Interview mit Alan „Nemtheanga“ Averill von Primordial

Mit „Exile Amongst The Ruins“ veröffentlichen die irischen Pagan-Vorreiter PRIMORDIAL bereits ihr neuntes Album. Alan „Nemtheanga“ Averill über die Entstehung des Werkes, die Unterschiede zu den Vorgänger-Werken und den Einfluss seines Projektes Dread Sovereign auf seine Stammband.

Seit „Where Greater Men Have Fallen“ sind vier Jahre verstrichen – wieso hat es diesmal etwas länger gedauert, bis nun „Exile Amongst The Ruins“ erscheint?
Hat es? Wenn du auf unsere Karriere zurückblickst, wirst du feststellen, dass wir alle drei bis vier Jahre ein neues Album machen. Insofern sind wir genau im Zeitplan. Da ist nichts groß anders – und Qualität geht immer über Quantität.

In der Zwischenzeit hast du das zweite Dread-Sovereign-Album „For Doom The Bell Tolls“ veröfffentlicht. Hattest du die Zeit dafür, weil dich PRIMORDIAL nicht so viel gefordert hat, oder hast du dir die Zeit für Dread Sovereign auf Kosten von PRIMORDIAL genommen?
Nun, wir haben in der Zeit auch ein Doppel-Live-Album von PRIMORDIAL („Gods To The Godless“, A. d. Red.) veröffentlicht. Ich habe Zeit für viele Dinge, aber klar, Dread Sovereign ist auch in dieser Zeitspanne passiert. Ich habe Zeit für beides. Jeder von uns hat sein eigenes Leben, das in diesen drei, vier Jahren weitergeht. Einige von uns entscheiden sich für einen Job oder ziehen Kinder groß, ich ziehe eben Dread Sovereign groß.

Hatte deine Arbeit an Dread Sovereign auch einen Einfluss auf das neue PRIMORDIAL-Material?
Nein, nicht im Geringsten. Höchstens vielleicht, dass wir den gleichen Toningenieur hatten, Ola Ejsford, und dass ich ein paar Ideen zur Klangfarbe und zum Sound hatte. Aber mehr nicht.

Ich finde, der Sound ist diesmal düsterer, schärfer und nicht so weich wie früher. Stimmst du dem zu, und wenn ja: war das ein neuer Ansatz und damit Absicht?
Da ist kein neuer Ansatz, es sind immernoch wir, die zusammen in einem Raum spielen, während uns jemand aufnimmt. Es wird nichts geschnitten oder kopiert, wir nutzen kein Metronom und es werden keine Spuren ausgetauscht. Wenn du findest, es klingt, wie du es beschrieben hast, ist das deine Sicht der Dinge, das ist OK.

Auch die Musik ist etwas düsterer, einige Riffs und Gitarrenläufe wie in „Nail Their Tongues“ oder „Whrere Lie The Gods“ könnten auch Black Metal sein …
Findest du? Das halte ich für Nonsens. Wenn du dir unser letztes Album („Where Greater Men Have Fallen“, A. d. Red.) anhörst, wirst du darauf mit „Seed Of Tyrants“ oder „The Alchemists Head“ zwei teilweise sehr „schwarze“ Songs entdecken – die sind definitiv düsterer als die Stücke auf dem neuen Album. Und nichts ist beabsichtigt. Es geschieht einfach, wie es geschieht. Da gibt es keinen Masterplan.

Auf der anderen Seite sind einige der Stücke, wie „Exile Amongst The Ruins“ oder „Stolen Years“ sehr melancholisch und damit eher soft. Würdest du sagen, dass „Exile Amongst The Ruins“ euer bislang vielseitigstes Album ist?
Das könnte sein, aber ich weiß es nicht genau. Man könnte auch sagen, dass das „Journey’s End“ ist? Es gibt ohne Frage ein paar neue Elemente, ein paar untypische Momente und ein paar Schritte zur Seite – aber das ist nach neun Alben ja nur positiv. Es hat definitiv einen etwas doomigeren Charakter. Aber so genau weiß ich das auch nicht, mit so etwas beschäftige ich mich nicht.

Ganz generell: Worum geht es auf dem Album, wo liegt die Verbindung zwischen Artwork, Titel und den Texten?
Es gibt immer eine solche Verbindung: Das Cover zeigt ein Foto eines verwüsteten Grabals in Griechenland. Es repräsentiert lose die moderne Bewegung, Geschichte neu zu schreiben, Bücher zu verbrennen und die Taten vergangener Generationen nur negativ und abwertend zu betrachten. Das Album ist kein Konzeptalbum, aber ein Teil des Albums beschäftigt sich damit, was ich als Krankheit des Herzens der westlichen Gesellschaft bezeichnen würde: Die Ablehnung der Aufklärungswerte wie Vernunft, rationale Debatte und die Trennung von Kirche und Staat auf dem Weg zu einer neuen, amoralischen Theokratie.

Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Donald Trump: Die falsche Antwort auf die richtige Frage
Das Ende von Slayer: Irgendwann erwischt es alle großen Bands. Ich bin mir aber sicher, dass sie noch einige Zeit auf Festivals auftreten werden.
Pagan Metal: Wenn das Leute dazu bringt, dass sie ihre Kultur verstehen wollen, ihre Geschichte, ihr Erbe und ihren Platz darin, dann ist das positiv.
Brexit: Viel zu kompliziert. Es hätte nie ein Referendum geben dürfen. Eine Ja/Nein-Antwort ist unglaubwürdig und unmöglich. Aber es ist passiert und es ist eine demokratische Bewegung. Es könnte auch als Ausdruck nationaler Souveränität gegen die überbordende Herrschaft von Brüssel und dem EU-Superstaat angesehen werden. Man kann es aus vielen Blickwinkeln sehen.
Dein aktuelles Lieblingsalbum: Das neue Werk von Drudkh ist phänomenal.
PRIMORDIAL in zehn Jahren: Wer weiß … ich bin erst 42, insofern ist nichts unmöglich!