Interview mit Kevin M. von Seeming Emptiness

Multi-Instrumentalist Kevin M. hat mit seinem Solo-Projekt SEEMING EMPTINESS dieses Jahr unter dem Titel „Heavy Rain“ ein beeindruckendes, instrumentales Konzeptalbum über den Untergang der menschlichen Zivilisation veröffentlicht. Warum er das Projekt im Alleingang betreibt, wie er über andere instrumentale Bands denkt, genaueres über „Heavy Rain“ und einiges mehr erfahrt ihr in folgendem Interview.

seeming emptiness4Einige unserer Leser werden dich bzw. SEEMING EMPTINESS wohl noch nicht kennen, darum sag uns doch bitte, wie du die Musik deiner Band beschreiben würdest.
Hm, ich würde es als instrumentale Mixtur aus Melodic Doom, Post-Rock und etwas Ambient bezeichnen. Was ist das dann… Post-Doom vielleicht?

Welche Bands bzw. Musiker haben dich am meisten beeinflusst?
Am meisten beeinflusst wurde ich definitiv von Bands wie Katatonia, October Tide, Shape Of Despair, Daylight Dies, Rapture usw. Aus dem Post-Rock-Sektor würde ich hier noch die großartigen Jakob und Mono nennen. Wer diese Bands kennt, wird deren Einfluss auf mich mit Sicherheit beim Hören meiner Musik bemerken.

SEEMING EMPTINESS ist dein Solo-Projekt. Wieso hast du dich dafür entschieden, allein Musik zu machen?seeming emptiness3
Na ja, ich spiele und spielte auch in „richtigen“ Bands, allerdings war und ist es immer sehr schwer, dabei alle unter einen Hut zu bekommen, was Ideen, Probezeiten usw. angeht. Produktionsprozesse erreichen dabei schier unendliche Längen, was der Motivation nicht unbedingt zuträglich ist. Ich brauchte einfach noch ein Projekt, in dem ich tun und lassen kann, was ich will und wann ich es will. Das funktioniert für mich recht gut. Ich habe zwar eigentlich viel mehr Arbeit mit einem Album, da ich alles selbst schreiben und einspielen muss, komme aber trotzdem weitaus schneller zum Ziel, als bisher mit meinen Bands.

Du verzichtest jedoch nicht nur auf andere Bandmitglieder, sondern auch auf Gesang und Texte. Wieso ziehst du es vor, deine Musik gänzlich instrumental zu halten?
Es sollte einfach ein Instrumentalprojekt werden und deshalb habe ich bisher auch nicht wirklich darüber nachgedacht, Gesang und Texte mit einzubauen.

Ziehst du es in Betracht, zukünftig auch Vocals einzusetzen?
Ich würde es jedseeming emptiness5enfalls nicht ausschließen. Viele meinen ja, dass die Musik mit Gesang noch eine deutliche Aufwertung erfahren würde und ich kann das auch irgendwie nachvollziehen, allerdings fand ich es gerade schön, diese Art von Musik rein instrumental zu gestalten, da es dieses Konzept im Doom-Sektor, meines Wissens nach, noch nicht wirklich gab.

Instrumental-Rock/Metal-Bands werden in letzter Zeit immer erfolgreicher und/oder ändern ihren Stil, indem sie doch immer öfter auf Gesang zurückgreifen, so beispielsweise hierzulande Long Distance Calling. Was hältst du im Allgemeinen von dieser und anderen Instrumental-Bands?
Ich mag LDC sehr und habe sie auch schon des Öfteren live erlebt. Ihr Konzept, von Album zu Album immer öfter Vocals einzusetzen und geniale Gastsänger einzuladen, finde ich sehr schön. So könnte ich es mir bei meiner Musik auch vorstellen… Vielleicht mal einen oder zwei Songs mit Vocals versehen und schauen, wie´s ankommt. Generell mag ich instrumentale Bands sehr, schade ist nur, dass sich, aufgrund ihrer mittlerweile hohen Anzahl, viele doch sehr ähneln.

Auf deinem aktuellen Album „Heavy Rain“ erzählst du ohne Worte eine dystopische Geschichte über den Untergang der modernen Zivilisation. seeming emptiness6Wie kamst du dazu, dich auf dem Album mit dieser Thematik auseinanderzusetzen?
Ich suchte nach einem düsteren Thema für düstere Musik und empfand diese Thematik, angesichts der aktuellen Lage in vielen Teilen der Welt, als sehr passend. Mir war es wichtig, darauf hinzuweisen, wohin das alles führen könnte. Wobei das eigentlich jeder weiß…

Hältst du die Thematik von „Heavy Rain“ tatsächlich für eine mögliche Zukunft?
Für viele ist das leider bereits bittere Realität. Kriege, extreme soziale Ungleichheiten, Korruption, Zerstörung unserer Umwelt usw… Geld regiert die Welt… leider.
Man kann nur hoffen, dass am Ende doch noch die Vernunft siegen wird.

In den letzten paar Sekunden des Abschlusstracks „Enliven The Dust“ klingen die Gitarren fast schon wieder hoffnungsvoll. Deutest du damit an, dass es nach dieser fiktiven Katastrophe doch noch weitergeht? Wirst du mit einem späteren Album womöglich daran anknüpfen?
Ja, es soll andeuten, dass es weitergeht, allerdings ohne Menschen. Folgt man der seeming emptiness2Geschichte des Albums, ist die Menschheit bereits ab dem sechsten Song „Heirless“ nicht mehr existent. Danach geht´s dann wieder aufwärts mit der Welt.
Ich habe noch nie daran gedacht, an den Ausgang von „Heavy Rain“ anzuknüpfen, finde die Idee aber eigentlich nicht schlecht. Wäre vielleicht ein gutes Konzept.

Welcher ist für dich der wichtigste Track auf „Heavy Rain“ und warum?
Hm, einen wichtigsten Track gibt es für mich eigentlich nicht, denn jeder einzelne trägt seinen Teil zur Geschichte bei. Meine musikalischen Favoriten sind aber „Obcure Pulse“ und „Heavy Rain“.

Hast du bereits eine Vorstellung davon, welches Konzept du auf deinem nächsten Album umsetzen wirst?
Jetzt vielleicht… (lacht) Ob es aber überhaupt wieder ein Konzeptalbum werden wird, kann ich momentan noch nicht sagen. Das wird noch eine Zeit lang dauern.

Wirst du mit SEEMING EMPTINESS auch live auftreten oder bleibt es ein reines Studio-Projekt?
Ich spiele schon lange mit dem Gedanken und habe auch bereits einige interessierte Musiker, die sich gern an einer Live-Umsetzung beteiligen würden. Ich müsste mich wohl einfach mal überwinden, den Startschuss zu geben. Es könnte also schon passieren, dass wir irgendwann einmal auf der Bühne stehen.

So, dann kommen wir schon langsam zum Ende. Als Abschluss möchte ich dich noch zu unserem traditionellen Metal1.info-Brainstorming einladen. Bitte sag uns, was dir zu folgenden Begriffen einfällt:
Bestes Album mit Vocals: Katatonia – „Last Fair Deal Gone Down“
Bestes Album ohne Vocals: Jakob – „Solace“
Stadt: Beton
Zukunft: …hoffentlich weniger Beton
Klargesang: Meistens gut!
Screaming: Nicht mein Ding.

Dann nochmals vielen Dank für dieses Interview. Wenn du den Lesern noch etwas sagen möchtest, kannst du das jetzt gerne machen:
Danke, dass ihr euch die Zeit zum Lesen genommen habt. Danke allen, die meine Musik hören und mich unterstützen! Und danke für das Interview! Take care!

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