von daher ist das für uns nicht ganz so wild. Es ist natürlich ärgerlich, aber es kommt immer auf den Vorlauf an: Das erste Konzert, das wegen Corona abgesagt wurde, mussten wir vier Stunden, bevor wir nach Mexico hätten fliegen sollen, absagen. Wir waren im Prinzip auf dem Weg zum Flughafen … das saugt dann schon. Aber eine Tour so weit im Voraus zu verschieben, ist nicht so schlimm.

„Wir haben immer versucht,
alles gleich zu kommunizieren“

Maik Weichert von Heaven Shall Burn im InterviewWas frustrierend ist, ist die Aufmerksamkeitsschwelle von vielen Leuten im Internet. Die Tour wurde von Ende 2021 auf Anfang 2023 verschoben, und dann heißt es „Boa, das ist ja erst in zwei Jahren!“ Lies doch bitte genau, das ist in etwas über einem Jahr! Nur weil da 2021 und 2023 steht, sind das nicht zwei Jahre. Aber man muss sich als Band auch davon befreien, es jedem recht machen zu wollen. Wichtig ist, dass man fair bleibt. Es gibt auch ganz viele Leute, Bands wie Veranstalter, die noch Werbung machen und Tickets verkaufen, obwohl sie schon wissen, dass verschoben oder abgesagt wird – nur um das Geld jetzt noch reinzuholen und erstmal zu haben. Denen sind die Leute scheißegal, das ist blöd. Wir haben immer versucht, alles gleich zu kommunizieren, sobald es News gab oder etwas absehbar war, um fair zu bleiben. Vielleicht kommt uns das jetzt zugute, dass wir immer ehrlich kommuniziert haben und dass die Leute wissen, dass wir dann auch durchziehen, was wir ankündigen. Vielleicht ist das ein Pluspunkt für uns, denn obwohl es mit Shows wieder losgeht, läuft es bei manchen Bands gut und bei anderen noch gar nicht …

Gehst du selbst privat noch viel auf Konzerte, hat sich da bei dir durch die Pandemie dann auch ein Loch im privaten Kalender aufgetan?
Man hat das privat schon durch andere Dinge ersetzt und muss jetzt, so blöd das klingt, wirklich erst einmal wieder lernen, auf Konzerte zu gehen. Als es wieder losging, saß ich die ersten Monate daheim und habe viele Shows in meinem heimatlichen besetzten Haus verpasst. Früher hab ich zwei-, dreimal in der Woche geschaut, was da so los ist … und jetzt haben da schon seit Monaten wieder Shows stattgefunden und ich hatte es einfach nicht auf dem Schirm. Das kommt jetzt schon wieder, aber so eigenartig es ist: Man muss das wirklich erst wieder lernen.

Heaven Shall Burn, Rockhouse SalzburgWie ist es umgekehrt dann als Musiker – muss man auch erstmal wieder lernen, auf der Bühne zu stehen?
Ja. Wir sind wahrscheinlich die dümmste Band in der Pandemie … wir haben ja vor der Pandemie auch noch knapp zwei Jahre Live-Pause gemacht. Die angesprochene Show in Mexiko wäre das erste Konzert nach knapp zwei Jahren gewesen … und dann ging Corona los. In der ersten Pandemie-Woche haben wir dann zum Glück noch die Platte auf Platz 1 der Charts gehievt. Ob das vom Timing her cool oder scheiße war, weiß ich bis heute nicht. Das werden wir noch sehen. Aber du musst dir vorstellen: Als wir im November 2021 dann die Release-Shows nachgeholt haben, war ich dreieinhalb Jahre nicht mehr auf einer Bühne gestanden. Das ist nicht ohne. So eine Clubshow kriegst du schon irgendwie gerockt, aber wenn ich demnächst in Finnland auf unserem ersten Festival vor 30.000, 40.000 Leuten stehe, weiß ich noch nicht, wie es aussehen wird. Das ist dann schon ein Bisschen was anderes. Ich stell mir das ungefähr so vor, wie wenn du ein paar Jahre im Knast warst und dann ein Date hast: Du weißt zwar, wie das alles geht, aber ob das noch läuft … keine Ahnung. (lacht)

„Vielleicht heule ich da auch wie ein kleines Kind“

Andererseits sind bei einer Clubshow die Leute viel näher dran … wenn du dich da verspielst, merken das die Fans doch viel eher, oder?
Nein. Beim Summer Breeze zum Beispiel, da weißt du, der WDR überträgt das live im Fernsehen, es gibt einen Livestream, du filmst selbst mit, da stehen die Leute vor der Bühne und sehen dich auf Videoleinwänden … wenn hier heute Abend im Rockhaus einer was vergeigt, merkt das bei der ganzen Energie, die da rüberkommt, keiner. Insofern ist man bei solchen Shows immer relaxt. Da ist auch keiner von uns aufgeregt oder so. Aber wenn ich dann das erste Mal wieder bei so einem großen Festival auf der Bühne stehe, beim Full Force oder so … da weiß ich echt nicht, was passiert. Vielleicht heule ich da auch wie ein kleines Kind. Man hat das ja wirklich so vermisst …

Du hast die Releaseshows aus dem letzten Herbst 2021 schon angesprochen, die ihr zum 2020 erschienenen Album „Of Truth And Sacrifice“ gespielt habt. Hat sich mittlerweile ein Lieblingssong herauskristallisiert, der live besonders gut funktioniert?
Das ist in der Band ein bisschen unterschiedlich. Mein Lieblingssong von den neuen ist „My Heart And The Ocean“, der funktioniert richtig, richtig gut … aber unser wirklicher „Lieblingssong“ auf dieser Mini-Tour ist eher ein alter, den wir aus der Klamottenkiste geholt haben: „Numbing The Pain“ von der „Antigone“-Platte [VÖ: 2004, A. d. Red.]. Den haben wir zuvor noch nie live gespielt, auch wenn die Fans das immer gefordert haben … und der macht uns allen richtig Freude. Wir spielen natürlich keinen Song, der irgendjemandem keinen Spaß macht, aber wenn man von Lieblingssongs redet, ist das glaube ich die Nummer, auf die wir uns in der Band einigen könnten. Wenn du bei so einer „Orchideen-Nummer“, die wirklich nur echt knallharte Die-Hard-Fans kennen und zu schätzen wissen, ins Publikum schaust und bei ein paar Leuten siehst, wie ihnen die Begeisterung ins Gesicht steigt … das ist wirklich cool.

Du hast es eben schon angesprochen, dass du nicht weißt, ob es – rückblickend betrachtet – eine coole oder eine schlechte Idee war, das Album in die Pandemie hinein herauszubringen. Was lässt dich daran zweifeln, ihr habt immerhin Platz 1 in den Charts erreicht. Hätten die Verkaufszahlen mit einer Tour noch besser ausgesehen?
Im Vergleich zu anderen Bands verkaufen wir schon sehr gut und stabil, aber man hätte natürlich noch mehr verkauft, wenn man auf Tour hätte gehen können und auf Festivals gespielt hätte – das ist klar. Das sieht man an den Zahlen schon. In zehn Jahren wird sich das Album genauso oft verkauft haben wie das davor … aber es schleppt schon etwas nach. Wenn man zum Release eine Tour macht und die Festivalsaison spielt, sieht man eindeutig, dass man in dem Jahr auch mehr Platten verkauft hat. Das ist einfach so, bei jeder Band – von Rammstein bis zum Newcomer.

„Etabliertere Bands haben ihre Fanbasis,
an die sie immer Platten verkaufen“

Maik Weichert von Heaven Shall Burn im InterviewAber relativ etablierte Acts wie wir oder die ganz, ganz Großen verkaufen eben auch so noch genug Platten. Bei kleineren Bands merken Labels das ganz extrem, die müssen wirklich live spielen, um Platten zu verkaufen. Wenn die nicht auftreten können, verkaufen die wirklich fast nichts. Das ist viel extremer. Etabliertere Bands haben ihre Fanbasis, an die sie immer Platten verkaufen. Insofern war es schon gut, dass wir die Platte noch rausgestemmt haben … Ich hätte in der Pandemie nicht entscheiden müssen wollen, wann wir sie sonst rausbringen. Bei den Labels gibt es endlos lange Release-Schedules und sogar Signing-Stops, weil alle Bands, denen sie vertraglich verpflichtet sind, jetzt die Alben abliefern, die sie in der Pandemie gemacht haben. Da kann es passieren, dass du eine Platte fertig hast und sie erst in anderthalb Jahren veröffentlichen kannst. Das ist dann ja auch Quatsch. Insofern war es, wenn ich so darüber nachdenke, eigentlich ganz gut, dass wir sie noch rausgeboxt haben.

Habt ihr in der Pandemie selbst auch an neuer Musik gearbeitet?
Wir schreiben immer Musik, das ist bei uns ein ständiger Prozess. Aber wir haben noch kein Releasedatum, es ist auch noch kein ganzes Album fertig.

Heaven Shall Burn, Schweinfurt am 27.05.2022Jetzt macht ihr erstmal weiter mit Clubshows. Was hat euch dazu bewogen, vermehrt auf kleine Shows zu setzen, und wie lange rentiert sich das für eine Band auf eurem Level?
Das hat auch einfach Business- und, wie es immer so schön heißt, „bookingpolitische“ Gründe. Wir hätten heute hier in Österreich natürlich auch eine Show in einer 4.000er-Halle spielen können. Aber das erlauben dir die großen Sommerfestivals nicht. Das ist ja kein Geheimnis, da kann man ja drüber reden. Wenn wir etwa in Bremen eine Clubshow spielen wollen, ist das OK, aber das Reload-Festival, das wir da in der Nähe spielen, hätte nicht gewollt, dass wir dort eine Show mit 4.000 Leuten spielen – einfach wegen ihrer Ticketverkäufe. Das ist ein Grund … der andere ist, dass wir uns so für die Festivalsaison warmschießen.

„Es kann sein, dass man bei Clubshows
manchmal sogar besser dasteht“

Allerdings das wird finanziell auch unterschätzt. Klar, wenn du eine Show vor 5.000 Leuten spielst, bleibt schon enorm viel Kohle hängen, auch wenn du eine riesen Produktion zu stemmen hast. Aber ganz ehrlich: Wenn du, wie jetzt in Bremen, eine Clubshow mit 800 Leuten spielst, mit kleiner Produktion und ohne Crew, und du vergleichst das mit einer Show mit 1.500 oder 2000 Leuten und einer riesen Produktion, bin ich mir nicht sicher, wo mehr Geld hängen bleibt – ganz im Ernst. Es kann sein, dass man da bei kleinen Clubshows manchmal sogar besser dasteht.

Die Tour trägt den Titel „Neuland Exkursion 2022“, weil ihr gezielt dort spielen wolltet, wo ihr noch nicht aufgetreten seid. Ihr habt schon über 300 Shows in Deutschland und Österreich gespielt – wie schwer ist euch die Auswahl der Clubs gefallen?
Was uns von den Fans – zu Recht! – immer vorgehalten wurde, war, dass wir schon diverse Male in Tokyo oder Santiago de Chile oder Perth oder Melbourne gespielt haben, aber noch nie in Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern. Das waren die einzigen beiden Bundesländer, in denen wir noch nie gespielt hatten, das wollten wir einfach mal ausmerzen. Es gibt aber auch Clubs, die man immer mal spielen wollte … der Schlachthof in Bremen zum Beispiel oder der MAU-Club in Rostock. Das sind Clubs, die kenne ich noch aus meiner Jugend: Auf den Tour-Shirts, die ich mir gekauft habe, standen die immer mit drauf. Oder auch Osnabrück, Hyde Park … es gibt so Kultläden, die kennt man als Musikfan einfach. Und ein paar davon haben wir eben noch nicht gespielt. Lindau morgen [Club Vaudeville, A. d. Red.]  ist auch so ein ganz kultiger Club, wo wir noch nie waren … das Rockhouse Salzburg natürlich auch. Das wollten wir einfach mal abhaken.

Gab es einen Club, auf den du dich besonders gefreut hast?
Das war schon der MAU-Club in Rostock. Weil das wirklich eine Institution ist und das in den 1990er-, 2000er-Jahren in Ostdeutschland auch ein ganz wichtiger Club war, der in einer wirklich Fascho-verseuchten Gegend die Fahne alternativer Kultur hochgehalten und die Stirn geboten hat. Das war ein ganz wichtiges Signal damals. Die Show war dann auch supergeil! Da besuchen dich dann noch die Leute von Dritte Wahl aus Rostock, das ist auch schön … man trifft da viele Freunde.

Maik Weichert von Heaven Shall Burn im Interview

„Ich hatte befürchtet, dass da
komplette Grütze dabei ist“

Ihr habt die Vorbands dieser Tour selbst ausgesucht, jeder für eine Stadt – wie viele Einreichungen hattet ihr da so auf dem Tisch und wie seid ihr bei der Auswahl vorgegangen?
Wie viele es insgesamt waren, weiß ich gar nicht, aber ich musste mir für meine Stadt auf jeden Fall über hundert Bands anhören. Das waren also wirklich hunderte … aber es war natürlich auch unterschiedlich: Für Bremen waren es glaube ich doppelt so viele wie für Lindau, beispielsweise. Wir haben das in einer Excel-Tabelle sortiert bekommen, immer mit einem Link dazu, und dann hab ich mich da mal einen Tag lang durchgeklickt. Ich hatte befürchtet, dass da komplette Grütze dabei ist, aber das hat echt Spaß gemacht. Ich mag es ja immer, Musik zu entdecken, und da waren wirklich gute Bands dabei.

Haben die „Auserwählten“ auf den bisherigen Shows geliefert?
Bis jetzt ja. Die drei Bands, die wir bisher gesehen haben, waren alle gut. Das heute ist ja eine ganz, ganz junge Band [Genesis Collapse, A. d. Red.], da bin ich mal gespannt. Aber darum geht es ja … die müssen ja auch mal ins kalte Wasser geworfen werden.

Und was eure eigene Performance angeht – seid ihr schon zufrieden, oder gibt es noch Dinge, an denen ihr noch arbeiten müsst?
An ein paar Ablauf-Sachen muss man natürlich noch arbeiten – die neuen Songs sind einem ja noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Da hat man schon immer mal noch einen Verhacker. Aber darum geht es ja eben: Dass das dann eben nicht live im Rockpalast oder beim Full Force Festival passiert. Sowas merzt man bei kleinen Shows aus.

Heaven Shall Burn, Schweinfurt am 27.05.2022Bereitet man sich auf eine Clubtour eigentlich anders vor als auf die großen Shows?
Wir haben für ein Festival natürlich keinen anderen Proberaum, aber man bereitet sich schon anders vor. Für die Festivals haben wir eine große Vorproduktion gemacht, dafür waren wir extra in Wien im Gasometer, also auch in einer Halle, in die ein paar tausend Leute passen, wo man dann eine entsprechend große Bühne hat. Da wird dann die Bühnenshow aufgebaut und das muss man dann schon durchproben, mit den Pyros und dem ganzen Krimskrams … das geht gar nicht anders. Hier geht es ja nur darum, dass man das zusammen live zu spielen draufkriegt – aber die Vorproduktion für die Festivals kannst du nicht im Proberaum machen.

„Das ist schon krass, dass man da
so komplett auf dem Holzweg war“

Heaven Shall Burn, Rockhouse SalzburgPolitik ist bei euch als Band auch immer ein wichtiges Thema, ihr positioniert euch klar gegen Rassismus und setzt euch beispielsweise für Sea Shepherd ein. Viele Bands haben seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine Aktionen gestartet, Charity-Shirts gedruckt oder Bandmemorabilia versteigert. War das für euch ein Thema, und wenn ja, warum habt ihr euch dagegen entschieden?
Wir haben da lange überlegt, aber bis auf ein paar Spendenaufrufe, die wir geteilt haben, haben wir uns da als Band nicht reingehängt. Privat haben wir Bürgerinitiativen bei uns in der Stadt unterstützt oder gespendet, aber das haben wir nicht an die große Glocke gehängt. Wir haben eher unsere Reichweite in den Sozialen Medien genutzt und beispielsweise eine Initiative von Carl Zeiss Jena ein paar Mal geteilt. Aber ansonsten hat das jeder von uns privat gemacht, weil jeder auch andere Leute kennt. Jeder von uns hat Bekannte oder Verwandte in Russland und der Ukraine. Es gibt ja beispielsweise auch russische Initiativen … ich habe einen Kumpel, der da engagiert ist. Die haben in Russland ja auch Flüchtlinge aus der Ukraine, die dort unterstützt werden.

Das ist schon ein blödes Gefühl, dass man da nicht mehr machen kann. Wir haben ja auch schon ein tolles Festival in Kiew gespielt … wenn man dann jetzt die Bilder sieht, das ist schon echt übel. Oder Freunde, die man in Russland hat, die wirklich „openminded“ sind, westlich orientiert, die jetzt komplett isoliert werden vom Rest der Welt. Da gibt es ja auch Leute, die wirklich objektiv auf der ethisch richtigen Seite stehen, und nichts machen können, weil sie sonst einfach von der Polizei abgeholt werden. Das ist mir, das muss ich ganz ehrlich sagen, bis vor ein paar Monaten nicht bewusst gewesen, dass das in Russland schon so ein schlimmes Level erreicht hat. Wir wären im März oder April auch wieder hingefahren und hätten dort Shows gespielt und alles wäre cool gewesen, und keiner hätte sich da groß Gedanken gemacht, wie die Zivilgesellschaft dort unterdrückt wird. Das merkt man erst jetzt, wie unter einem Brennglas. Das ist schon krass, auch für einen selbst … dass man da so komplett auf dem Holzweg war.

Maik Weichert von Heaven Shall Burn im Interview

Dieses Interview wurde persönlich geführt.

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