Interview mit Patrick Sperling von Orden Ogan

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 22 der Serie unterhalten wir uns mit Patrick Sperling, Gitarrist von Orden Ogan.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Als ich 14 Jahre alt war, habe ich mit dem Gitarrenspiel begonnen. Ich habe mir eine alte Westerngitarre geliehen und konnte schon recht schnell ein paar Songs spielen.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Ein paar Freunde von mir waren damals totale Metalheads und spielten E-Gitarre. Zusammen haben wir uns ständig irgendwelche Shredvideos von Yngwie Malmsteen, Steve Vai, Van Halen, Michael Angelo Batio usw. angeschaut. Das fand ich immer sehr erstaunlich und hat mich von diesem Zeitpunkt an total inspiriert Gitarre zu spielen. Wenn ich mal genau darüber nachdenke, bin ich der einzige aus der damaligen Truppe, der daran „hängen“ geblieben ist.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt (erlernen müssen)?
Ich habe früh angefangen Schlagzeug zu spielen. Natürlich musste erst das ganze Kochtopfsortiment meiner Eltern herhalten, bis sie mir endlich ein echtes Schlagzeug gekauft haben. Da war ich sieben Jahre alt und bekam erst privaten Unterricht, bis ich alt genug für die Musikschule war. Ein Drumset habe ich immer noch und kann auch noch spielen. Allerdings fehlt mir etwas die Zeit um mich regelmäßig ans Set zu setzen. Schade eigentlich…

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Klar. Die erste E-Gitarre war damals eine Flying-V-Kopie, die ich mir von meinem Taschengeld gekauft habe. Ich konnte zwar nicht gut darauf spielen, aber es sah verdammt cool aus! Meinte ich zumindest…(lacht).

Wie viele Gitarren besitzt du?
Puh… was das Ganze angeht bin ich ja etwas verrückt (lacht). Im Laufe der Zeit habe ich viele Gitarren gesammelt. Aktuell sind es weit über 20.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Meine Gitarren nutze ich alle Live wie auch im Studio. Für Orden Ogan habe ich z.B. gerade vier Metaläxte die auf Drop C gestimmt sind und soundtechnisch sehr gut passen! Mit denen habe ich kürzlich noch meine letzten Gitarrenparts für das anstehende Album aufgenommen. Ich habe auch ein paar Strats und Les Pauls die im Standard-Tuning sind und nutze diese ebenfalls gerne im Studio. Kommt halt immer auf das jeweilige Projekt an. Im Urlaub habe ich bis jetzt immer eine günstige Strat mit gehabt, um die Finger einfach etwas fit zu halten (lacht).

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Grundsätzlich gefallen mir Gitarren, die ergonomisch gut konzipiert sind. Da ich selber nicht die längsten Finger habe, bevorzuge ich recht flache Gitarrenhälse um alles problemlos und bequem zu erreichen. Meiner Meinung nach weiß man schon nach zwei Minuten ob die Gitarre zu einem spieltechnisch passt, oder nicht. Da hat ja jeder verschiedene Vorlieben.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Nicht direkt. Ich spiele hauptsächlich Siggi Braun Gitarren. Das sind definitiv meine Lieblingsinstrumente. Siggi und sein Team sind wirklich großartige Gitarrenbauer und absolute Freaks darin, klanglich und technisch das Beste rauszuholen. Mittlerweile bin ich auch in deren Artist Family und habe einen tollen Endorsement-Deal bei ihm. Im Moment spiele ich ein „Icarus“ Modell, welches eine Powerstrat ist. Mit Orden Ogan arbeiten wir gerade noch an weiteren Kooperationen verschiedener Firmen. Dazu kann ich aber im Moment nicht mehr sagen.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen, oder ist es sowieso ein Custom- Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Ich bekomme zum Sommer diesen Jahres mein erstes Signature-Modell von Siggi Braun gebaut. Die „Icarus“ die ich besitze ist quasi das Basismodell meiner Signature. Es wird eine Powerstrat mit Floyd Rose Tremolo werden. Der Body wird eine Sumpfesche mit einem 5A Flamed Maple Top und der Hals (Bolt on) und Griffbrett aus Ahorn gefertigt. Die verschiedenen Holzkomponenten haben wir gemeinsam ausgesucht und entsprechen genau meinen klanglichen Vorstellungen. Die Humbucker sind von „Häussel“ Pickups. Auf diese Klampfe freue ich mich natürlich schon tierisch!

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen
würdest?
Mhm… Ich würde gerne mal das Equipment von Steve Lukather spielen. Seinen Gitarrensound finde ich grandios!

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Grundsätzlich finde ich das völlig in Ordnung, habe aber schon immer mein eigenes Setup gespielt. Ich habe auf der Bühne immer einen ENGL Savage oder einen Kemper Profiler genutzt. Bei Orden Ogan spielen wir ausschließlich Kemper.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Sowohl als auch. Manche Einzelpedals wie z.B. ein Tubescreamer sind für mich unersetzbar geworden, wie auch ein klassisches Wahwah Pedal. Als Booster nutze ich sehr lange schon den Maxon OD 808. Der gibt mir ein tolles Spielgefühl und räumt den Bass Bereich bei Gitarrenriffs etwas auf. Mein Multieffektgerät (Boss GT-100) nutze ich nur für Delays, Reverb und Chorus Effekte. Außerdem kann ich mit dem Teil auch die Kanäle im Amp via MIDI umschalten. Viel mehr habe ich live nicht am Start. Ich bin da recht simpel unterwegs. Das ist natürlich von Musik zu Musik unterschiedlich. Im Endeffekt spiele ich aber auf der Bühne nur Pedals bzw. Effekte die ich wirklich benötige.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Die Gitarre kommt bei mir zuerst in das Maxon OD808 Pedal. Direkt danach geht es in ein Cry Baby und dann in den Input des Amps. Effekte wie Delay, Chorus, Reverb usw. schleife ich über den Effektweg des Amps ein. Ich setzte quasi alle Effekte, die die Dynamik verändern direkt vor den Input.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Ein Delaypedal! Gerade bei Gitarrensoli mag ich es wenn der Ton etwas „breiter“ und „warm“ durch den Saal fliegt (lacht).

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Mhm…Nicht wirklich.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Gerade im Metalbereich spielt man ja ziemlich ausgewachsene High-Gain-Sounds die natürlich einen gewissen Pegel an Nebengeräuschen oder Rauschen mit sich bringen. Deswegen nutze ich bei solchen Sounds immer ein Noise-Gate, um ein gutes störfreies Signal abzuliefern. Natürlich muss man bei einem Gate immer etwas aufpassen den Grundcharakter des Sounds nicht unnötig kaputt zu machen. Aber da gibt es ja mittlerweile unzählige gute Geräte die das sehr gut machen.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Ich passe mein Effekt bzw. Pedalboard immer an die Konzerte und die Songauswahl an. Ich baue das Pedalboard höchstens 2-3 mal im Jahr um. Wie gesagt, ich habe nie mehr auf dem Board, als ich eigentlich brauche.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Habt einfach Spaß und Freude an eurem Instrument und spielt einfach! Der Weg ist das Ziel (lacht).


Im nächsten Teil der Serie kommt Daniel Droste von AHAB zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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