Interview mit Filip Dupont von Hemelbestormer

Für alle Sludge-Fans könnte „Aether“ der belgischen Formation HEMELBESTORMER der heiße Tipp des Frühjahrs sein. Gitarrist Filip Dupont über die Dolomiten, überlange Songs und die Nachteile von Musik mit Gesang.

Hemelbestormer

HEMELBESTORMER wurde 2012 gegründet, eure erste Split mit Vanessa Van Basten erschien 2014, euer Debüt-Album 2016 und jetzt kommt schon Album Nummer zwei. Wie schafft ihr dieses Tempo?
So ganz stimmt das so nicht: Unsere Diskographie scheint etwas unklar zu sein, auch wenn es eigentlich sehr einfach ist: 2014 haben wir „Portal To The Universe“ aufgenommen, einen 22-Minuten-Track. Für das Split-Album, das du erwähnt hast, wurde dieser Song in Stücke geschnitten, mit den Songs von Vanessa Van Basten wieder zusammengeleimt und dann über ConSouling Sounds auf CD veröffentlicht. Ein Jahr später wurde „Portal To The Universe“ nochmal veröffentlicht, aber als ein Track und ohne die Beiträge von Vanessa Van Basten. So ist der Song über Tartarus auf Kassette und über Sick Man Getting Sick Records auf Vinyl erschienen. Für die B-Seite haben wir in beiden Fällen einen etwas experimentelleren, noisigen Song („Portal III“) ausgewählt, der nur für diese Analogformate entstanden ist. Aber auch Metal-Archives ist diesbezüglich fehlerhaft. 2013 haben wir dann noch eine Split-CD veröffentlicht und mit „Aether“ erscheint jetzt unser Full-Length-Debüt über Debemur Morti Productions. So gesehen ist unser Arbeitstempo gar nicht so schnell.

Hemelbestormer - PortalsWie seid ihr für diese erste Split mit der Band Vanessa Van Basten in Kontakt gekommen, wie ist das Material beider Bands zusammengewachsen?
ConSouling Sounds haben etwas Musik von meinen vorigen Bands veröffentlicht und kannten schon HEMELBESTORMER-Material, bevor wir überhaupt etwas veröffentlichen wollten. Miguel, (mittlerweile nicht mehr bei dem Label) und Mike wollten, wenn ich mich recht entsinne den zehnten Geburtstag des Labels feiern, indem sie einen Schwung Kollaborations-Alben veröffentlichen: Zwei Bands bringen zusammen einen oder mehrere Songs raus, die sie zusammen gemacht haben, verstehst du? Alkerdeel und Gnaw Their Tongues haben so eine Veröffentlichung gemacht, und so auch HEMELBESTORMER und Vanessa Van Basten. Das Label hat uns zusammengebracht. Auch wenn das Resultat sehr natürlich klingen mag, war die Kooperation sehr küstlich: Sowohl Vanessa Van Basten als auch wir hatten einen Track von 20 Minuten Länge. Wir haben dann beschlossen, die Songs in verschiedene strategisch sinnvoll gewählte Parts zu zerschneiden und dann miteinander zu verbinden. Aber das macht das Ergebnis nicht weniger interessant. Es passt gut zusammen, und persönlich mag ich das Album nach wie vor sehr.

Euer erster Song war ein 20-Minuten-Monster, die Songs auf „Aether“ sind etwas kürzer. Was reizt euch an so langen Songs?
Einen Song aufzuschichten und langsam auf eine Klimax hinzuarbeiten braucht Zeit. Für uns ist es einfach unmöglich, all die Kreativität, die ein Song erfordert, in ein paar Minuten zu packen. Das ist einfach ein natürlicher Fluss und wir wollen uns diesbezüglich auch nicht auf eine bestimmte Spieldauer beschränken: Alle Songs, die HEMELBESTORMER geschrieben haben, dauern um die 15 bis 20 Minuten – das Material von „Aether“ stellt da keine Ausnahme dar. Im Gegenteil!Hemelbestormer 3

Wie würdest du die Atmosphäre des Albums in einem Satz beschreiben?
Warum nicht gleich in einem Wort? Apokalyptisch!

Ihr verwendet generell keinen Gesang. Warum? Habt ihr mal in Erwägung gezogen, Gesang einzusetzen?
Ich komme aus dem Black Metal, Klargesang empfinde ich schnell als nervig. Extremer Gesang andererseits limitiert eine Band sehr stark. Wenn du langatmige, atmosphärische Musik spielst, wie wir es tun, kann Gesang einfach ganz schnell die Stimmung töten. Gesang zieht immer die Aufmerksamkeit auf sich und von der sich langsam entwickelnden Atmosphäre der Musik ab. Deshalb wollen wir momentan einfach keinen Gesang einsetzen, abgesehen von ein paar gesprochenen oder geflüsterten Zeilen.

Hemelbestormer - AetherDas Albumcover von „Aether“ ist wirklich atemberaubend. Woher stammt das Bild?
Unser Bassist, Kevin, ist für alle unsere Kunst verantwortlich. Er hat auch das Cover zu „Portals“ gemacht und kümmert sich um unsere Visualisierungen für Liveshows, Band-Photos und Merchandise-Designs. Debemur Morti Productions haben uns für Artwork und Layout komplett freie Hand gelassen. Wir finden, das Packet als Ganzes muss stimmen: Starke Musik, gute Produktion, ein kraftvolles Artwork und eine stimmige Verpackung.

Sieht man auf dem Bild einen real existierenden Berg oder reine Fiktion?
Kevin arbeitet oft mit echten Bildern und digitaler Bearbeitung. Das ist, mehr oder weniger, sein täglicher Job. Für „Aether“ hat er echte Photos aus den Dolomiten genutzt und ein paar Aspekte geändert, wie die Milchstraße. Wie schon gesagt, muss einfach alles zusammenpassen. „Aether“ ist der griechische Gott des Himmels, des Ortes, wo die Götter leben und der Luft, die sie atmen. „Hemelbestormer“ kann wörtlich mit Erstürmer des Himmels übersetzt werden, aber die echte Bedeutung dieses Wortes ist „Idealist“. Beides passt in das Konzept. Unsere Musik ist düster, transzendental und apokalyptisch, daher auch die düstere Kunst großer Berge und des unermesslich weiten Raums darüber. Wir haben auch viel alchemistische und esotherische Symbole in unserem Siegel verarbeitet, was wiederum zu Bergen und Himmel passt. Alles ist ein in sich geschlossener Kreis.

Hemelbestormer 2Zurück zu weltlicheren Themen: Kommt ihr mit „Aether“ auf Tour nach Deutschland?
Ja. Bislang sind sogar die meisten gebuchten Shows in Deutschland: Am 05. März auf dem Hell Over Hammaburg Festival (Hamburg), am 26. März auf dem Unaussprechliche Culthe (Münster), am 01. July in der Kellerperle (Würzburg) und am 02. Juli auf dem St. Helena Doomfest in München. Ein paar mehr sind angedacht, aber werden wohl erst nach dem Sommer stattfinden.

Besten Dank für Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein Brainstorming:
Belgien:
Ein falsches Land
Angela Merkel: „Wir schaffen das.“
Neurosis: Die Großväter des Sludge.
Deutsches Bier: Weissbier erfüllt seinen Zweck immer!
Lemmy: war sicher Fan von deutschem Bier.
Dein Lieblingsalbum aus 2015: Mgla, „Excercises In Futility“.
HEMELBESTORMER in zehn Jahren: Freundschaft steht über Erfolg.

Nochmals Danke – die letzten Worte gehören dir:
Vielen Dank für das Inerview und danke an jeden, der sich für düster-schwere Musik interessiert. Ihr wisst, was zu tun ist!