PEACE OF MIND sind im Hardcore-Untergrund sicher keine Unbekannten mehr, doch mit ihrem aktuellen Album „Blood Is The Price“ legt die Band nochmal eine Schippe drauf. Wir sprachen mit der Band über ihre Texte, das Artwork und auch die Hardcore-Szene im Allgemeinen.

Wie lange habt ihr insgesamt an „Blood Is The Price“ gearbeitet und wann war euch klar, dass das Album fertig ist?
Als wir die Arbeit an „Life Long Tragedy“ beendet hatten, gab es schon ein paar Ideen zu Songs, die sich jetzt auf dem Album befinden. Man kann also sagen, dass wir ca. zwei Jahre lang, Stück für Stück, an Material für die LP gearbeitet haben. Über den Lauf der Zeit hat sich natürlich einiges an diesen Ideen verändert, was man, wenn man die vorangegangene EP und das aktuelle Album vergleicht, deutlich hören kann.
Wenn wir ganz ehrlich sind, haben wir die Arbeit am Album erst so richtig im Studio beenden können, da der letzte von uns geschriebene Song erst ein paar Tage vor Aufnahmebeginn „fertig“ wurde. Taylor Young hat uns während des Recordings noch zusätzliche Denkanstöße geben können, die hier und da noch zu einigen Änderungen geführt haben.

Gab es während des Songwritings einen bestimmten thematischen roten Faden oder ist das eher im Nachhinein entstanden?
Grundsätzlich werden in unserer Herangehensweise Instrumentales und Lyrisches getrennt geschrieben. Man könnte also sogar eher von zwei roten Fäden sprechen, die sich durchs Album ziehen. Musikalisch sind wir überzeugt, dass zweimal Refrain und zweimal Vers Teil eines Songs sein sollten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Lyrisch haben wir unsere gesellschaftskritischen und politischen Themen, die wir gemeinsam in unseren Texten einbringen. Das Zusammenführen ist dann die größte Herausforderung.
Wie verlief der Aufnahmeprozess – eher spontan und roh oder habt ihr viel getüftelt und gefeilt?
Im Vorfeld haben wir uns natürlich so gut wir konnten auf den Aufnahmeprozess vorbereitet. Es gab von den meisten Songs bereits Prerecordings, die wir vor Aufnahmebeginn schon zu Taylor schicken durften. Hätte es an diesem Punkt schon etwas zu bemängeln gegeben, hätten wir nochmal nachjustieren können. Zum Glück war dem nicht so. Zwei Songs des Albums haben wir dann schon bei 1408 aufgenommen und als Promo Ende 2024 released. Das hat besonders bei der Entwicklung des Sounds in den folgenden Monaten für das Recording in LA geholfen.
Im Studio selbst hielten wir uns zu ca. 95 % an das Grundgerüst der Songs, waren allerdings in kleineren Details eher spontan und haben uns von Taylors Vorschlägen inspirieren lassen.

Habt ihr diesmal anders gearbeitet als bei euren bisherigen Veröffentlichungen?
Ich denke, der Schreibprozess an sich war im Grunde sehr ähnlich wie die Jahre zuvor, allerdings sind wir in der Vorbereitung wesentlich gründlicher vorgegangen.
Wir wussten von Beginn an, dass wir auf dieser Platte neue Wege einschlagen wollten. Auf dem Album sind wesentlich mehr stilistische Mittel zu finden als auf früheren Veröffentlichungen, und das ist auch von Anfang an so beabsichtigt gewesen. Ich würde sagen, dass wir im Hinblick auf Songstruktur entschlossener und vor allem offener vorgegangen sind. Zum Beispiel haben wir neben den ähnlichen Songstrukturen auch sehr auf das Tempo geachtet und im Vergleich zu den letzten Platten dieses sehr angezogen. Das kommt dann auch unserem Stil, mit hohem Tempo live zu spielen, entgegen.
Gibt es einen Song auf dem Album, der für euch eine besondere Bedeutung hat oder bei dem der Entstehungsprozess besonders intensiv war?
„Blood Is The Price“ sticht für uns definitiv besonders hervor. Hohes Tempo mit viel musikalischem Bezug auf unsere erste EP. In bestimmter Weise verbindet dieser Song unseren alten mit unserem neuen Sound, was zusätzlich von einem Feature von Jem von der Band SPEED untermalt wird. Nochmals dickes Danke an Jem an dieser Stelle.
Wie kam es zu dem Titel „Blood Is The Price“ – was steckt für euch in dieser Aussage?
Leider ist es fast immer so, dass im Leben keine Geschenke verteilt werden. Auf der Suche nach dem Seelenfrieden („Peace Of Mind“) müssen oftmals Opfer erbracht werden. Dazu gehören auch sehr schmerzhafte Entscheidungen, die aber am Ende des Tages zu Besserungen führen können. „Blood Is The Price“ steht hier als drastische Beschreibung, um diesen Prozess zu verdeutlichen.
Das Artwork ist sehr eindrucksvoll – könnt ihr etwas zur Idee dahinter und zur Zusammenarbeit mit dem/der Künstler:in erzählen?
Ein interessantes Cover für ein Hardcore-Album zu erstellen, ist ein ziemlicher Balanceakt. Man muss erkennen, dass es ein Hardcore-Album ist, will sich aber dennoch aus der traditionellen Masse abheben.
Nach reichlicher Überlegung und Analyse verschiedenster Albumcover war uns klar, dass wir definitiv ein weißes Cover mit starken Kontrasten für die Platte verwenden wollten. Das florale Thema in Kombination mit Blut soll einen eher metaphorischen Kontrast darstellen.
Der Erstellungsprozess war so DIY, wie man es sich nur vorstellen kann. Wir fuhren nach Dresden zu unserer guten Freundin Ronja, welche uns schon auf vielen Shows als Fotografin begleitet hat, und schossen mit ihr und unserem Model Emmy (BLOSSOM DECAY) den gesamten Tag potenzielle Fotos. Wir versuchten, bei der Grundidee zu bleiben, experimentierten aber trotz allem viel herum. Dass das Endprodukt so gut werden würde, hätten selbst wir nicht erwartet. An dieser Stelle auch nochmals Danke an unsere Freunde und Helfer.
Wolltet ihr mit dem Cover gezielt bestimmte Gefühle oder Assoziationen hervorrufen?
Ein kontrastreiches, ambivalentes Bild lädt immer zur Interpretation ein. Wir können nicht behaupten, eine konkrete Intention damit verfolgt zu haben, doch wir sind sehr froh, dass das Cover eine Wirkung ausstrahlt, die in jedem Betrachter etwas auslöst – was immer das auch sein mag.
Das zeigt auch, dass selbst etwas so Simples wie das Cover eines Hardcore-Albums eine Form von Kunst sein kann.
Welche Rolle spielt die Live-Umsetzung eurer Songs schon während des Schreibens – denkt ihr dabei schon an die Energie auf der Bühne?
Hardcore lebt von Energie. Also ja, es spielt für uns definitiv eine große Rolle. Besonders das Zusammenspiel aus Vocals und Instrumentalem ist für uns an dieser Stelle am bedeutsamsten.
Selbst wenn ein instrumentaler Part bereits fertig geschrieben sein sollte, besteht immer die Gefahr, dass sich dieser nochmals verändert, sollten der Text und die Instrumente in diesem Moment nicht dieselbe Energie vermitteln.

Wie sehen eure Tourpläne nach dem Release aus – sind größere Touren oder Festivalauftritte geplant?
Erstmal steht unsere Tour im Oktober an und danach werden vereinzelte Shows in Städten, die uns sehr am Herzen liegen, veröffentlicht. Wir möchten 2026 auch sehr gerne wieder andere Kontinente bespielen – mal schauen, was passiert. Bei dem Thema Festival ist es ähnlich: Lasst euch überraschen.
Was erwartet das Publikum live? Bleibt ihr nah am Album oder wird es Überraschungen geben?
Ich denke, dass unser Album eine gewaltige Bereicherung für unsere Liveperformance darstellen wird, und ich kann es kaum abwarten, die neuen Songs auf das Publikum loszulassen. Überraschungen sind nebenbei unsere zweiten Vornamen.
Wie nehmt ihr die aktuelle Hardcore-Szene wahr und wo seht ihr PEACE OF MIND innerhalb dieser Bewegung?
Ich denke, aktuell ist die deutsche HC-Szene sehr aktiv und vielfältig. Nach Corona hat die Szene auch einen unglaublichen Zuwachs gehabt, der dann auch erfolgreich von sehr vielen Bands genutzt wurde. Hierbei muss man differenzieren, dass die Szene dennoch im Vergleich zu Mainstream-Festivals superklein ist, aber trotzdem so gut wie lange nicht dastand.
Es sind sehr viele Menschen hochmotiviert, alles am Leben zu erhalten sowie am weiteren Wachsen beteiligt zu sein. Wir möchten hier auch unseren Beitrag leisten. Nicht nur als Band, sondern auch als Veranstalter und Unterstützer. Wir sehen uns als Teil der DIY-Szene mit Ambitionen, Hardcore auch auf die großen Bühnen zu bringen. Euro-Hardcore braucht nicht immer Bands von Übersee, um an sich zu wachsen, sondern Menschen mit Begeisterung, die Selbstwirksamkeit erleben möchten. Dazu wollen wir auch mit unserer Musik animieren.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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